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Das jüdische Echo · 1931-01-16 · 3 (16.1.1931) · p. Seite 36

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
3 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 Das Jüdische Echo Nr. 3 von ergebenen, klarsichtigen, volksbewußten Juden verfügen, der immer wieder ungeachtet aller widrigen Verhältnisse seine Opferbereitschaft und sein Pflichtbewußtsein dartut. Die Wirtschaftskrise ist also nicht ein absolut hemmender Grund dafür, daß die Eingänge für unsere nationalen Fonds in vielen Ländern eine Verminderung erfahren haben, vielmehr ist es der Mangel an zionistischer Erziehung, an volksbewußter Opferberitschaft. Das gleiche läßt sich auch hinsichtlich der Frage des Zusammenlebens von Juden und Arabern in Palästina und der Haltung der Mandatarmacht sagen, soweit es sich um die praktischen Aufgaben von heute und morgen handelt. Es ist kein Zweifel, daß auf längere Sicht betrachtet, eine Regelung des jüdisch-arabischen Problems und eine Beeinflussung der britischen Palästinapolitik unumgänglich notwendig sind. Insofern es sich aber um die praktischen Dinge der gegenwärtigen Stunde handelt, sind diese Komplexe trotz ihrer überragenden Bedeutung nicht ausschlaggebend. Die gespannten politischen Beziehungen zwischen Juden und Arabern verhindern es nicht, daß viele Araber im gegenwärtigen Augenblick schwerer wirtschaftlicher Nöte, besonders für das arabische Element in Palästina, gern bereit sind, in verschiedentlichen wirtschaftlichen Unternehmungen mit den Juden zu kooperieren und froh wären, wenn sie Käufer für überflüssige, von ihnen nicht bebaubare Böden finden würden. Es gibt in Palästina noch weite Flächen, die erworben und erschlossen werden können und die für die Araber geradezu bedeutungslos sind. Der ganze Negeb, die Gegend um die Huleh- Sümpfe, können — noch stehen keine gesetzlichen Hindernisse im Wege — erworben werden. Man kann durch einen Abkauf dieser Strecken eine zukünftige jüdische Einwanderung vorbereiten. Aber nicht einmal dessen bedarf es! Es ist bekannt, daß Nationalfonds und andere jüdische Institutionen in Palästina genügend Bodenvorräte besitzen, um auf ihnen Tausende jüdischer Familien anzusiedeln. Sicherlich bedeutet die politische Haltung der britischen Regierung in bezug auf die jüdische Einwanderung eine schwere Beeinträchtigung der gerechten jüdischen Ansprüche. Aber man muß sich vor Augen halten, daß die Exekutive der Jewish Agency gezwungen ist, die erhaltenen 1500 Zertifikate für neue Einwanderer unausge nutzt zu lassen, weil das Geld fehlt, diese 1500 Arbeiter-Einwanderer, wie es bisher bei der Zertifikats-Einwanderung geschah, mit den nötigen Mitteln auszustatten. Dieses eine Beispiel beweist, von wem der Fortschritt des Aufbauwerkes, von wem die Erhaltung des Bestehenden abhängig ist. Stärker als alle störenden Momente ist das Unverständnis der Zionisten und Palästinafreunde in vielen Ländern für die wahrhaft entscheidenden Mittel, die ein Wachstum und ein Gedeihen des jüdischen Nationalheims gewährleisten. Während diese Zeilen erscheinen, tagt in London das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation. Auf dieser Tagung spielt die Frage der Abhaltung des Zionistenkongresses im Februar oder die Verschiebung des Kongreßtermines eine zentrale Rolle. Palästina und die dort einer Erledigung heischenden dringenden Aufgaben haben kein Verständnis dafür, daß die gesamten zionistischen Energien für diese innerzionistisch-politischen Dinge aufgewendet werden, wo alle Kräfte angespannt werden sollten, um die katastrophale finanzielle Lage der Jewish Agency ins Gleichgewicht zu bringen. Wir verstehen ganz gut, daß die öffentliche zionistische Meinung die Frage eines System- und Kurswechsels in der zionistischen Leitung für eine so wichtige Aufgabe betrachtet, daß darüber auf einem Zionistenkongreß entschieden werden soll, ln der gegenwärtigen Situation ist aber die Frage der politischen Leitung in der Zionistischen Organisation doch von untergeordneter Bedeutung. Anstatt zu handeln, wird verhandelt. Anstatt zu tun, wird politisiert. Das ist etwas, was das Werden des Nationalheims stärker schädigt als alle äußeren Schwierigkeiten. Nur durch Granada fiel Granada! Diesen Satz sollen sich alle Zionisten, die den Sinn für die Realitäten nicht verloren haben, vor Augen halten. Die Voraussetzung für eine Behebung der Krise im Palästina-Aufbau ist Tun und nicht Reden, ist Opfern und nicht Politisieren. Unser Glaube an das Gelingen und Werden unseres Werkes in Palästina ist unerschütterlich. Es hängt aber von unserer Einsicht ab, ob dieses Werk stetig fortschreitet oder ob es Rückschläge erfährt, an denen in erster Linie wir, und nur wir allein, die Schuld haben. m. w. Ä.C.-Sitzung auf den 14. Januar verschoben Die Frage des Kongreßtermins London, 4. Januar. (JTA.) Die ursprünglich für Montag, den 12. Januar einberufene Aktions- Comitee-Sitzung wurde auf Mittwoch, den 14. Januar verschoben. Das Aktions-Comitee wird sich in geschlossener Sitzung außer mit der kritischen Finanzlage der Zionistischen Organisation auch mit der Frage einer Verschiebung des Kongreßtermins zu befassen haben. Die in Palästina ansässigen Mitglieder des Zionistischen Aktions-Comitees haben am Freitag, den 2. Januar in Jerusalem eine Vorbesprechung abgehalten, in der die Frage einer eventuellen Verschiebung des Kongreßtermins erörtert wurde. Dieses Problem fand verschiedene Beurteilung. Während die Vertreter der Arbeiterparteien sich gegen die Abhaltung des Kongresses im Februar aussprachen, traten die Allgemeinen Zionisten, allerdings nicht mit besonderem Nachdruck, für die Einhaltung des festgesetzten Termins ein. Die Meinung innerhalb der Reihen des Misrachi war geteilt. Der linke Flügel schlug eine Verschiebung der Aktions- Comitee-Sitzung bis zum Abschluß der Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency und des Kongreßtermins bis nach Pessach vor, damit die Kampagne für den Palästina-Fonds nicht unterbrochen werde. Auch die Gruppe der amerikanischen Nichtzionisten um Felix M. Warburg ist der Ansicht, eine Tagung des Councils der Jewish Agency im Februar würde die Sammlungen für Palästina ungünstig beeinflussen. Gegen die Abhaltung des Kongresses im Februar haben sich ferner die Mitglieder der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas Henrietta Szold und Louis Lipsky ausgesprochen, während die zionistische Organisation Amerikas als solche bisher zu der Frage noch nicht Stellung genommen hat. Paris, 4. Januar. (JTA.) Der Präsident des Waad Leumi Pinchas Ruthenberg ist in Paris eingetroffen, von wo er sich zur Teilnahme an den Verhandlungen des Aktions-Comitees nach London begibt. Die in jüdischen Zeitungen Englands und Amerikas vor kurzem erschienene Nachricht, daß Ing. Ruthenberg sein Amt als Vorsitzender des Waad Leumi niedergelegt habe, entspricht nicht den Tat-

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