Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- Seite 125 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo 13 Nr. 1 - Mitleid oder ganz gleich aus welchen reaktiven Gefühlen, — so konnte es doch bei einem solchen negativen Zionismus nicht lange sein Bewenden haben. Schon die nächste Generation war zionistisch, weil sie jüdisch fühlte; nicht, weil sie sich als Juden verletzt fühlte. * * * Die Macht ist träge. Das Kapital ist feige. Die Sattgewordenen werden lau. Wo die Vereine der europäischen Bürger mosaischer Konfession auf dem bequemen Wege der Milte verharrten, wo Liberalismus, Demokratie, Fortschritt und Freiheit ihre nicht eben den Kopf kostenden Spiele trieben, da sammelte sich die ganze Hochansehnlichkeit der jüdischen Bürgerwelt, der ganze „Kowed“. Da waren die großen Namen und die großen Titel. Die führenden Persönlichkeiten der Kunst, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Uns Abseitigen aber, die wir es für unvergleichlich heldischer halten, ein ungesicherter, Nomade zu sein als ein wmrzelfestcr Bürger Eurapas, uns sei an diesem zweihundertsten Geburtslag des Mannes, seit dem hebräische Sprache und Schrift, Ritus, Tracht, Volksbrauch, Fest und Mythos der Zerstörung anheimzufallen begannen, einmal eine kurze Phantasie gestattet, welche aber doch immerhin im Bereiche des Möglichen zu bleiben schein!, wenn wir auf das Schicksal eines anderen, von der „christlichen Kultur“ nicht minder bedrohten Volkes blikken, des indischen: auf jene „Non-Cooperation-Bewegung“, die seit 1900 in dem von England vergewaltigten Indien entfesselt wunde. Nehmen wir einmal an, auch die Juden hätten eine „Non-Cooperation-Bewegung“ entfesselt. Sie hätten um 1750, als der gelbe Fleck am Gewrande, der Druck der Judengesetze und die Kammerknechtschaft erlassen und die bürgerliche Emanzipation an ihnen vollzogen werden sollte, folgendermaßen geantwortet: „Wir haben durch zwei Jahrtausende für den Messias gelebt, der, wie es verheißen ward, uns in die Heimat zurück führen wird. Nun bietet eure Güte und Freundschaft uns das schöne Europa und das große Amerika zum Vaterland. Aber ihr fordert, daß wir unsere geschichtliche Überlieferung abbrechen, um in die Überlieferung und Geschichte der großen abendländischen Nationen hineinzuwachsen. Das können wir nicht! Nie haben wir von euch gefordert, daß ihr zu uns übertretet. Nie haben wir Sendboten unter die Völker gesandt, sind nie eroberungssüchtig gewesen. Wir wollen ruhig unsere Schläfenlocken und den Gemeinden- und Vereins-Echo Versteigerung alter jüdischer Kunstgegenstände in München Am 16. Dezember fand in der Kunstgalerie Hugo Helbing die angekündigte Versteigerung alter jüdischer Kunstgegenstände statt, Die Versteigerung war gut besucht, auch aus dem Auslande waren viele Interessenten erschienen. Das Gesamtergebnis der Versteigerung betrug etwa 35 000 RM. Fast alle Gegenstände wurden verkauft. Der größte Teil der Altertümer ging nach Wien, und zwar größtenteils an den jüdischen Kunstsammler Haber, der für etwa 14 000 RM. kaufte. Für einzelne Stücke wurden hohe Preise erzielt Das höchste Versteigerungsergebnis brachte ein kleiner silberner Aron Hakodesch etwa aus dem Jahie 1800, eine überaus reizvolle Nachbildung eines reichverzierten Thoraschrankes mit Fäulen, Rankenwerk, Blumen, Adlern, sonstige i