Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Das Jüdische Echo Nr. 2 teil sich zur Gründung des „Joint Distribution Committee for Jewish War Sufferers“, das für die Bedürfnisse von Millionen Juden in den vom Kriege heimgesuchten Gebieten sorgte. Herr Felix M. Warburg wurde zum Vorsitzenden des Verwaltungskomitees gewählt und hat diesen Posten noch jetzt, nach 16 Jahren, inne. Während der Kriegsjahre unterstützte das J.D.C. die Notleidenden, sättigte die Hungrigen und heilte die Kranken. Es gründete Kreditgenossenschaften, Vorschußvereine und Zentralbanken. Es bildete junge Männer und Frauen in produktiven Berufen aus und schuf große medizinische Organisationen. In Rußland leitet das J.D.C. unter der Führung von Dr. Joseph Rosen und unter der Mitarbeit der russischen Regierung die Siedlungsbewegung. Dieses Unternehmen trug dazu bei, die zerstörten jüdischen Kolonien wieder aufzubauen und die jüdische Landbevölkerung in Rußland von 15 000 Familien im Jahre 1923 auf ungefähr 50 000 Familien im Jahre 1929 zu steigern. Der europäische Leiter des J.D.C. ist Herr Dr. Bernhard Kahn in Berlin. Der Gedanke einer großen palästinensischen Universität fand in Felix M. Warburg einen großen Förderer. Er spendete 500 000 Dollar für diese Institution. Als Dr. J. L. Magnes, mit dem ihn freundschaftliche Beziehungen verbinden, Kanzler der Universität in Jerusalem wurde, wurde Herr Warburg Mitglied des „Board of Governors“. Der Wunsch, die jüdische Religion durch den geistigen Einfluß Palästinas befruchten zu lassen, veranlaßte Herrn und Frau Warburg, zur Gründung des „Institute of Jewish Studies“ beizutragen. Obwohl die Universität erst 5 Jahre besteht, hat sie bereits die hohe Anerkennung der akademischen Welt gefunden. Sie nimmt auch an wichtigen archäologischen Expeditionen teil. Der Völkerbund hat sie als eine von 6 Institutionen in der ganzen Welt zur Erforschung der Malaria erwählt. Herr Felix M. Warburg besuchte wiederholt Palästina und widmet sich hingebungsvoll dem Studium der Lage in diesem Lande. Dies befähigte ihn, als Mitglied der Joint Palestine Survey Commission, die 1928 ein ausführliches Gutachten über den jüdischen Palästinaaufbau ausarbeiten ließ, wertvolle Anregungen für den Aufbau des jüdischen Nationalheims zu geben. Unter der Führung von Louis Marshall nahm Felix M. Warburg an den Vorbesprechungen, die der Gründung der erweiterten Jewish Agency vorangingen, führenden Anteil. Bei der konstituierenden Versammlung der Jewish Agency in Zürich im Sommer 1929 wurde Herr Felix M. Warburg zum Vorsitzenden des Administrative Committee der Jewish Agency gewählt. Es ist seine Hoffnung, daß das Wirken der Jewish Agency den Aufbau des jüdischen Nationalheims eine wirtschaftliche Erneuerung des ganzen Palästina herbeiführen, und daß das Land allen jenen Juden offen stehen wird, die in anderen Ländern verfolgt werden oder denen es in anderen Ländern an Beschäftigungsmöglichkeiten fehlt. Herr Warburg ist Mitglied des Verwaltungsrates der „Library Corporation“, des „Jewish Theological Seminary of America“, das er seit einem Vierteljahrhundert in hervorragender Weise fördert. Lehrer des traditionellen Judentums nicht nur in ganz Amerika, sondern auch in Europa sind aus diesem Seminar hervorgegangen. Einer seiner Schüler ist Oberrabbiner des britischen Reiches, ein anderer ist Landesrabbiner in einer Provinz