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Das jüdische Echo · 1931-01-23 · 4 (23.1.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 4 23. Januar 1931 18. Jahrgang Verschiebung des Zionistenkongresses Unter dem Zwange der Gegebenheiten Das Aktions-Komitee der Zionistischen Weltorganisation hat in der Nachtsitzung vom 17. auf den 18. Januar nach außerordentlich heftiger Debatte mit 20 gegen 11 Stimmen die Verschiebung des für den 24. Februar 1931 nach Karlsbad einberufenen Zionistenkongresses auf den Monat Juni beschlossen. Wenn man die Gabe hätte, in den Herzen der Mitglieder jener Versammlung, welche für die Verschiebung gestimmt haben, zu lesen, so würde man feststellen können, daß die 20 Mitglieder viel lieber für die Beibehaltung des ursprünglichen Termins gestimmt hätten und daß die 11 Stimmen, die sich gegen eine Verschiebung ausgesprochen haben, auf Grund der Kenntnis aller Details der gegenwärtigen zionistischen Situation sich viel lieber für eine Verschiebung ausgesprochen hätten. Es gibt eben Situationen, wo auch das Gegenteil dessen, was beschlossen wird, auch nicht viel wert ist. Man spricht dann von größerem und kleinerem Übel. Denn es ist kein Zweifel, daß sowohl die Abhaltung des Kongresses am 24. Februar, wie auch die Verschiebung von Übel sind. Es bleibt nun die Frage, was man für das 'größere Übel hält. Und in der Hinsicht gab es Meinungsverschiedenheiten. Es ist ohne weiteres klar, daß den 20 Männern, die für die Verschiebung des Kongresses gestimmt haben, dieser Entschluß sehr schwer gefallen ist. Es handelt sich bei diesen Männern, ebenso wie bei den 11 Opponenten des Beschlusses, um Menschen höchster Verantwortlichkeit gegenüber dem Wohl und Wehe der Sache, der sie allesamt länger als ein Menschenalter dienen. Sie haben für diese Sache so manches persönliche Opfer gebracht, sie haben dem Werke des Zionismus ihre Jugend und ihr Mannesalter geopfert und sie opferten in dem Beschlüsse für die Verschiebung des Kongresses auch ihren guten Ruf in der Zionistischen Organisation. Denn man darf sich darüber nicht täuschen, daß nunmehr von oppositioneller Seite, d. h. aus den Kreisen jener Fraktionen, denen die 11 Opponenten des Beschlusses entstammen, die allerheftigsten Vorwürfe gegen die 20 A.-K.-Mitglieder, die für die Verschiebung gestimmt haben, ertönen werden. Man wird ihnen im Hader des Parteikampfes sagen, daß sie an ihren Ämtern kleben, daß sie Angst vor der zionistischen Öffentlichkeit haben, daß sie sich vor der Verantwortung auf dem Kongresse drücken. Das alles ist diesen 20 Männern, die im Einvernehmen mit der bisherigen Exekutive den Mut aufbrachten, zu ihrer Überzeugung zu stehen und sich für das kleinere Übel zu entscheiden, durchaus klar gewesen. Diese letzte A.-K.-Sitzung in London war, soweit wir informiert sind, voll dramatischer Spannungen. Selten wurde auf einer zionistischen Tagung mit so viel Leidenschaft, mit so viel Seelenpein gerungen und kein ehrlicher, anständiger Zionist hat das Recht, der Mehrheit oder der Minderheit im Aktionskomitee Vorwürfe zu machen, die sich nicht auf die Überzeugung in der Stellungnahme der einzelnen Mitglieder, sondern auf andere weniger edle Motive beziehen. Sowohl die Mehrheit, die für den Beschluß der Verschiebung verantwortlich ist, wie auch die Minderheit, die gegen den Antrag der Verschiebung stimmte, haben sich nur unter schwersten Gewissensqualen zu ihrem Entschlüsse durchgerungen. Das kann auf Grund der detaillierten Berichte in der Sitzung des Aktions-Komitees ohne jede Einschränkung behauptet werden. Es ist kein Zweifel, daß der Beschluß, den Kongreß-Termin zu verlegen, in der zionistischen Öffentlichkeit außerordentliches Aufsehen und schwere Mißstimmung erregen wird, obwohl jeder einzelne Zionist ohne Rücksicht auf seine fraktionelle Bindung, privat befragt, die Richtigkeit dieses Beschlusses aus sachlichen Gründen zugeben wird. Parteipolitisch gesehen, bedeutet der Beschluß der Verschiebung für die bisherige Exekutive und für ihre Anhänger gewissermaßen einen Selbstmord. Denn es ist vorauszusehen, daß bei Fortschreiten der innerzionistischen Verhetzung sich der Zorn der zionistischen Kongreßwähler gegen die Männer wenden wird, die bisher die Leitung der zionistischen Geschicke, soweit diese überhaupt von den Juden gemeistert werden können, in den Händen hatten. Allerdings soll ausdrücklich festgestellt werden: Als der Beschluß, den Kongreß zu verschieben, gefaßt war, da herrschte im Aktionskomitee bei der Mehrheit und bei der Minderheit geradezu ein Gefühl der Erleichterung, denn man ersehnte irgendeine Entscheidung in der ungewissen Situation und man war froh, daß diese durch den Beschluß der 20 gegen die 11 Opponenten gefaßt wurde. Dieses Gefühl der Erleichterung ist psychologisch einfach zu erklären. Weder Mehrheit noch Minderheit waren hundertprozentig von der Richtigkeit ihres Standpunktes überzeugt und darum waren sie froh, daß überhaupt ein Entschluß gefaßt wurde. Wenn der Kongreß nicht verschoben worden wäre, so hätte dieses Gefühl der Erleichterung sicherlich auch bei der Mehrheit, die für die Verschiebung gestimmt hat, Platz gegriffen. Man erkennt daraus unschwer, wie kompliziert die Lage in der zionistischen Bewegung und in der Zionistischen Organisation ist. Daß sie so weit gedeihen konnte, ist sicherlich zu einem erheblichen Teile auf eigene Fehler und Unterlassungssünden zurückzuführen. Denn schließlich kann richtige Politik von einem zu selbständigen politischen Denken und Handeln, infolge jahrhunderte langer Unterdrückung wenig befähigtem Volke, nicht verlangt werden. In schweren Qualen und Nöten, nach Bezahlung eines reichlichen Lehrgeldes, ringt sich ein Volk zu richtigem politischem Denken und Handeln durch. Und außerdem ist ja die prekäre Situation im Zionismus nur zum Teile eine Folge eigener Unzulänglichkeit, denn ausschlaggebenden Einfluß auf die Situation haben Faktoren, die außerhalb der Einwirkungssphäre der zionistischen Organisation liegen. Englands weltumspannende

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