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Das jüdische Echo · 1931-01-16 · 3 (16.1.1931) · p. Seite 40

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
3 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 Das Jüdische Echo Nr. 3 Willen zu einer inneren Befriedung und gemeinschaftlicher Vertretung nach außen hat, noch die Kraft zu einer wirksamen Aktion besitzt. Aus diesen Gründen sahen wir uns veranlaßt, unsere Vertreter aus dem Komitee abzuberufen. Dieser Schritt bedeutet in keinem Falle eine Aufgabe unserer Bemühungen um innere Befriedung und gemeinsame Arbeit zum Schutz und Trutz nach außen. Wir haben uns der Notwendigkeit der Erfüllung dieser Aufgabe nicht nur nie entzogen, sondern stets die Initiative dazu gegeben. Das deutsche Judentum wird uns immer bereit finden, an wirklich ernster verantwortungsvoller und verantwortungsbewußter Stelle in gesamtjüdischer Arbeit mitzuwirken. Möge die gleiche Einsicht sich auch bei anderen Gruppen und Organisationen durchsetzen. Wir werden es an Versuchen der Feststellung, ob sie eingekehrt ist, zu geeigneter Zeit an den maßgeblichen Stellen nicht fehlen lassen. In der Stunde aber gebieten uns politische Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit den hiermit vollzogenen Schritt und seine Bekanntgabe in der jüdischen Öffentlichkeit. Mit vorzüglicher Hochachtung, ergebenst i. A.: Kollenscher Kareski.“ VI. Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland Hannover, 4. Januar. (JTA.) In Anwesenheit von 57 Delegierten aus allen Teilen des Deutschen Reiches und einer großen Gästeschar begann am Sonntag, dem 4. Januar, in Hannover die Tagung der VI. Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland. Nach einer Reihe von Begrüßungen erstattete Herr Fett den Rechenschaftsbericht für das verflossene Geschäftsjahr. Dieses Jahr war, so führte er aus, ein besonders schwieriges schon dadurch, daß die Wahlen zur Landesversammlung der preußischen Judengemeinden und zur Berliner Repräsentantenversammlung eine Belastungsprobe für den Verband darstellten. Diese Probe hat er aber gut bestanden. Auch in diesem Jahre hat der Verband Gelegenheit gehabt, zu beweisen, daß das Ostjudentum einen nicht zu unterschätzenden Kulturfaktor im jüdischen Leben in Deutschland darstellt. Der Verband hat auch an Umfang zugenommen. Die Berliner Gruppe, die vor einem Jahre 22 Vereine zählte, hat heute deren 35. Der Gruppenverband Südwestdeutschland zählt heute 26 Vereine. In dem Gruppenverband Rheinland-Westfalen sind etwa 90 Prozent der Ostjuden des Rheinlandes organisiert. — Trotz Wirtschaftsnot weist der Etat der Ortsgruppen zusammengenommen die stattliche Summe von 800 000 RM. auf. Diese Gelder wurden zum Teil für soziale, zum Teil für humanitäre, kulturelle und religiöse Zwecke verwendet. Im vergangenen Jahre hat sich der Verband auch näher mit der Frage einer Organisation in den westlichen Ländern auseinandergesetzt. Im März findet eine Tagung von Vertretern dieser Länder statt. Auch an jüdischen wissenschaftlichen Institutionen hat der Verband mitgearbeitet. Einer der wichtigsten Programmpunkte des Verbandes ist sein Kampf um die Gleichberechtigung innerhalb der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Dieser Kampf wird so lange weitergehen, bis die theoretische Anerkennung der Forderung nach Gleichberechtigung auch seitens eines großen Teiles der Liberalen sich in allen Gemeinden praktisch ausgewirkt hat. Daß die jüdischen Gemeinden von der Mitarbeit der Ostjuden nur profitieren können, ist eine anerkannte Tatsache; das Ostjudentum ist ein belebendes Element in der Gemeinde. Die Nachmittagssilzung des Sonntags war der Hauptaussprache über die aktuellen Probleme des Verbandes gewidmet. Am Abend fand eine große öffentliche Kundgebung statt, die von Herrn Fischei geleitet wurde, und in der die Herren Benzion Fett, Dr. I. Taubes, Krakowsky, Dr. Koretz, Waldmann und Max Goldreich Ansprachen hielten. In der Vormittagssitzung des zweiten Konferenztages referierte Dr. Alexaiider Rosenfeld über „Jugendarbeit und Kultur“. Er forderte alle dem Verbände angeschlossenen Organisationen und Ortsgruppen auf, die bestehenden Jugendgruppen zu unterstützen, bzw. die Organisierung der ostjüdischen Jugend innerhalb der positiv jüdisch eingestellten Jugendbünde zu fördern, darüber hinaus aber auch jugendpflegerische Sozialarbeit zu leisten. Ferner entwickelte er den Plan einer systematischen Kulturarbeit. Dr. Israel Taubes hielt ein Referat: „Die wirtschaftliche Lage und das Genossenschaftswesen.“ Er wies auf die schwere Wirtschaftskrise in der ganzen Welt hin und beleuchtete besonders die schwierige Lage des jüdischen Kleinbürgertums in Deutschland. Der Referent glaubt, daß durch Schaffung von Kredit- und Darlehenskassen die wirtschaftliche Lage für die ostjüdischen Kleingewerbetreibenden und Handwerker erleichtert werden könnte. Er streifte noch kurz die Frage der Umschichtung und trat energisch für die Ergreifung produktiver Berufe ein. — Feldmann (Bochum) propagierte ebenfalls die! Schaffung von Kredit- und Darlehenskassen durch den Verband. Zucker-Holländer (Karlsruhe) sprach über „Organisation und Presse.“ Auf die Referate folgte eine lebhafte Aussprache. Die Resolutionen Die Konferenz nahm eine Reihe Resolutionen an, darunter die folgenden: Der Verband ostjüdischer Organisationen ist eine überparteiliche jüdisch-nationale Organisation und führt auf dieser Grundlage eine selbständige Gemeindepolitik. Abmachungen mit anderen Parteien oder Gruppierungen sind nur dann zulässig, wenn: die Partei oder Gruppierung den Verband als selbständigen und gleichberechtigten Verhandlungspartner anerkannt hat und seinen Forderungen zustimmt; wenn eine Abmachung vorher die Zustimmung der Exekutive gefunden hat. Die Reichskonferenz fordert die Leitung des Verbandes auf, dahin zu wirken, daß Parteien oder Gruppierungen, mit denen Bündnisse abgeschlossen werden, der Verbandsleitung gegnüber die Verpflichtung übernehmen, im Rahmen der Beschlüsse der Reichskonferenz zu handeln. Die Reichskonferenz spricht allen im Kampf um die Gleichberechtigung stehenden Gruppen ihre vollste Sympathie aus und verspricht feierlichst, diesen Kampf mit allen Mitteln zu unterstützen. Die VI. Reichskonferenz sieht als eines der wirksamsten Mittel zur Linderung der Not die organi-

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