in Deutschland, ein dritter ist einer der Führer des jüdischen Lebens in Kanada geworden. Viele Jahre hindurch war Herr Warburg Präsident der „Young Men's Hebrew Association“. Herr Lelix M. Warburg ist ein großer Förderer von Kunst und Wissenschaft in den Vereinigten Staaten. Er selbst besitzt eine außerordentlich wertvolle Kunstsammlung, die den Studierenden und Kunstinteressenten jederzeit offen steht. Sie enthält Werke großer Meister wie Raphael, Botticelli, Bellini und einige der besten Radierungen von Rembrandt und Dürer. Mit seiner Hilfe wurden Museen eingerichtet. Neben seinem Wirken an dem „Art Department of Harward“ hat Herr Warburg sich an den Arbeiten der „Graduate School of Education“ und der „Semitic Division“ der Harvard-Universität beteiligt. Er arbeitete an dem New Yorker „Metropolitan Museum“ mit und machte für dieses Museum wertvolle Erwerbungen. Er ist Mitglied der „ArWCommission of New York“. Bei der Gründung des „Museum of Peaceful Arts“, dessen Verwaltungsrat er angehört, leistete er hervorragende Dienste. Dank seiner Kenntnis großer ähnlicher Museen in Europa — besonders des Deutschen Museums in München — war sein Rat von großem Werte. Einen großen Einfluß hat Herr Warburg auch auf das Musikleben in Amerika ausgeübt. Er ist einer der Kuratoren des „Institute of Musical Art“, welches 1905 durch eine Stiftung des Herrn James Loeb ins Leben gerufen wurde. Das Institut zählt heute über 100 Lehrer und über 1000 Studierende. Er ist einer der Förderer des „Philharmonie Symphony-Society“. Er besitzt ein Quartett von Stradivarius-Instrumenten. Er läßt aber diese herrlichen Instrumente nicht als Museumsstücke liegen, sondern das Publikum erhält Gelegenheit, sie durch die Vermittlung des Stradivarius-Quartetts, dem sein Sohn Gerald als Cellist angehört, zu genießen. Gleichzeitig ist Herr Warburg Mitbegründer und Förderer einer großen Zahl öffentlicher Institutionen, denen er, wie den bereits erwähnten, nicht nur seine Kräfte, sondern auch große Geldsummen widmete. Aus der jüdischen Welt Gemeindewahlen in Bamberg Bamberg. Am 28. Dezember 1930 fanden hier Gemeindewahlen statt. Die Konservativen und Zionisten hatten sich unter dem Namen „Jüdische Volkspartei“ zu einer Wahlvereinigung zusammen geschlossen. Nach längeren Verhandlungen mit den Liberalen kam eine Einheitsliste zustande, auf welcher die Volkspartei in der Gemeinde-Verwaltung 4 statt bisher 3 Sitze von insgesamt 10 Sitzen erhielt. Der 4. Sitz wurde Herrn Rechtsanwalt Dr. S. Weichselbaum als Vertreter der Z. O. G. eingeräumt. In der Gemeindekammer ist die Z. O. G. durch die Herren Julius Strauß, Ing. Ludwig Schmitt, Fritz Stein und Frau Anna Katz vertreten, wovon die 3 Letztgenannten neu gewählt wurden. Zum 1. Vorsitzenden der Gemeinde wurde für den nach München verzogenen bisherigen Vorstand Herrn Geh. Justizrat Dr. J. Werner Herr Rechtsanwalt Dr. M. Morgenroth, zum 2. Vorsitzenden Herr Bankier Julius Wassermann gewählt. Der Hochschul-Antisemitismus in Deutschland Numerus Clausus — Beschluß des Oldenburger „Asta“ Berlin, 31. Dezember. (JTA.) Die Abend-Ausgabe des sozialdemokratischen „Vorwärts“ vom 30. Dezember bringt eine Reihe erschütternder Tatsachen über das antisemitische Treiben der nationalsozialistischen Studentenschaft an verschiedenen Hochschulen Deutschlands. Der Braunschweiger nationalsozialistischeMinisterFranzen hat