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Das jüdische Echo · 1931-01-16 · 3 (16.1.1931) · p. Seite 42

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
3 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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42 Das Jüdische Echo Nr. 3 verleiten läßt, ein wichtiges Reisepublikum von der Berührung mit ihr auszuschalten. Julius Brutzkus 60 Jahre Berlin, 7. Januar. (JTA.) Am 25. Dezember 1930 vollendete der bekannte Führer der russischen Zionisten, Arzt und Gelehrter Dr. Julius Brutzkus sein 60. Lebensjahr. Remarque-Film und antisemitische Demonstrationen in Wien Schwere Drohungen der Hakenkreuzler gegen die Juden der Leopoldstadt Wien, 8. Januar. (JTA.) Die am 7. Januar im „Schweden-Kino“ in der Wiener Leopoldstadt stattgefundene erste Aufführung des in Deutschland verbotenen Remarque-Films „Im Westen nichts Neues“, dessen Aufführung in Wien vom Landeshauptmann Seitz erlaubt worden ist, gab den Wiener Hakenkreuzlern Anlaß, gegen die Juden zu demonstrieren und schwere Drohungen gegen die Judenschaft Wiens auszustoßen. Bereits einige Tage vor der Wiener Uraufführung des Films haben die Führer der Hakenkreuzler beschlossen, ihre Demonstrationen gegen den Film auf den von Juden am dichtesten bewohnten II. Wiener Bezirk (Leopoldstadt) zu konzentrieren und den Demonstrationen eine unzweideutige antisemitische Note zu geben. In ihren Verlautbarungen erklärten die Führer der Nationalsozialisten: „Wir wollen den Juden die Leopoldstadt verleiden!“ Die Wiener Öffentlichkeit sah in dieser Drohung die Ankündigung antisemitischer Dauerunruhen. Die Polizei mobilisierte mehr als 2000 Mann zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Insbesondere wurden die Gassen der Leopoldstadt, die am meisten von Juden bewohnt sind, durch starke Polizeiposten beschützt. Tausende Hakenkreuzler, unter denen sich auch Mitglieder des Bundesheeres befanden, sammelten sich auf dem Franz-Joseph-Kai am Donau-Kanal an und versuchten, den Polizeikordon zu durchbrechen, um gegen das Schweden-Kino vorzustoßen. Ununterbrochen schrie die Menge im Spechchor: „Deutschland erwache, Juda verrecke!“ Auch andere judenfeindliche Rufe wurden ausgestoßen. In der Leopoldstadt selbst sammelten sich demonstrierende Gruppen an, die ihrerseits versuchten, gegen die Innere Stadt vorzustoßen. An einzelnen Stellen kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. In der Leopoldstadt wie in der inneren Stadt wurden an mehreren Kaffeehäusern und Geschäftsläden die Fensterscheiben zertrümmert. Erst gegen Mitternacht trat Ruhe ein. Furchtbares Unglück in einem jüdischen Ritualbade 8 Tote und 17 Schwerverletzte jüdische Frauen Lemberg, 4. Januar. (JTA.) In dem städtischen Horodenka an der galizisch-bukowinischen Grenze ereignete sich am Donnerstag, den 1. Januar, 5 Uhr nachmittags, im dortigen Ritualbade eine Kesselexplosion, die verhängnisvolle Folgen hatte. Von den im Bade anwesenden 25 jüdischen Frauen wurden 8 teils auf der Stelle getötet, teils starben sie noch am gleichen Tage an den Folgen der erlittenen furchtbaren Verletzungen, die übrigen 17 Frauen haben zum Teil sehr schwere Verletzungen davongetragen, dürften aber alle mit dem Leben davonkommen. Das Ereignis hat in Horodenka und Umgebung tiefe Trauer hervorgerufen. Rabbi Katzenellenbogen gestorben Leningrad, 1. Januar. (JTA.) Am 30. Dezember 1930, 9 Uhr abends, ist in Leningrad der Oberrabbiner Rabbi Tewel Katzenellenbogen im Alter von 81 Jahren gestorben. Er war einer der bedeutendsten Talmudisten und angesehensten Rabbiner unserer Zeit. 70 Jahre Alliance Israelite Universelle P a r i s , 2. Januar. (JTA.) Im Dezember 1930 hat die Alliance Israelite Universelle das 70. Jahr ihres Bestandes vollendet. Sie wurde im Jahre 1860 unter dem Eindruck der Ritualmordagitation in Damaskus und des Falls Mortara, der Entführung und Zwangstaufe eines jüdischen Kindes in Bologna, von 17 jungen Pariser Juden mit dem Ziele begründet, 1. überall für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Juden zu arbeiten, 2. denjenigen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Stütze zu sein und 3. jede Veröffentlichung zu fördern, die geeignet ist, dieses Resultat zu sichern. Im Gründungsaufruf wurde erklärt, daß die Alliance dazu bestimmt sei, „die Ehre des jüdischen Namens zu verteidigen, wann immer sie angegriffen werde; mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Entwicklung nützlichen Handwerks zu fördern und überall, wo es notwendig ist, die auf lange Unterdrückung zurückzuführenden Fehler und die Unwissenheit unter den Juden zu bekämpfen; mit ihrem ganzen moralischen Einfluß für die Emanzipation jener Glaubensgenossen einzutreten, die noch unter dem Druck von Ausnahmegesetzen stehen, und durch geistige und moralische Regeneration die Befreiung der Juden zu beschleunigen und zu sichern“. Der erste Präsident der Alliance war der französische Justizminister Adolphe Cremieux. Zahlreiche Nichtjuden, darunter der jüngere Dumas und Jules Simon, förderten tatkräftig die Arbeit der Alliance. Seit dem Jahre 1920 ist der berühmte Orientalist Prof. Sylvain Levi Präsident der Alliance. Hundert neue Studierende an der Hebräischen Universität Jerusalem, 6. Januar. (JTA.) Am 23. Dezember fand in der großen Halle der Hebräischen Universitätsbibliothek die Immatrikulation von 100 neuen Studenten statt. Der Kanzler der Universität, Dr. J. L. Magnes, berichtete über die zur Verteilung gelangenden Stipendien und teilte die Resultate der ersten Teilprüfungen mit, die im November abgehalten worden waren. Die ersten akademischen Grade werden nach Ablauf eines weiteren Studienjahres verliehen werden. An den Universitätsvorlesungen nehmen jetzt 204 Studenten teil, von denen 85 ihre Mittelschulbildung an palästinensischen Schulen genossen haben. Die übrigen Studenten entstammen 17 verschiedenen Herkunftsländern. Von den Studenten haben 46 bereits anderwärts akademische Grade errungen oder waren in anderen Universitäten immatrikuliert gewesen. Das Lord-Plumer-Stipendium für das Studium der Probleme der Volksgesundheit ist Dr. Mark Lipschütz aus Deutschland zuerkannt worden. Er wird sich mit Fragen der Blut- und Atemdynamik bei den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Palästina beschäftigen. Prof. Otto Warburg Inhaber des von der jüdischen Gemeinde Berlin gestifteten Botanischen Lehrstuhles an der Hebräischen Universität Jerusalem, 6. Januar. (JTA.) Die Jüdische Gemeinde Berlin hat es übernommen, den Lehr-

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