Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 3 (16.1.1931)
- Date
- 1931-01-16
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 41 sierte Selbsthilfe an und empfiehlt, um dem Verarmungsprozeß entgegenzuwirken, die Schaffung jüdischer Darlehenskassen und Kreditgenossenschaften. Die Konferenz ersucht die jüdischen Gemeinden, Landesverbände und jüdischen Körperschaften, durch baldigste Zurverfügungstellung von Geldmitteln die Gründung von Darlehens- und Kreditgenossenschaften zu ermöglichen; bestehende Kreditinstitute nach Möglichkeit zusammenzuschließen und damit Mitglieder schwächer gestellter Gemeinden zu unterstützen; zur Erleichterung der Kreditbeschaffung nicht nur die Bürgschaft dritter, sondern auch die Zession von Aufträgen, sowie Übereignung von Gegenständen aller Art als Sicherheit entgegenzunehmen. Die VI. Reichskonferenz lenkt die Aufmerksamkeit der breiten jüdischen Öffentlichkeit des Auslandes auf den in Deutschland bei der Ostjudenheit herrschenden Verelendungsprozeß, macht darauf aufmerksam, daß durch die Auswanderung keine Sanierung, sondern lediglich eine Verschleppung der Not erfolgt ist, und appelliert an die jüdische Öffentlichkeit im Auslande, ihr die weitgehendste Hilfe angedeihen zu lassen. Die Reichskonferenz protestiert gegen das Weißbuch der englischen Regierung, das die dem jüdischen Volke international verbrieften Rechte auf Palästina verletzt. Die VI. Reichskonferenz weist auf die große Bedeutung des Zentralorgans des Verbandes, die „Jüdische Welt“, im Kampfe für ostjüdische Gleichberechtigung in Deutschland hin. Die Mitglieder der Ortsgruppen im ganzen Reiche sollen verpflichtet werden, das Zentralorgan zu abonnieren. Die Konferenz erkennt die Wichtigkeit des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts an, das sich mit Sammlungs- und Forschungsarbeit über das Leben der jüdischen Massen in Vergangenheit und Gegenwart, besonders in Osteuropa, befaßt, und beauftragt die Verbandsleitung, diese Tätigkeit zu unterstützen. Die Konferenz fordert alle ihre Gruppenvertreter auf, nach dem Beispiel der jüdischen Gemeinden in Berlin, Wien, Hamburg usw. auch in ihren Gemeinden Subventionen für das Institut durchzusetzen. Die VI. Reichskonfernz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland billigt den allgemeinen Tätigkeitsbericht und die Erklärungen der Exekutive, spricht ihr für die geleistete Arbeit das Vertrauen aus und erteilt ihr Entlastung. Die neue Leitung Zum Präsidenten der Exekutive des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland wurde Herr Benzion Fett gewählt. Die neugewählte Exekutive setzt sich wie folgt zusammen: Dr. Elias Allschul, Moses Anker, Fischei Goldhammer, Moses Goldmann, Samuel Haarpuder, Itzkowitz, Ichel Leser, Josef Mandelbaum, Samuel Rosenbliith, Dr. Alexander Rosenfeld, Dr. Israel Taubes, Dr. Tscherikower, sämtlich Berlin. Für Rheinland-Westfalen: Dr. David Büschel (Essen), Fuchs (Oberhausen). Für Süd-West-Deutschland: Josef Holländer (Karlsruhe), Sabina Time (Nürnberg). Für Sachsen: Dyx (Dresden). Für Hamburg-Altona: Weintraub. Als weitere Vertreter der Ortsgruppen im Reich: Lecker (Magdeburg) und Fischei (Hannover). * * * Aus der jüdischen Welt III. Bundestag des Zeire Misrachi in Deutschland Leipzig, 6. Januar. (JTA.) Der III. Bundestag des Zeire Misrachi für Deutschland fand vom 25. bis 28. Dezember 1930 in Leipzig unter großer Anteilnahme der jüdischen Öffentlichkeit statt. Es waren etwa 500 Teilnehmer aus den verschiedensten Städten Deutschlands erschienen. Dr. Jesaja Leibowitz (Köln) behandelte das Thema „Gesetzestreues Judentum und soziale Verpflichtung“. Praktische Fragen erörterten Rudolf Herz (Gehringshof) „Gesetzestreue Hachschara und Chaluziutharbeit in Deutschland“ und Grete Winter (Köln) „Unsere Verpflichtung zum Gesetz und ihre Begründung“. Besonders an das letzte Referat schloß sich eine rege Debatte über Erziehungsfragen an. Besonderes Interesse fand das Referat des Bundesvorsitzenden R.-A. Erich Michaelis (Hamburg) über „Politische Probleme des Zeire Misrachi“. Hier kam klar zum Ausdruck, daß der Zeire Misrachi mit der Richtung der Farbstein und Fischmann im Gesamtmisrachi endgültig gebrochen hat, jener politischen und wirtschaftlichen Methode, die den Misrachi in Erez Jisrael und im Galuth dadurch, daß sie ihn diktatorisch beherrschte, schwer schädigen, ja fast völlig ruinieren konnte. Das Plenum betonte in dieser Frage seine Einhelligkeit mit dem deutschen Misrachi. Einen Höhepunkt der Tagung bildete das auf dem von etwa 1000 Personen besuchten öffentlichen Begrüßungsabend gehaltene Referat von Dr. Oskar Wolfsberg (Berlin) über „Tora wa Awoda“. Den Tätigkeitsbericht der Zentrale erstattete Richard Lasowski (Hamburg). Die Mitgliederzahl des Bundes hat sich seit dem letzten Bundestag verdreifacht. Die Chaluziuth hat im Laufe der letzten Berichtsperiode einen starken Aufschwung genommen. Es fanden vier Sommerlager statt, die insgesamt von etwa 900 Chawerin besucht wurden. Die Wahl der neuen Zentrale fiel nach Köln auf die Chawera Grete Winter und Chawer Dr. Jesaya Leibowitz mit dem Recht der Kooptation. Drohendes Schächtverbot in Bremen Bremen, 5. Januar. (JTA.) Das Stadtparlament von Bremen, die gesetzgebende Körperschaft des Staates Bremen, bereitet ein Schächtverbot vor. Ein nationalsozialistischer Abgeordneter hatte angefragt, wann es nun endlich eingeführt würde, und zur Verwunderung Aller hat der sozialdemokratische Sachreferent hierauf erwidert, daß bald ein Bericht der Deputation erscheinen wird, der die Aufhebung des Schächtens empfiehlt. Da auch die nichtantisemitische sozialdemokratische Partei anscheinend für das Schächtverbot stimmen wird und in diesem Parlament zur Zeit die antisemitischen Hitlerianer und Deutschnationalen die stärkste Gruppe sind, ist zu befürchten, daß die Vorlage zum Schächtverbot angenommen wird. — Dies wirkt auf weiteste Kreise umso befremdlicher, als von einem Schächtverbot ja nicht allein die lokale jüdische Gemeinde, sondern vor allem auch die Versorgung der Schiffe des Norddeutschen Lloyd mit Koscher-Fleisch, also das reisende jüdische Publikum Amerikas, sehr schwer betroffen sein würde. In hiesigen Kreisen hält man es für im höchsten Grade verwunderlich, daß eine auf den Fremdenverkehr angewiesene Hafenstadt wie Bremen sich durch völkische Hetzer dazu