Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 4 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 53 fülirl habe. — Das Mitglied der Exekutive, Harry Sacher, wies auf die von Dr. Senator aufgezeigte ernste Lage hin, mit der das Aktions-Komitee zu rechnen habe. Wenn das Aktions-Komitee eine neue Exekutive wünsche, so könne eine solche auch ohne Kongreß noch auf dieser Tagung eingesetzt werden. Dr. Hexler verlas ein Telegramm der amerikanischen Zionisten, in dem die Verschiebung des Kongreßtermins und die Entsendung einer Delegation nach den Vereinigten Staaten gefordert wird. Auch Meer Großmann und Dr. Nurck protestierten energisch gegen den Plan einer Verschiebung des Kongresses. Dr. Hantke bemerkte, ein Rückgang der Einkünfte des Keren Hajessod sei im abgelaufenen Jahr nur in den Vereinigten Staaten erfolgt. — Kurt Blumenfeld hob die Notwendigkeit der Einigkeit im gegenwärtigen Augenblick hervor. — Es sprachen noch Twersky, Naiditsch, Goldstein, Goldbloom, Szkolnik und Remez für die Verschiebung des Kongreßtermins, während Rabbi Berlin und Dr. Goldmann für die Abhaltung des Kongresses im Februar eintraten. Letzterer erklärte, die Abhaltung des Kongresses im Februar sei ein wichtiger Schritt zur Herbeiführung einer Besserung der finanziellen Lage. Kaplansky faßte noch einmal die Gründe, die für die Verschiebung des Kongreßtermins sprechen, zusammen. — Dr. S. Levin machte der Opposition den Vorwurf, sie habe das Vertrauen der Massen untergraben. Nach einer Reihe von persönlichen Erklärungen wurde die Generaldebatte um 1 Uhr morgens geschlossen. London; 18. Januar. (JTA.) Das Plenum des Aktions-Komitees hat am Freitag, dem 10. Januar, keine Sitzung abgehalten, es fanden nur Kommissionssilzungen statt. Am Sonnabend, dem 17. Jan., abends, trat das Plenum des Aktions-Komitee wieder zusammen. Rabbiner Dr. D. M. Nurok erstattete den Bericht der Politischen Kommission, der vom Aktions-Komitee zur Kenntnis genommen wurde. D a s A k I i o n s - K o m i t e e billigt e e i n .st i m m i g d i e Haltung d e r E x e k u I i v e b e i den b i s h e rig e n V e r h a n d1u ngen z wischen J e w i s h Agency und englischer R e g i eru n g u n d erklärte, die weitere Gest a I l u n g d e r j ii d ischen P o 1 i t i k gegenii b e r E n g 1 a n d h ä n g e v o n de m Ergehn i s des zweit e n Teiles d e r V e r h a n d - lungen, i n d e m die P r o b 1 e m e d e r E i n - w a nd e ru ng und der P a1ä s t i n a- Verfassung z u r S p r a c he ko m m e n soll e n , a b. 1) e r Antrag der P o 1 i t i s c heil K o m - m i s s ion, d e n T e r m in des 17. Z i o n i s t e nk o ng resses z u v e r s c hie b e n, w u rd e m i t 2 0 gegen 11 S t i m m e n a n g e n o m m e n. Die Zionistische Exekutive wurde beauftragt, dem Aktions-Komitee einen Vorschlag über das genaue Datum der Eröffnung des Kongresses zu unterbreiten. Die Vertreter d es Mi s r a c h i i n d er Z i on i s t i s c h e n Exekutive, L a z a r u s B a r t h u n d R a b b i B e r 1 i n h a b e n n a c h A n - n a h m e d es Antrages a u f V e rs c hie b u ng d e s K o ngresses d e m i s s i o n i e r t. Der Vertreter der Radikalen Zionisten in der Politischen Kommission, Dr. Nahum Goldmann, gab die Erklärung ab, daß er bis zur nächsten Sitzung der radikalen Exekutive, die beschlossen hat, ihren Vertreter aus der Kommission zurückzuziehen, falls das Aktions-Komitee