Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- Seite 123 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 1 Das Jüdische Echo 11 zur Untersuchung der Lage der jüdischen Kolonisten in die Krim entsandt. J. Golde, der Vertreter von Ozet in dieser Untersuchungskommission, hat nach seiner Rückkehr nach Moskau einen ausführlichen Bericht über die Arbeiten der Kommission 'erstattet, aus dem hervorgeht, daß hunderte von jüdischen Kolonisten aus der Krim und der Ukraine in die Städte abwandern. Die Ursachen für diese Landflucht erblickt Golde vor allem in der diesjährigen Mißernte in der Krim, weiters in dem Mangel an Mitteln für Häuserbau und schließlich in den Zwangsmaßnahmen zur Kollektivierung. Die Lage der jüdischen Kolonisten in der Krim ist äußerst schwierig. Aus manchen Kolonien sind 70Prozent derSiedler in ihre Heimatstädte zurückgekehrt. Viele von ihnen haben versprochen, im Frühjahr wieder in die Kolonien zu kommen, falls sich die Verhältnisse gebessert haben sollten; nach der Ansicht der Kommission aber dürften die Rückwanderer, falls sie nur in ihren Heimatstädten irgendwelche Beschäftigung finden, nicht mehr aufs flache Land gehen. Eine ähnliche Landflucht hat in dem jüdischen Selbstverwaltungsrayon Neu-Zlatopol in der Ukraine eingesetzt. Obwohl dort die Ernte besser war als in der Krim, haben 38 Prozent der Siedler die Kolonien verlassen. Systematischer Landfriedensbruch durch Araber in Palästina Jerusalem, 24. Dezember. (JTA.) In letzter Zeit häufen sich Fälle von Besitzstörung und Landfriedensbruch durch Araber auf jüdischem Grund und Boden in Palästina. In verschiedenen Teilen des Landes ist es dadurch, daß Araber versuchten, jüdische Bauern an der Arbeit zu hindern, oder selbst jüdischen Boden in Bearbeitung zu nehmen, vielfach zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern gekommen. Bisher sind folgende derartige Fälle bekannt geworden. In Kfar Jehoschua, auf einem Bodenkomplex in der Nähe von Nahallal, der der American Zion Commonwealth gehört, versuchten zehn Beduinen jüdische Siedler daran zu hinden, die Äcker umzupflügen. In der Nähe von Gan Schmuei im Distrikt Chedera wollten Araber aus einem zirkassischen Dorf der PJCA gehörige Parzellen in Bearbeitung nehmen. In Herzliah, Distrikt Tel-Awiw, weigerte sich eine arabische Familie, in jüdischem Eigentum befindlichen Boden zu räumen. Auf dem Infiatgebiet bei Chedera, das auf Grund gerichtlicher Entscheidung den Juden zugesprochen worden ist, haben vier Araber ein Grundstück im Ausmaße von 35 Dunam besät. Die angegriffenen Juden haben in allen Fällen Widerstand geleistet, es kam zu tätlichen Auseinandersetzungen und Steinbombardements. Die Polizei war genötigt, in einigen Fällen Verhaftungen vorzunehmen. Obwohl diese Zusammenstöße keineswegs ernsten Charakter trugen, müssen sie doch wegen ihrer Häufung Bedenken erregen. In maßgebenden jüdischen Kreisen neigt man der Ansicht zu, daß es sich hier um planmäßig zu dem Zwecke, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem des Bodenmangels zu lenken, unter dem die Araber angeblich zu leiden haben, hervorgerufene Unruhen handelt. Inzwischen haben die Araber gegen die für die iuden günstige Gerichtsentscheidung über das Infiatland bei Chedera Berufung eingelegt. Im Hinblick auf diese Berufung hat die Polizei von Chedera die Fortsetzung der von den Juden auf den Infiatböden begonnenen landwirtschaftlichen Arbeiten untersagt. Dagegen legt sie merkwürdigerweise der Fortführung der von den Arabern begonnenen Arbeiten keinerlei Hindernisse in den Weg. Arabische Grundbesitzer vertreiben arabische Siedler . Jerusalem, 26. Dezember. (JTA.) Nach der Übernahme der Vadi Havarith-Böden durch die jüdischen Käufer haben sich die arabischen Siedler, die früher dieses Gebiet besetzt hielten, auf benachbarten Grundstücken niedergelassen. Arabische Effendis, denen der neubesetzte Boden gehört, haben nunmehr die Siedler von dort vertrieben. Dies wird von arabischen Politikern zum Anlaß genommen, auf die Gefahren hinzuweisen, die der arabischen Landbevölkerung durch Bodenkäufe von jüdischer Seite drohen. Die Tatsache, daß den arabischen Landwirten von Vadi Havarith von jüdischer Seite das Anerbieten gestellt wurde, 18 Monate nach abgeschlossenem Landkauf auf unbesetzten Grundstücken pachtfrei zu siedeln, wird hierbei völlig außer Acht gelassen. Die Arbeiterunruhen in Neß-Ziona Sechs Demonstranten zu je drei Wochen Gefängnis verurteilt Jerusalem, 17. Dezember. (JTA.) Sechs von den im Verlaufe der Unruhen in Neß-Ziona verhafteten jüdischen Arbeiter wurden zu je drei Wochen Gefängnis verurteilt. Die übrigen zehn Verhafteten wurden freigesprochen. In einem gemeinsamen Aufruf erklären die Exekutiven der Jewish Agency und des Waad Leumi, daß unter keinen Umständen eine Wiederholung der von einem Teil der Arbeitslosen in Neß-Ziona verübten Gewalttaten zugelassen werden dürfe. An die Öffentlichkeit und insbesondere an die organisierte Arbeiterschaft wird der Appell gerichtet, jedem Versuch zur Gewalttätigkeit energischsten Widerstand entgegenzusetzen. In einer Proklamation der Arbeiterschaft von Neß-Ziona wird darauf hingewiesen, daß die Kosten des britischen Polizeischutzes für die Kolonie höher sind als die Gesamtlohnsumme von 12 Tagen. Repressivmaßnahmen gegen die Arbeiterschaft seien nicht geeignet, den Hunger der Arbeitslosen zu stillen. Die dringende Arbeiterfrage erheische eine sofortige Lösung. Bevorstehende Ausweisung transjordanischer Araber aus Palästina Jerusalem, 18. Dezember. (JTA.) Die Palästina-Regierung hat eine Perlustrierung der Araber, die in letzter Zeit auf illegalem Wege aus Transjordanien eingewandert sind, angeordnet. Gegen 300 Araber, die nicht im Besitze einer gültigen Aufenthaltserlaubnis waren, wurde eine Untersuchung eingeleitet, nach deren Durchführung diese Araber in ihre Heimat abgeschoben werden dürften. Wiederaufleben des Klagemauer-Konflikts. — Religiöse Hetze der arabischen Presse Jerusalem, 24. Dezember. (JTA.) Das Organ des Großmufti, „El Jamea el Arabia“, veröffentlicht einen angeblichen Brief des „Oberrabbiners von Rumänien Abraham Rosenbach“ — ein völlig unbekannter Name — in dem die Forderung aufgestellt wird, daß es „jüdischen Priestern wieder erlaubt sein soll, auf dem Tempelplatz Gottesdienst abzuhalten“. Die mohammedanische Jugendvereinigung von Safed hat an den Führer der mohammedanischen Inder, Mohammed Ali, der augenblicklich in London krank darniederliegt, ein Telegramm geschickt,