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Das jüdische Echo · 1931-01-16 · 3 (16.1.1931) · p. Seite 43

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
3 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 43 Stuhl tiir Allgemeine Botanik an der Hebräischen Universität in Jerusalem zu finanzieren. Der Lehrstuhl wurde Prof. Warburg, der Leiter des Instituts für Naturgeschichte Palästinas seit dessen Gründung war, übertragen. Prof. Warburg ist bereits in Palästina eingetroffen, um die nötigen Vorbereitungen für die Erweiterung der Botanischen Sektion zu treffen. Dr. Heinz Oppenheimer ist zum Assistenten in der Abteilung für Allgemeine Botanik ernannt worden. Die Aufhebung der Zwangssonntagsruhe in Athlit offiziell kundgemacht Jerusalem, 11. Januar. (JTA.) Die Aufhebung der Verordnung über die obligatorische Sonntagsruhe in Athlit ist nunmehr in einem Regierungscominunique offiziell kundgemacht worden. In dem Communique wird erklärt, daß durch Neueinteilung der Arbeitsschichten den jüdischen Arbeitern in Athlit die Möglichkeit geboten wird, die Sonntagsarbeit bereits am 11. Januar wieder aufzunehmen. Gerüchten zufolge soll die Aufhebung der Verordnung über die Zwangssonntagsruhe auf Weisungen des Kolonialamts in London an den High Commissionar, der persönlich nicht geneigt war, die Verordnung zurückzuziehen, zurückzuführen sein. Fortführung der Unternehmungen Lord Melchetts in Palästina Jerusalem, 7. Januar. (JTA.) Wie die JTA. erfährt, wird in den nächsten Tagen die Entscheidung getroffen werden, in welcher Form die Unternehmungen Lord Melchetts in Palästina fortgeführt werden sollen. Der Gutsdirektor Lord Melchetts in Palästina, Herr Hillel Weizmann, ist nach London berufen worden, um diesbezügliche Instruktionen entgegenzunehmen. — Die Verwaltung' der jüdischen Garlensladt Hadar Hakarmel hei Haifa hat beschlossen, eine Straße noch Lord Melchett zu benennen. Mohammed Ali wird in der Omar-Moschee beigesetzt Lond o n , 9. Januar. (JTA.) „News Chronicle“ meldet, daß die Leiche des vor kuzem verstorbenen indisch-mohammedanischen Führers, Maulana Mohammed Ali nach Jerusalem überführt werden wird, um in der Omar-Moschee an der Seite des Propheten des Islam beigeselzt zu werden. Die Bestattung in der Omar-Moschee gilt als die höchste Ehre, die einem Mohammedaner zuteil werden kann. Der Vorschlag zur Überführung der Leiche Mohammed Alis wurde den Angehörigen des Verstorbenen vom Großmufli von Jerusalem telegraphisch unterbreitet. Der Sarg mit der Leiche des verstorbenen mohammedanischen Führers ward in Port Said von einer tausendköpfigen Eskorte übernommen und in feierlicher Prozession nach Jerusalem gebracht werden. Feuilleton Jehuda Löb Gordon zum 100. Geburtstag Das geistige Erez Israel beging den 21. Kislew^ als nationalen Festtag der hebräischen Literatur. Schriftsteller, Lehrer und Vereinigungen haben in solennen Kundgebungen den 100. Geburtstag des hebräischen Dichters J. L. Gordon gefeiert und somit eine nationale Ehrenschuld abgetragen an dem einzigen geistigen Führer, dessen dichterische und publizistische Meisterwerke durch Jahrzehnte die hebräische Literatur beherrscht und ihr den Weg gebahnt haben zur Modernisierung und Erneuerung. Sie haben damit bekundet, daß sie sich der Einwirkung Gordons auf ihre Erziehung und auf ihre geistige Entwicklung bewußt sind, wenn auch „andere Zeiten, andere Lieder“ seine gigantische Erscheinung überschattet zu haben scheinen, da er ja zu den Führern der mit mehr oder weniger Recht verschrieenen „Haskala“ gehörte. Das ältere Geschlecht von hebräischen Lehrern und Schriftstellern, zu denen noch der lebendige Gordon gesprochen, die in ihrer Jugend ihn als den einzigartigen, unübertroffenen Dichterfürsten huldigten, betrachten das Gedenken Gordons in dem der nationalen Erneuerung dienenden Palästina als eine sehnlich erhoffte Genugtuung. Sie finden darin die Antwort auf eine verzweifelte Frage, die der pessimistische Dichter an sie gerichtet, als er sein Gedicht „L’mi ahi amel?“ (Für w^en arbeite ich?) mit den betrübenden Versen schloß: „Und unsere Kinder vom kommenden Geschlecht, Sind uns fremd von frühester Jugend. Sie schreiten vorwärts Jahr um Jahr. Vielleicht, um niemehr wüederzukehren. Oh, wer kündet die Zukunft mir? Wer weiß, Ob ich nicht der letzte Zionsdichter bin? Oh nicht auch Ihr die letzten Leser seid?“ Der Meister sah alles um sich schwarz und düster. Die erste Periode seines freudigen dichterischen Schaffens war vorüber; es hatte den romantischen Einfluß Mapus der beiden Lebensohn und in gewissem Grade Schillers überwunden und war von den epischen biblischen Dichtungen zum Kampf für die Haskala, für Aufklärung und Verbesserung des realen Lebens, übergegangen. Schon in einer der letzten Schöpfungen jener romantischen Periode kündigt sich der revolutionäre Kämpfer an: Das Ungemach des jüdischen Volkes, das von dem als ,amor et deliciae generis humani“ verehrten Titus so grausam niedergetreten wurde, bestand damals ebenso wTie in späteren Jahrhunderten darin, daß es konsequent dazu erzogen wurde, sich in den Lehrhäusern niederzulassen, als „Toter auf Erden, im Himmel zu leben“ und als lebendige Mumie für alle Zeiten sein Dasein zu fristen. Mit überwältigendem prophetischem Pathos forderte er, daß die Fenster im geistig und moralisch verfallenen Ghetto weit geöffnet wrerden für die Sonnenstrahlen der Aufklärung, für die frische Luft freien Fortschrittes. Nach schweren, aufreibenden Sysiphus-Kämpfen sah er sich schon an der Schwelle seiner neuen, realistischen Periode in seinen Hoffnungen arg getäuscht. Nicht etw^a dadurch allein, daß die Orthodoxie in ihrer bildungsscheuen Exklusivität nur noch heftiger Widerstand leistete; mit einem langandauernden Kampf gegen diese mußte er ja rechnen und er wTar ja auch entschlossen, ihn rücksichtslos weiterzuführen. Aber er mußte zu seinem tiefen Schmerze die traurige Wahrnehmung machen, daß es auch um die Jugend nicht besser bestellt war, daß die Jugend, abgestoßen von der verkehrten Erziehung und der Zwecklosigkeit des Ghettolebens überdrüssig, sich durch diq dem Licht und der Luft ge-

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