Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 3 (16.1.1931)
- Date
- 1931-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 3 16. Januar 1931 18. Jahrgang Nur durch Granada fiel Granada Um die Verschiebung des Zionistenkongresses Unser m. w. Mitarbeiter nimmt in dem folgenden Artikel zur Frage der Verschiebung des Kongreßtermines Stellung; er setzt im wesentlichen die Gründe für eine Hinausschiebung auseinander, die vielleicht auch das gegenwärtig in London tagende A. 1. zu einem entsprechenden Beschluß veranlassen werden. Es kann und darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß ebenso schwerwiegende Gründe für eine sofortige Abhaltung des Kongresses sprechen: sowohl die Frage der Führung der Zionistischen Organisation, wie auch die der endgültigen Stellungnahme der zionistischen Bewegung zur Mandatarmacht erfordern unverzügliche Entscheidung, die eben nur der Kongreß bringen kann. Die Lage ist allmählich unhaltbar geworden und es wäre leider nur zu befürchten, daß eine Verschiebung des Kongresses eine Spaltung der Organisation, jedenfalls aber eine schädliche Verschärfung der innerzionistischen Auseinandersetzung im Gefolge haben würde. Wenn wir trotz schwerwiegender Bedenken dem Artikel unseres Mitarbeiters Raum gewähren, so tun wir es, weil im übrigen die zionistische Situation und die Meinungen weiter zionistischer Kreise, insbesondere des palästinensischen Jischuros zutreffend wiedergegeben sind. D. Red. Als der letzte Maurenkönig Boabdil von den Truppen Ferdinands von Aragonien aus Granada vertrieben, mit einem letzten Rest seiner Getreuen in Nordafrika eine Zuflucht fand, blickten die Vertriebenen sehnsuchtsvoll nach Norden, wo das von ihnen heiß geliebte Spanien lag und, ähnlich wie vor 2000 Jahren die in babylonischer Gefangenschaft befindlichen Juden, sangen die Trauerlieder. Eines der berühmtesten jener Lieder beginnt mit den Worten: „Nur durch Granada fiel Granada“. Damit brachten die Trauernden zum Ausdruck, daß es nicht feindliche Übermacht, daß es nicht die Ungunst der Verhältnisse gewesen sind, die sie von ihrer Heimat vertrieben haben. Eigene Schuld war es, innere Zwietracht, mangelnder Opfersinn und Unverständnis für die Situation, in der sich die Mauren in Südspanien befanden. An dieses maurische Lied muß man denken, wenn man die gegenwärtige Lage innerhalb der zionistischen Bewegung, wenn man die Situation im Palästina-Aufbau untersucht. Sicherlich sind die Schwierigkeiten in den letzten Jahren außerordentlich gewachsen. Die ungünstige Haltung der englischen Regierung gegenüber den jüdischen Forderungen, das gegnerische Verhalten der Araber, vor allem aber die ungeheuerliche Wirtschaftskrise, die in der ganzen Welt herrscht und unter der die Juden in allen Ländern als ausgesprochenes Mittelstandsvolk noch stärker leiden als andere Schichten der Bevölkerung, haben ihre furchtbare Wirkung auf alle Tätigkeitsgebiete des öffentlichen jüdischen Lebens und darunter auf das zentralste Arbeitsfeld, das Aufbauwerk in Palästina, geübt. Aber alle diese Momente, so schwerwiegend sie auch sind, und in so sehr sie auch die Stimmung unter den Palästinafreunden in der ganzen Welt beeinflussen, sind doch nicht ausschlaggebend für das Werden und Gedeihen der nationalen Heimstätte in Erez Israel. Sicherlich ist die Frage der Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina das Kernstück der Palästina-Politik. Zweifellos hat das neue Weißbuch, der Ausdruck der politischen Methode der Mandatarmacht in bezug auf die nationale Heimstätte der Juden in Palästina, den größten Teil der zionistischen Energien und der Anstrengungen aller Palästinafreunde absorbiert. Unleugbar ist der Einfluß des wirtschaftlichen Niederganges der Juden in Amerika auf das Zustandebringen der für den Aufbau Palästinas unbedingt notwendigen öffentlichen jüdischen Mittel. Trotzdem aber sind all diese Umstände nichtdasausschlaggebende Hindernis für die Fortführung der jüdischen Arbeit im heiligen Lande. Die Lage der Juden in Polen und Rumänien ist sicherlich um ein Vielfaches schlechter als die Situation der Juden in Amerika, Südafrika, England, Frankreich und Südamerika und man kann noch liinzufügen, wie die Lage der Juden in Holland, Kanada und einigen anderen Ländern mit geringerer jüdischer Einwohnerschaft. Trotzdem haben die Juden Polens und Rumäniens in den letzten zwei Jahren ihre jüdische Verpflichtung gegenüber Palästina, d. h. gegenüber den nationalen Fonds, dem Keren Hajessod und dem Keren Kajemeth, in einem weit höheren Maße erfüllt, als man jemals hätte hoffen dürfen. Die Juden in Polen und in Rumänien sparen sich buchstäblich den Bissen vom Munde ab und entrichten im Gefühl unlöslicher Verbundenheit mit dem Aufbau des jüdischen Zentrums in Palästina ihre feiwillige Steuer für die Zwecke des Palästina-Aufbaus. Das geschieht darum, weil in jenen Ländern noch eine öffentliche jüdische Meinung vorhanden ist, die ebenso stark wirkt wie ein staatliches Gesetz. Sitte ist bekanntlich mächtiger als eine behördliche Vorschrift. Es handelt sich nur darum, daß eine verbindliche, mit Selbstverständlichkeit anerkannte öffentliche Meinung innerhalb einer Gemeinschaft in bezug auf einen bestimmten Zweck vorherrschend ist. Jahrzehntelange zionistische Erziehung hat eben ein Geschlecht von disziplinierten, vollbewußten, nationalen Juden in Polen und in Rumänien erzeugt, und diese Elite stellt sich immer wieder trotz der Ungunst der Verhältnisse, trotz der verschlimmerten zionistischen Situation, trotz der Wirtschaftskrise, in den Deinst einer Aufgabe, die sie als die zentrale Aufgabe der zeitgenössischen Judenheit erkannt hat und ohne deren Erfüllung sie die Zukunft des jüdischen Bestehens als problematisch betrachtet. Wenn auch nicht in dem gleichen Maße wie in Polen und in Rumänien, so kann man auch bezüglich der Zionisten und Palästinafreunde in Deutschland sagen, daß auch sie über einen Kern