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Das jüdische Echo · 1931-01-09 · 2 (9.1.1931) · p. Seite 22

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
2 (9.1.1931)
Date
1931-01-09
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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22 Das Jüdische Echo Nr. 2 wir Zionisten der Regierung unterbreiteten, diesen Artikel beizufügen. Ich arrangierte eine Zusammenkunft Dr. Weizmanns mit Sir Alfred Mond, der damals Minister für öffentliche Arbeiten war. Diese Unterredung führte zu einer engen Freundschaft zwischen den beiden Männern, die von nachhaltiger Bedeutung für unsere Sache wurde. Nach dieser Eröffnungskundgebung, die auch durch drei Minuten Schweigen zu Ehren des Verewigten gekennzeichnet war, trat die Konferenz in ihre Arbeitstagung ein. Sie wurde eingeleitet durch die Verlesung einer Reihe von eingelaufenen Begrüßungsschreiben, von denen nachstehende erwähnenswert sind: Lloyd George schrieb u. a.: Die diesjährige Konferenz der E. Z. F. tagt in einem kritischen Augenblick der Geschichte des jüdischen Volkes. Meine herzlichen Glückwünsche begleiten Sie bei Ihrer großen Aufgabe. —■ In sehr herzlichem Tone war auch das Begrüßungsschreiben des Ministerpräsidenten von Kanada, B e n n e 11, gehalten. Der Präsident des Jewish Board of Deputies, d’Avigdor Goldsmid, erklärte in seinem Begrüßungsschreiben, es sei in diesem Augenblick von hoher Bedeutung, der britischen Regierung zu zeigen, daß die Juden Englands entschlossen sind, ihre verantwortungsvolle Aufgabe mit größerer Energie als je zuvor durchzuführen. Von Dr. Weizmann ist ein Schreiben folgenden Wortlauts eingelaufen: „Es ist klar, daß es für mich unmöglich ist, sehr viel über die jetzt im Gange befindlichen Verhandlungen zwischen Vertretern der britischen Regierung und uns zu sagen. Ich kann nur die Hoffnung aussprechen, daß als Ergebnis dieser Verhandlungen die Jewish Agency in die Lage versetzt wird, ihre Arbeit in Palästina weiterzuführen ohne die gewaltigen Hindernisse, welche bisher ihr in den Weg gelegt wurden, und so offenkundig unsere Arbeit für das Jüdische Nationalheim beeinträchtigt haben. Was immer aber das Ergebnis unserer Verhandlungen sein mag, es wird Sache Ihrer Vertreter ebenso wie der Delegierten des XVII. Zionistenkongresses sein, die künftige Politik der Jewish Agency zu bestimmen und zu entscheiden.“ Nunmehr ergriff Chaim Nachman B i a 1 i k im Namen des palästinensischen Jischuw das Wort zu einer Aussprache. Die Juden Palästinas, sagte Bialik, sind trotz der schweren Tage, die sie durchzumachen haben, nicht verzagt und nicht entmutigt. Daß sie auf dem Boden Erez Israels leben dürfen, ist ihnen Trost genug. Nur Kleinmut bei den Juden außerhalb Palästinas könnte die Zuversicht des Jischuw erschüttern. Bialik feierte sodann den Geist der Chaluzim, der allen Juden Beispiel sein müsse. Jeder Jude müsse bereit sein, einen Teil seines Vermögens für den Aufbau des Heiligen Landes zu opfern. Die eigentlichen Verhandlungen der Konferenz begannen mit dem Jahresbericht, der von Rev. M. L. Perlzweig vorgelegt wird. Es folgen Berichte von Simon Marks über Keren Hajessod und P. Horovitz über Nationalfonds. Die Sonntagssitzung wird eingeleitet durch ein Referat des Vorsitzenden des Politischen Komitees der E. Z. F., Paul Goodman, der eine Reihe von politischen Resolutionen vorschlägt. Hieran schließt sich ein ausführliches Referat von Prof. B r o d e t z k y, Mitglied der Zionistischen Exekutive, das einen Überblick über die letzte Entwicklung und über die Begleitumstände der Verhandlungen mit der Regierung gibt. Brodetzky betont, daß durch diese Verhandlungen die zionistische Frage zum ersten Male seit vielleicht zehn Jahren aus einer Angelegenheit des Kolonialamtes zu einer Sache des britischen Kabinetts gemacht wurde. Die politischen Resolutionen enthalten zunächst einen scharfen Protest gegen das britische Weißbuch. Die Zionistische Exekutive wird aufgefordert, bei ihren Verhandlungen mit der Regierung alle auf dem Weißbuch basierenden Vorschläge abzulehne n und die Verhandlungen abzubrechen, wenn die Regierung ihre gegenwärtige Politik aufrechterhalten sollte. Das Vertrauen der Juden zu England könne nur wiederhergestellt werden, wenn die dem Jüdischen Nationalheim feindlichen Bestimmungen des Weißbuches endgültig ausgemerzt sein werden. Das Grundprinzip des Palästinamandats war die Anerkennung der historischen Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina. Die Errichtung eines nationalen Zentrums ist nur auf dem Wege breitester jüdischer Einwanderung mit der Ermöglichung geschlossener Ansiedlung auf dem Lande durchzuführen. Ohne Sicherung dieser grundlegenden Bedingungen erscheint keine Basis für eine Kooperation zwischen Juden und englischer Regierung gegeben. Die Verwirklichung des zionistischen Ideals ist mit der Wahrung der Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas nicht unvereinbar. Die Jewish Agency wird aufgefordert, diegutennac hbarlichen Beziehungen zu den Arabern zu pflegen und die gemeinsamen Interessen von Juden und Arabern zu fördern. Die Konferenz spricht ihr Bedauern über Weizmanns Rücktritt aus, sieht aber in diesem Schritt den einzigen Weg, der der Würde und den Interessen des jüdischen Volkes entspricht. Zum Präsidenten der E. Z. F. (an Stelle des verstorbenen Lord Melchett) wurde Dr. Eder gewählt. Neue Wege zionistischer Politik Grusenberg über Paneuropa und Zionismus Warschau, 30. Dezember. (JTA.) Das Mitglied des Councils der Jewish Agency Senator Oskar Grusenberg, der sich augenblicklich in Warschau aufhält, äußerte sich einem Pressevertreter gegenüber folgendermaßen über die gegenwärtige Lage im Zionismus. Die alten Wege zionistischer Arbeit haben sich als nicht mehr gangbar erwiesen. Gegenwärtig ist nicht mit einem Erfolg im Kampfe gegen England zu rechnen. Man könnte zwar noch einen letzten Versuch machen und die Leitung der Bewegung dem talentierten und hingebungsvollen Führer des Revisionismus Wladimir Jabotinsky übergeben. Ich glaube aber nicht, daß dies die gewünschten Resultate zeitigen würde. Die einzige Änderung wäre die, daß statt des lyrischen Tenors Weizmanns der tiefe Baß Jabotinsky zur englischen Regierung sprechen würde. Positive Ergebnisse aber sind von einer solchen Änderung der Stimmlage nicht zu erwarten. Man kann England für seine neue Taktik in Bezug auf Palästina vielleicht gar nicht verantwortlich machen. Die Wahl dieser Taktik ist nicht von dem guten oder bösen Willen Englands abhängig, sondern wird durch die Verhältnisse zwangsläufig

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