Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 27 dem sozialdemokratischen Professor Paulsen ohne Angabe von Gründen mit Ablauf des jetzigen Wintersemesters den Lehrauftrag für praktische Pädagogik an der Braunschweiger Hochschule gekündigt. Der Senat der Braunschweiger Hochschule hat einen Protest der sozialistischen Studentenschaft wegen tätlicher Angriffe und Beschimpfungen in einer allgemeinen Studentenversammlung — u. a. war eine junge Studentin geschlagen worden — ablehnend beantwortet mit der Begründung, daß es sich um eine „studentische Angelegenheit“ handelte. ln der Stadt Oldenburg sind nach dem Wahlerfolg der Nationalsozialisten große Teile der Studierenden der Ingenieur-Akademie (Hindenburg-Polytechnikum) in das Lager der Nationalsozialisten übergegangen. Der jetzige Rektor hat dieser Entwicklung noch dadurch Vorschub geleistet, daß er bei der Bannerweihe der Nationalsozialistischen Studenteugruppe sich mi: Nachdruck ■für die nationalsozialistische Bewegung einsetzte. Diese Entwicklung hat nun prompt ihre Früchte getragen. In dem Allgemeinen Studenten-Ausschuß sind mit überwältigender Mehrheit, in einem Fall mit 16:2 Stimmen, mehrere Anträge angenommen worden, von denen zwei kennzeichnend für die Situation sind. Der eine Antrag fordert, daß ein Numerus Clausus für jüdische Studenten geschaffen wird, im Ausmaß von 1 Prozent der Gesamtzahl der Studierenden, der andere fordert, daß sämtlichen jüdischen Studenten das Wahlrecht zum Allgemeinen Studentenausschuß entzogen wird. Die Anträge sind reine antisemitische Demonstrationen ohne praktischen Erfolg. Bei dem Rektor ist bereits Einspruch gegen eine derartige Antragstätigkeit des Studentenausschusses, die den Satzungen widerspricht, erhoben worden. Der oldenburgische nationalsozialistische „Freiheitskämpfer“ veröffentlicht die Anträge unter der Überschrift „Unsere Studenten“ und schließt mit dem Satz „Deutschland den Deutschen“. — Die Asta-Sitzungen sind in Oldenburg öffentlich; bisher war es Brauch, die anwesenden Studenten zu den zur Verhandlung stehenden Gegenständen und Anträgen sprechen zu lassen. Als nun ein jüdischer Studierender sich gegen derartige Anträge verwahrte, wurde ihm das Wort entzogen und er aus dem Saale gewiesen. Andere anwesende jüdische Studenten verließen daraufhin demonstrativ die Sitzung. Das Begräbnis Lord Melchetts London, 2. Januar. (JTA.) An dem Begräbnis Lord Melchetts, das, wie bereits gemeldet, Dienstag, den 30. Dezember nachmittags, auf dem Sankt- Pancras-Friedhof in East Finchley, stattfand, nahmen neben zahlreichen bekannten Industriellen und Politikern Mitglieder der Regierung und der Diplomatie, indische Fürsten und Vertreter der organisierten Arbeiterschaft Englands teil. Unter andern waren Innenminister J. H. Clynes, Kolonienminister Lord Paßfield, ferner Lord Ashfield, Lord Baeverbrook, Lord Burnham, Lord Dawson of Penn, der ehemalige Sprecher im Unterhaus Lord Ullswater, Lord Swaythling, Lord Jessel, Sir Hugo Hirst, Dr. Chaim Weizmann. Sokolow, Dr. Eder, Simon Marks, Abg. Major H. L. Nathan, Sir Meyer Spielmann, sowie die englischen Gewerkschaftsführer Ernest Bevin, E. Firth und R. Coppock erschienen. Da auf dem Friedhof keine jüdische Zeremonienhalle vorhanden ist, war für die Beerdigungsfeierlichkeiten ein mehrere hundert Personen fassendes Zelt aufgestellt worden. Während in das Zelt nur geladene Gäste eingelassen wurden, drängte sich auf dem Friedhof selbst eine ungeheure Menschenmenge, die Lord Melchett trotz des strömenden Regens das letzte Geleit gab. Der einbalsamierte Leichnam Lord Melchetts ruht in einem bleiernen Sarg, der in einen Mahagonisarg eingeschlossen ist. Unter dem Haupt des Toten liegt ein Säckchen mit Palästinaerde. (Die in einigen deutschen Blättern erschienene Nachricht, daß Lord Melchetts Leiche eingeäschert wurde, entspricht somit nicht den Tatsachen. Der Irrtum dürfte auf einer Verwechslung des englischen Ausdrucks buried (bestattet) mit burned (verbrannt) beruhen.) Camille Huysmans interveniert bei Paßfield in Sachen des englischen Weißbuchs Antwerpen, 31. Dezember. (JTA.) Wie der JTA-Vertreter erfährt, hat der bekannte Führer der sozialistischen Internationale und frühere belgische Minister Camille Huysmans, im Einklang mit dem Beschluß des Pro-Palästina-Komitees bei der Zweiten Internationale sich an den britischen Kolonienminister Lord Paßfield miteinemausführlichen Schreiben gewandt, in welchem er die zionistische Forderung auf Annullierung des Weißbuchs als begründet darstellt und die britische Regierung ersucht, den Aufbau des jüdischen Nationalheims, mit welchem auch ein Werk sozialistischen Aufbaus verbunden ist, zu unterstützen. Prof. Herbert Spayer Vertreter des belgischen Judentums in der Agency Antwerpen, 29. Dezember. (JTA.) Die Konferenz der Vertreter von acht jüdischen Institutionen und Gemeinden Belgiens wählte Professor Herbert Spayer zum Vertreter des belgischen Judentums im Council der Jewish Agency. Professor Spayer ist ein warmer Freund des Palästina-Aufbaus und hat vor einiger Zeit auch Palästina besucht. Schwere ökonomische Krisis der jüdischen Bevölkerung Antwerpens Antwerpen, 30. Dezember. (JTA.) Infolge der im Diamantenfach herrschenden schweren Krisis — in diesem Fache sind bekanntlich Tausende Juden als Schleifer, Wäscher u. a. m. beschäftigt — hat sich die wirtschaftliche Lage der Antwerpener jüdischen Bevölkerung außerordentlich kritisch gestaltet. Diese Lage wird gekennzeichnet durch die in den letzten Tagen vorgekommenen Selbstmorde einiger angesehener Juden, sowie durch die Rückwanderung einiger Hundert aus Osteuropa stammender jüdischer Familien und alleinstehender junge Leute in ihre alten Heimatländer. Zahlreiche jüdische Familien sind auf öffentliche Wohltätigkeit angewiesen. 17. Landeskongreß der Zionisten Altrumäniens Die Radikalen bilden die neue Executive Bukarest, 31. Dezember. (JTA.) In Bukarest wurde der 17. Landeskongreß der Zionisten Altrumäniens abgehalten. Auf dem Kongreß waren die Allgemeinen Zionisten durch 32, die Radikalen ebenfalls durch 32, die Revisionisten durch 12 Delegierte vertreten. Hierzu kamen noch die in Altrumänien ansässigen Mitglieder des großen Aktions-Komitees und der Zionistischen Executive, von denen sich 16 den Allgemeinen Zionisten und 10 den Radikalen anschlossen. Mehrere Hundert Gäste aus dem In- und Auslande wohnten den Beratungen des Kongresses bei. Der Präsident der rumänischen Landesorganisation Adolf Bernhard gab eine historische Über-