Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 21 tastrophalen Preissturz der landwirtschaftlichen Produkte in eine akute Notlage versetzt wurde, die das ganze Problem des palästinensischen Bauerntums, das Fellachenproblem, zum erstenmal in seiner ganzen Schärfe aufrollte. Die Regierung hat eine Kommission zum Studium der Lage der palästinensischen Landwirtschaft eingesetzt, die sogenannte Johnson-Crosbie-Kommission, deren Bericht gerade jetzt veröffentlicht wurde und große Aufmerksamkeit auch von unserer Seite verdient. Diese Zuspitzung der ökonomischen Lage des Fellachen hat die Empfehlungen von Simpson und damit auch die Abfassung des letzten britischen Weißbuches sehr stark beeinflußt. Wenn von dieser Seite her die Wirtschaftskrise bereits eine Bedrohung der jüdischen Aufbaumöglichkeiten brachte, so mußte noch mehr damit gerechnet werden, daß die direkten Schwierigkeiten infolge Ausbleibens der für den jüdischen Teil der Wirtschaft heute noch erforderlichen Zuschüsse aus dem Ausland sich zusehends steigern werden. Wir haben wiederholt auf diese Gefahr hingewiesen, die sich vor allem aus der Depression in Amerika ergab. Amerika hat seinen Anteil am Keren- Hajessod-Budget so gut wie überhaupt nicht gedeckt. Die Zionistische Exekutive in Palästina hat von Monat zu Monat die immer komplizierter werdende Finanzlage aufrechtzuerhalten versucht in der Hoffnung, daß das Galuthjudentum doch noch seinen Erez-Israel gegenüber übernommenen Verpflichtungen wenigstens teilweise nachkommen wird. Allmählich aber scheint die durch Nichtdeckung des Budgets entstandene Lage unhaltbar geworden zu sein. Es wird jetzt gemeldet, daß die Palästina-Exekutive mit einem radikalen Abbau eingesetzt hat. Wenn man jedoch nicht nur das rein fiskalische Moment im Auge hat, muß man erkennen, daß ein solcher Abbau gleichzeitig sehr bedenkliche Folgen für das Wirtschaftsleben in dem kleinen Palästina haben muß. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit erhebt seinen drohenden Schatten. Diese wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten, so sehr sie nur Begleiterscheinung allgemeiner Weltentwicklungen sind und so sehr heute jedes Land, sogar die geordnetsten Staaten, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, müssen doch in diesem Moment auch für die politischen Fragen von nachteiliger Wirkung sein. Alle diese Überlegungen mögen die Exekutive veranlaßt haben, das Aktions-Komitee beschleunigt einzuberufen, um die Verantwortung für die erforderlichen Maßnahmen mit einem größeren Gremium zionistischer Repräsentanten zu teilen. Die Einberufung des Aktions-Komitees, das erst vor knapp zwei Monaten versammelt war, war sicherlich kein leichter Entschluß, zumal auch die Kosten einer Aktions- Komitee-Sitzung bei der angespannten Finanzlage ins Gewicht fallen. Aber es ist nur gerecht, wenn die Exekutive, der die Bewegung die Mittel für ihre Arbeit verweigert hat, dem den Kongreß repräsentierenden Ausschuß die Verantwortung zuschiebt. In diesem Zusammenhang wurden — was ja nahe liegt — auch Gerüchte über eine geplante Verschiebung des Kongresses laut. So sehr wir verstehen, welche gewichtigen Argumente gegen die Abhaltung des Kongresses in diesem Moment sprechen, so würden wir doch eine Verschiebung des Kongresses für einen sehr schweren Fehler halten. Die zionistische Atmosphäre ist heute bereits so mit Zündstoff geladen, die Desorientierung durch eine systematische falsche Information über die grundlegenden Tatsachen hat so erstaunliche Fortschritte gemacht, die Vertrauenskrise nimmt angesichts dieser Umstände so groteske Formen an, daß nur ein Kongreß, der eine neue Leitung wählen muß, imstande ist, die Atmosphäre zu klären. Wir sind überzeugt, daß auch das Aktions- Komitee dieser Meinung zustimmen wird, und vor allem müßte die Exekutive es sein, die trotz aller Bedenken auf der Abhaltung des Kongresses besteht. Die Zionisten Neuyorks für eine Verschiebung des Termins des Zionistenkongresses Neuyork, 31. Dezember. (JTA.) Auf der vor kurzem abgehaltenen Konferenz der Zionisten Neuyorks wurde der ehemalige Präsident der zionistischen Organisation Amerikas Louis Lipsky zum Präsidenten der Neuyorker Zionistischen Vereinigung gewählt. Die Konferenz nahm eine Reihe von Resolutionen an, in denen die Zionistische Exekutive aufgefordert wird, die praktische Palästina-Arbeit unbeirrt durch das Weißbuch mit verstärkter Energie fortzusetzen und den Termin des zionistischen Weltkongresses bis zur Beendigung der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und britischer Regierung zu verschieben. Auch die Neuyorker jiddische Zeitung „Der Tag“ tritt für eine spätere Einberufung des Kongresses ein, während innerhalb der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas keine einheitliche Meinung über diese Frage besteht. lerusalem, 2. Januar. (JTA.) Die Allgemeine Jüdische Arbeiterorganisation Palästinas, Histadruth Haowdim, hat an die Zionistische Exekutive telegraphisch die Aufforderung gerichtet, den Kongreßtermin zu verschieben, falls die Abhaltung des Kongresses im Februar den Palästina-Drive in Amerika nachteilig beeinflussen sollte. Karlsbad, 2. Januar. (JTA.) Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur dementiert das Büro des Zionistenkongresses in Karlsbad kategorisch die vom „Jewish Chronicle“ gebrachte Nachricht von einer beabsichtigten Verschiebung des Kongreßtermins. Die Konferenz der englischen Zionisten Trauer um Lord Melchett — Politische Resolutionen Dr. Eder Präsident Am 27. Dezember, abends, wurde die 31. Jahresversammlung der English Zionist Federation eröffnet. Die Tagung stand unter dem Eindruck des wenige Stunden vorher erfolgten Ablebens Lord Melchetts, der eine Zeitlang an der Spitze der English Zionist Federation gestanden hatte. Dr. Weizmann hielt zunächst einen Nachruf auf Lord Melchett. Nach Dr. Weizmann sprach Simon Marks ebenfalls Worte des Gedenkens. Er führte u. a. aus: Lord Melchetts Anschluß an den Zionismus erfolgte in einem großen psychologischen Moment. Es war einige Zeit vor der Veröffentlichung der Balfour-Deklaration. Eine Reihe von englischen Juden suchte die Veröffentlichung dieses Dokumentes zu verhindern und übergab der Regierung eine Liste von hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten, die Gegner des Zionismus waren. Diese Liste enthielt auch den Namen Sir Alfred Monds, des späteren Lord Melchett. Glücklicherweise hatte ich eine Woche vorher Kenntnis von einem von Sir Alfred Mond verfaßten Artikel erlangt, in dem er ein unzweideutiges zionistisches Bekenntnis ablegte. Ich war in der Lage, dem Memorandum, das