eine Verschiebung des Kongresses beschließen sollte, in der Kommission verbleiben werde. Die Radikale Exekutive wird nunmehr ihre endgültige Entscheidung treffen. Die Vollversammlung des Aktions-Komitees wurde am Sonntag, dem 18. Januar, fortgesetzt. Auf Grund des Berichtes der Finanzkommission wurde eine Reihe von Ersparungsmaßnahmen, darunter die Einstellung des hebräischen Zentralorgans „Haolam“, sowie die Entsendung einer Delegation nach Amerika zur Verstärkung der Palästina-Kampagne beschlossen. In einer großen Rede wandte sich Prof. Dr. Weizimum gegen die Methoden, deren sich die Opposition in ihrer Kampagne gegen ihn bediene. Er erklärte sich zur Fortführung der Arbeit unter der Voraussetzung bereit, daß Garantien für die Einhaltung straffer Disziplin geschaffen werden und daß eine Reinigung der gegenwärtigen ungesunden Atmosphäre erfolgt. Sonntag abends kam die Frage des Kongreßlermins nochmals zur Sprache. Das Aktions-Komitee hat beschlossen, daß der 17. Zionistenkongreß spätestens am 15. Juni 1931 zusammentreten soll. Die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, Prof. Maurice Hexler und Dr. Werner Senator, treten am Montag, dem HX Januar, die Rückreise nach Palästina an. Vertagung der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung London, 15. Januar. (JTA.) Mil Rücksicht auf die Abreise des englischen Außenministers Henderson, der in den Verhandlungen zwischen Jewish Agency und den Vertretern der englischen Regierung den Vorsitz geführt hat, zur Völkerbundstagung nach Genf, wurden die Verhandlungen bis zu seiner Rückkehr, die frühestens in einem Monat erfolgen wird, vertagt. Wie die JTA. erfährt, wird Prof. Maurice Hexler die Verhandlungspause dazu ausnützen, um sich unmittelbar nach Beendigung der Tagung des Aktions-Komitees zu dreiwöchigem Aufenthalt nach Palästina zu begeben. Nahum Sokolow 70 Jahre Ein Führer der zionistischen Bewegung und des geistigen Judentums London, 9. Januar. (JTA.) Am 23. Januar 1931 vollendet Nahum Sokolow, Präsident der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation und Ehrenvizepräsident des Administrative Committee der Jewish Agency, einer der Organisatoren der modernen zionistischen Bewegung und einer der geistigen Führer des Judentums von heute, sein 70. Lebensjahr. Die Zionistische Weltorganisation, die zionistischen Verbände und die Hebraisten-Gruppe in allen Ländern rüsten sich zur festlichen Begehung dieses Tages. Nahum Sokolow wurde am 5. Sch’wat 5621 (1861) in Wyszogrod bei Plock (Polen) geboren. Er widmete sich frühzeitig schriftstellerischer Tätigkeit und trat 1884 in die Redaktion der Warschauer hebräischen Zeitung „Hazefira“ ein, deren Leitung er bald darauf ganz übernahm. Sokolow wurde hier der eigentliche Begründer der modernen hebräischen Journalistik. Seine glänzend geschriebenen Feuilletons und Artikel in der in europäischem Geiste redigierten „Hazefira“ vollbrachten ein großes Kulturwerk, indem sie der gerade dem Ghetto entwachsenden jüdischen Leserschaft in Osteuropa die Kenntnis Westeuropas und der Moderne vermittelten. Daneben veröffentlichte Sokolow zahlreiche Abhandlungen und Aufsätze in hebräischer, jiddischer, russischer, englischer, französischer und deutscher Sprache fast in der ganzen jüdischen Presse der Welt. Er arbeitete auch an vielen nichtjüdischen Zeitschriften in fast sämtlichen europäischen Sprachen mit.