Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 4 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Das Jüdische Echo Nr. 4 politische Interessen und die ungeheuerliche Wirlschaftsnot diesseits und jenseits des Ozeans sind Momente, die zwangsläufig das Schicksal des Zionismus beeinflussen. Darin liegt eben die Größe der zionistischen Konzeption, daß diese Bewegung das jüdische Volk wieder in die aktive Politik als handelnden Faktor hineingestellt hat. Damit sind selbstverständlich Gefahren verschiedenster Art verbunden, welche jedoch nur eine unvermeidliche Begleiterscheinung der großen Chancen sind, die aus dieser Sachlage für die Beeinflussung des jüdischen Schicksals durch die Juden seihst resultieren. Die Entscheidung ist gefallen. Die Zionistische Organisation in der ganzen Welt wird gut daran tun, dem Beispiele des Aktions-Komitees in seiner Sitzung vom 17. auf den 18. Januar zu folgen. Als der Beschluß gefaßt war, zeigte sich im Gremium des Aktions-Komitees eine seltene Einmütigkeit, um in den kommenden Wochen und Monaten mit allen Kräften, soweit es in der Macht der zionistischen Organisation und des jüdischen Volkes liegt, alles zu tun, um die Notwendigkeiten des Palästina-Auf - baus zu berücksichtigen. Der Beschluß, eine repräsentative Delegation nach Amerika zu schicken, um dort in einem großzügigen Palästina-Drive Mittel für das notleidende Palästinawerk zu sammeln, die Bereitschaft auch derjenigen Gruppen, die gegen die Verschiebung gestimmt haben, des Misrachi, der Radikalen und Revisionisten, sich intensiv an der Arbeit für die Fonds zu beteiligen, die Billigung der Haltung unserer Unterhändler gegenüber der britischen Regierung und schließlich die Einmütigkeit, bei der Würdigung N a h u m S o k o 1 o w s bewiesen, daß trotz aller Zwischenfälle die Einheit der zionistischen Überzeugung nach wie vor besteht. Sie ist eine Einheit des Herzens und eine Einheit des Wollens. Und wenn organisatorisch auch Gegensätze vorhanden sind, so werden diese durch die Herzen, denen nach dem berühmten französischen Ausspruch die besten Gedanken entspringen, überwunden werden. m. w. Die außerordentliche Tagung des Hktionskomitees Verschiebung des Kongresses Demission der misrachistischen Exekutiv- Mitglieder London, 15. Januar. (JTA.) Mittwoch, den 14. Januar, wurde in London die außerordentliche Tagung des Zionistischen Aktions-Komitees eröffnet. In Vertretung des Präsidenten des Aktions-Komitees Leo Motzkin, der sich, wie bereits gemeldet, vor einigen Wochen auf ärztlichen Rat zu einem Kuraufenthalt nach Nizza begeben und für längere Zeit jeder öffentlichen Betätigung entsagen mußte, führte der ehemalige Abgeordnete zum polnischen Sejm und Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Warschau, H. Farbstein, den Vorsitz. Die amerikanischen Mitglieder des Aktions-Komitees, sowie die der Förderation Misrachi und den Allgemeinen Zionisten angehörenden Aktions-Komitee-Milglieder aus Palästina sind zur Tagung nicht erschienen. In seiner hebräisch gehaltenen Eröffnungsansprache gab Farbstein der Hoffnung Ausdruck, daß die Beratungen des Aktions-Komitees zu fruchtbaren Ergebnissen führen werden und beantragte die Absendung eines Schreibens an den erkrankten Präsidenten des Aktions-Komitees, Leo Motzkin, in dem ihm das Aktions-Komitee baldige Wiederherstellung wünscht. Sein Nachruf auf Lord Melchett wurde von der Versammlung stehend angehört. Präsident Farbslein gedachte sodann der anderen Verluste, die die Organisation und das jüdische Volk in letzter Zeit, insbesondere durch den Tod von Nathan Straus erlitten haben, und erteilte, nachdem die Sitzung für vertraulich erklärt worden war, das Wort dein Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Na hum Sokolow. Wie in einem offiziellen Kommunique mitgeteilt wird, erklärte Sokolow in seiner Ansprache, es müßten außerordentliche Mittel zur Rettung der Bewegung aus ihrer kritischen finanziellen Lage angewandt werden. Der Zionismus und seine Schöpfungen diese Quintessenz des Judentums, müßten vom jüdischen Volk erhalten werden. Man könne nicht zu den Methoden zionistischer Arbeit vor Erlassung der Balfour-Deklaralion zurückkehren. Das zionistische Ideal habe heute konkrete Formen angenommen, es sei untrennbar mit der Palästina-Arbeit verknüpft. Die Grundlagen des Palästinawerkes, Erziehungswesen und Kolonisation, dürfen nicht erschüttert werden. Das Gewissen des jüdischen Volkes müsse aufgerüttelt, alle seine potentiellen Energien zur Rettung der Lage freigemacht werden. Wenn das jüdische Volk erkennen werde, was auf dein Spiele steht, werde es auf den Ruf Zions, dem es seine Träume, seine Hoffnungen, seine Tränen und seine Lieder geweiht habe, antworten. Man müsse eine starke Delegation nach Amerika entsenden. Die Judenheit der Vereinigten Staaten, die für den Aufbau Palästinas bisher so große Opfer gebracht hat, werde dieses Werk in einer so kritischen Situation sicher nicht im Stiche lassen. Daß gerade die Juden armer Länder ihre Leistungen für Erez Israel erhöht haben, sei ein Beweis dafür, daß die Situation mit Energie und Entschlossenheit gerettet werden könne. Das Aktions-Komitee müsse alle Meinungsverschiedenheiten beiseite lassen und unverzüglich zur Tat schreiten. Im Hinblick auf die Dringlichkeit der Aktion ist die Exekutive der Ansicht, daß der Kongreßtermin um einige Monate verschoben werden soll. Dr. Weizmann gab einen kurzen Überblick über die politische Entwicklung seit der letzten Aktions- Komitee-Tagung. Er skizzierte den bisherigen Verlauf der noch unabgeschlossenen Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung und erklärte sich bereit, Fragen über Einzelheiten innerhalb der Politischen Kommission zu beantworten. Der Bericht Dr. Weizmanns wurde von Dr. Nahum Goldmann ergänzt, worauf Dr. Werner Senator einen Bericht über die finanzielle Lage in Palästina erstattete. Die Debatte wurde von A. Harzfeld eröffnet, der sich mit Nachdruck für eine Verstärkung der Ansiedlung von Arbeitern in Palästina einsetzte und gegen die Abhaltung des Kongresses im Februar aussprach. Simon Marks erklärte, es müsse mit der Lage, wie sie von Dr. Senator dargestellt worden sei, gerechnet werden. Es wäre nötig, zahlreiche Sparmaßnahmen zu treffen und in den nächsten Monaten alle Energien auf das Aufbringen von Geldmitteln zu konzentrieren. Daher sei auch er gegen die Abhaltung des Kongresses im Februar. Abg. Grünbaum wies darauf hin, daß die gesamte zionistische Welt mit Spannung auf den Kongreß warte und sehr enttäuscht wäre,ifalls er-verschoben werden sollte. Er glaube, daß das Zusammen treten des Kongresses sich auf die Geldaufhringungskampagne günstig auswirken werde. Es sei die Unklarheit der politischen Situation, die zu der jetzigen Geldknappheit ge-