Vögeln und zwei gelben Fleck weitertragen. Wir bewahren auch unsere hebräische Sprache und die hebräischen Namen. Wir lehnen es ab, eure Feste und Gedenktage mitzumachen, deren jeder uns nur an eine erlittene Marter erinnern kann. Wir lassen euch gern eure Bilder und Götter! Aber ihr sollt auch uns das Unsere lassen. Wir sind verschieden und müssen verschieden bleiben. Nicht wrir, ihr allein habt der Welt es verkündet: Gott sei ein Mensch geworden. Wir folgten nie dieser Botschaft von der Vermenschlichung Gottes. Denn unser Gott lebt jenseits von Form und Name und wahrlich auch jenseits von Mensch und all dem Greuel der menschlichen Weltgeschichte. Verachtet uns. Aber wir lehnen es ab, eure Wohltaten anzunehmen. Eure Ämter und Schulen, Titel und Mittel. Wir wollen nicht teilhaben an euren Wissenschaften und Künsten. Wir tragen Galuth und Ghetto weiter, freiwillig, und erwarten aus Bethlehem den Messias.“ Wäre es möglich gewesen, so zu antworten? Es war möglich damals, als ein Wort des Rambam, eine Strophe Halevis, ein Brief des Raschi noch die Welt des Juden war, als das Volk in der Verbannung von seinen Weisen gelenkt wurde. Man pflegt überall zu preisen, was der Jude durch seinen Eintritt in die europäische Kultur und was Europa durch die Juden gewonnen habe. x\ber man sieht es nicht oder man sagt es nur leise, um welchen Preis die Juden zu Europas Bürgern geworden sind: Durch den Verrat an den Geschichten ihrer Hoffnungen. Durch das Opfer ihrer zeitlosen Träume. Heute wird das Volk nicht mehr von frommen Weisen gelenkt, sondern von Rechtsanwälten und Großbankiers organisiert. Die modernen, freigesinnten, liberalen, fortschrittlichen, hochkultivierten Juden tun sich viel darauf zugute, daß im letzten Jahrhundert Staatskanzler, Minister, Generäle, hohe Offiziere, große Forscher, Professoren, Autoritäten, Theaterlenker, Schriftsteller, Dichter und ich wTeiß nicht, was alles, geworden sind. Besser aber wdire es: Wir schämten uns der vielen Vermiinzer unseres Volkshortes. Denn sie waren vielleicht nur ein phosphoreszierender Glanz des zerfallenden Volksleibes. Sie waren vielleicht nur das Flammenspiel eines kurzen aufleuchtenden europäischen Lichttages, darin unser Adel sich verbrannte. Schmach allen Söhnen, die es vorziehen, für die Luxuswelt westlicher Weltstädte „sich der Literatur zu widmen“ oder „die akademische Laufbahn einzuschlagen“, statt Steine zu tragen zu der Landstraße nach Jeruschalajim. Löwen geziert. Dieser wurde für 4100 RM. eingesteigert. Die Standmenorah Nr. 74 (ein Chanuka- Leuchter in Form eines Vogels) erzielte 1000 RM., Chanuka-Leuchter Nr. 75, eine selten schöne, reichverzierte Wand-Menorah 1200 RM., Nr. 27 Schach für den Sabbat 1400 RM., Nr. I Kleine Thorarolle mit kunstvollen Verzierungen 950 RM., Nr. 2 Rimonnim 620 RM., Nr. 3 Thorakrone 450 RM., Nr. 4 Thorakrone 400 RM., Nr. 5 Thoraschild 650 RM., Nr. 6, 7, 8 Thoraschilder je 450—500 RM. Nr. 58 geschnittener Sederbecher aus Glas (Jahreszahl 1674) 900 RM., Nr. 60 Sederkrug aus Porzellan 600 RM., Nr. 61 Porzellankrug mit hebräischer Inschrift (1840) 775 RM. Auch für die Besonimbüchsen wurden gute Preise erzielt. Ausstellung Jüdisches Jugendheim Das Münchener Heim der jüdischen Jugend wird allmählich zu einer Stätte fruchtbaren jüdischen Jugendlebens. So trat es jetzt auch mit einer