Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 25 Beer Tuwia (frühere Siedler) Verträge abgeschlossen, in denen definitiv die Höhe der noch für die Konsolidierung jeder Siedlung erforderlichen Anleihen festgestellt wurde. Diese Abkommen werden in dem eigentlichen Ansiedlungsvertrag, der mit jeder Siedlung abgeschlossen wird, aufgenommen werden. Was den Vertrag selbst angeht, so sind die Verhandlungen über seinen endgültigen Text und seine Bedingungen abgeschlossen worden. Die früheren Entwürfe werden vollständig umgeändert. Die Klausel über die Teilnahme von „Nir“ als dritten Vertragspartner wurde gestrichen, während die Bestimmungen über die Selbstarbeit so gefaßt wurden, daß sie dem Farmer erlauben, fremde Arbeitskräfte zu beschäftigen, wenn dies die landwirtschaftliche Saison erfordert. Die Frage der Rückzahlungsbedingungen der Siedlungskredite spielte bei den Verhandlungen naturgemäß eine große Rolle. Eine Untersuchung der Einnahmen und Ausgaben in verschiedenen sich selbst erhaltenden Wirtschaften zeigte, daß diese Betriebe zwar einen Überschuß erzielen, der ihnen eine ausreichende Existenz gewährt, aber im Augenblick noch nicht in der Lage sind, außer den kommunalen Abgaben und Lasten größere Beträge für die Tilgung der Kredite zurückzuzahlen. Jedoch rechnet man damit, daß nach weiterer Intensivierung der betreffenden Wirtschaften mit der Tilgung der Kredite in einigen Jahren begonnen werden kann. Die Bedingungen für die Rückzahlung der Kredite im Emek sind daher jetzt gemeinsam mit den Siedlern folgendermaßen festgesetzt worden: Während der ersten vier Jahre nach der Auszahlung des vollständigen Siedlungskredites werden keinerlei Zahlungen für Amortisation oder Zinsen verlangt. Während der ersten zehn Jahre sind nur Zinsen in Höhe von zwei Prozent zu entrichten. Darnach müssen während eines Zeitraumes von vierzig Jahren Zahlungen für Kapital und Zinsen zusammen geleistet werden. Die Gesamttilgung wird also vom Zeitpunkt der Auszahlung des Siedlungskredites an vierundfünfzig Jahre dauern. Die Siedler verlangten, daß nach den ersten zehn Jahren eine Nachprüfung ihrer Wirtschaftsverhältnisse vorgenommen werde. Falls es sich dabei herausstellt, daß die vorgesehenen Zahlungen nicht geleistet werden könnten, so müßten die Zahlungsbedingungen revidiert werden. Diese Frage wurde dem Finanzkomitee der Jewish Agency auf der letzten Sitzung in Berlin vorgelegt, das beschloß, daß eine solche Revision auch nach dem zweiten Jahrzehnt stattfinden soll. (Ziko) Felix Warburg 60 Jahre New York, 1. Januar. (JTA.) Am 14. Januar 1931 vollendet Herr Felix M. Warburg, Präsident des American Joint Distribution Committee und des Administrative Committee der Jewish Agency, sein 60. Lebensjahr. Dieser Tag ist ein wichtiges Datum nicht nur im Leben eines großen Menschen und großen Juden, sondern auch für das jüdische wie für das nichtjüdische öffentliche Leben, welches tiefe Spuren der Wirksamkeit einer Persönlichkeit wie Felix M. Warburg trägt. Das amerikanische Judentum insbesondere rüstet sich zur festlichen Begehung dieses Tages. Herr Felix M. Warburg wurde 1871 in Hamburg geboren, ging 1894 nach Amerika, wo er 1900 naturalisiert wurde. Er heiratete Frieda Schiff, die Tochter von Jacob H. Schiff, und wurde 1896 Teilhaber des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. und Leiter mehrerer großer Gesellschaften. Er wurde eine führende Persönlichkeit in der New Yorker Bankwelt und in der amerikanischen Gesellschaft. Felix M. Warburgs soziales Wirken Herr Felix M. Warburg wandte sich schon bald nach seiner Übersiedlung nach New York dem Gebiete der sozialen Fürsorge zu. Seine Haupttätigkeit widmete er zunächst den Wohlfahrtsgesellschaften, u. a. der New Yorker East Side, die sich mit den aus der starken Einwanderung sich ergebenden Problemen befaßten. Hiervon sind zu erwähnen die „Education Alliance“ und „Immigrant Educational Institution“. Er trat dann in Beziehungen zu dem „University Settlement“, das sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der ärmeren Klassen einsetzt. Lebhaft beschäftigte Herrn Warburg der Wunsch nach durchgreifender Hilfe für geistig und körperlich zurückgebliebene Kinder; seiner Initiative ist es zu verdanken, daß in den Schulen besondere Klassen für solche Kinder eingerichtet wurden. Sein Mitgefühl für die Blinden veranlaßte ihn, an den Bestrebungen der Schwestern Holt zur Berufsausbildung der Blinden hervorragend teilzunehmen. Er beteiligte sich auch an der „American Foundation for the Blind“ und war einer der ersten Verwalter dieser Institution. Besondere Aufmerksamkeit wandte er der Bekämpfung der Kinderkrankheiten zu und setzte sich für die Anwendung neuer Methoden in der Säuglingsfürsorge ein. Durch sein Fürsorgewerk für Kinder kam er auch mit dem Problem der jugendlichen Verbrecher in Berührung; seiner und Homer Folks’ Bemühung ist es zu verdanken, daß ein Gesetz für die Schaffung von Jugendgerichtshöfen angenommen wurde. Warburg und Folks wurden durch den Gouverneur Hughes als die ersten Kommissare dieser Gerichtshöfe ernannt. Als Verwaltungsratsmitglied des „Teacher College“ der Columbia University hat sich Felix M. Warburg eifrig um die Hebung des Lehrerberufes bemüht. Aus einer kleinen „houshold arts“-Klasse hat sich dieses Institut zur ersten Lehrerbildungsinstitution der Vereinigten Staaten aufgeschwungen. Aus ihm sind viele Hochschulpräsidenten hervorgegangen, es hat Unterrichtsinspektoren nach allen Teilen der Welt gesandt. Felix M. Warburgs jüdisches Wirken In New York wurde unter der Ägide von Felix M. Warburg der Zusammenschluß aller jüdischen philantropischen Gesellschaften zu einer „Federation of Jewish Charities“ vollzogen und dadurch eine durchgreifende Reform des jüdischen Wohlfahrtswesens in der größten jüdischen Gemeinde der Welt erreicht. Er wurde der erste Vorsitzende der „Federation of Jewish Charities“, die unter seiner Leitung bewundernswerte Erfolge erzielt hat. Der „Federation“ gehören an 21 Krankenhäuser, ferner Waisenhäuser, Beratungsstellen und unzählige andere Wohlfahrtseinrichtungen, deren gemeinsames Budget rund 5 Millionen Dollar jährlich beträgt. Gegenwärtig ist Herr Warburg Vorsitzender des Verwaltungsrates der „Federation“. Unter seiner Ägidie wurde die „Training School for Jewish Social Workers“ gegründet. Er ist mit dem „Bureau of Jewish Sozial Research“, welches das Gebiet der sozialen Fürsorge in zahlreichen Städten Amerikas kontrolliert, eng verbunden. Wie* in der Weltgeschichte überhaupt, so waren auch im letzten Kriege die Juden die am härtesten Betroffenen. Die aus Europa kommenden Hilferufe haben das amerikanische Judentum aufgerüttelt. Alle Schichten der amerikanischen Juden vereinig-