Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- Seite 122 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das Jüdische Echo Nr. 1 hard Kahn Bericht erstattet. Der Finanzausschuß hat einen Plan zur Erzielung von Ersparnissen im Budget der Jewish Agency in und außerhalb Palästinas ausgearbeitet, der der Exekutive der Jewish Agency vorgelegt werden wird. Das Büro des XVII. Zionistenkongresses eröffnet Karlsbad, 24. Dezember. (JTA.) Das Büro des XVII. Zionistenkongresses hat seine Tätigkeit in Karlsbad bereits aufgenommen. Es amtiert im „Schützenhaus“ (Zimmer 115, 1. Stock), in dem auch der Kongreß tagen wird. Die Adresse lautet: Karlsbad, Postfach, Tschechoslowakische Republik; Telegramm-Adresse: Congrezion, Karlsbad; Telefon 1200; Bankkonto: Böhmische Unionbank, Filiale Karlsbad. Gefahr neuerlicher Unruhen an der Wiener Handelshochschule Wien, 22. Dezember. (JTA.) Das Kuratorium der Wiener Hochschule für Welthandel hat nach einer stürmisch verlaufenen Debatte, in der die jüdischen Mitglieder des Kuratoriums die Haltung des Rektorats einer scharfen Kritik unterzogen, die durch eine Kundmachung des Rektors ausgesprochene Anerkennung des auf arisch-völkischer Grundlage basierenden Studentenrechts widerrufen. Gleichzeitig hat das Kuratorium die Qnästur angewiesen, die Einziehung der Mitgliedsbeiträge für die deutsche Studentenschaft in Zukunft zu unterlassen. Infolgedessen besteht die Gefahr erneuten Ausbruchs antisemitischer Unruhen an dieser Hochschule. Die Hochschulbehörden sind bemüht, eine neuerliche Störung des Studienbetriebes zu verhindern. Ein Schlag gegen die jüdische Bevölkerung Litauens Kowno, 18. Dezember. (JTA.) Die Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, wonach Ausländern und Staatenlosen verboten sein soll, in Litauen irgendein Handwerk auszuüben. Das Gesetz ist direkt gegen das jüdische Element gerichtet. Tausende Juden, die infolge der Einbürgerungspraxis in Litauen als Ausländer oder Staatenlose registriert sind, werden, wenn das Gesetz zur Anwendung kommt, ohne jede Möglichkeit eines Unterhaltes bleiben. Die in Kowno erscheinende Tageszeitung „Ydische Stirne“ warnt die Regierung vor einem solchen Gesetz, das Tausende Menschen vor die Wahl stellen würde, Selbstmord zu begehen oder betteln zu gehen. Einen Juden ermordet, weil er jiddisch sprach W a r s c h a u, 22. Dezember. (JTA.) Das Gericht in Warschau verurteilte den Polen Kowalczyk wegen Ermordung des Juden Israel Sprühregen zu acht Jahren schweren Kerkers. Der Mord geschah unter ungewöhnlichen Umständen. Während sich Israel Sprühregen vor seinem Hause mit einem Freunde unterhielt, schlich sich Kowalczyk an ihn heran und stieß ihm ein Messer in den Unterleib. Nach einigen Wochen erlag Sprühregen der tötlichen Verwundung. Vor Gericht erklärte Kowalczyk, er sei, als er Sprühregen jiddisch sprechen hörte, von einer solchen Wut gegen die Juden ergriffen worden, daß er den Sprecher töten mußte. Anträge des jüdischen Klubs im polnischen Sejm Warschau, 17. Dezember. (JTA.) Der Jüdische Parlamentsklub im polnischen Sejm hat heute folgende drei Vorschläge eingebracht: 1. Das Gesetz über Zwangssonntagsruhe soll so umgestaltet werden, daß den jüdischen Ladenbesitzern und Gewerbetreibenden, die an den Sabbattagen nicht arbeiten und ihre Geschäfte geschlossen halten, erlaubt werden soll, an den Sonntagen zu arbeiten und die Geschäfte offen zu halten; 2. die von den Juden gegründeten Schulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache sollen Öffentlichkeitsrecht erhalten, auch sollen ihnen Staatssubsidien gewährt werden; 3. die Regierung soll eine Untersuchung der Wahlverstöße einleiten, die insbesondere zum Schaden der Liste 17 (Block zur Verteidigung der jüdischen Rechte) begangen wurden. In einer Reihe Wahlkreise wurde diese Liste von der Behörde annulliert, in anderen Wahlkreisen wurden Kandidaten und Wähler der Liste 17 verfolgt und schikaniert. — Der einzige jüdische Senator, der Agudist Mendelsohn, wurde zu einem der Sekretäre des Senats gewählt. Die erste öffentlich-rechtliche Synagogengemeinde in Spanien Madrid, 21. Dezember. (JTA.) Zum erstenmal seit 1492, dem Zeitpunkt, der Vertreibung der Juden aus Spanien, konnte sich in Madrid öffentlich eine jüdische Gemeinde zum Gebet in einem jüdischen Gotteshause, das als solches anerkannt ist, versammeln. Ein Kreis von etwa 30 Männern hat mit Genehmigung der Regierung die erste spanische Synagogengemeinde gegründet. Die Feierlichkeit selbst spielte sich in schlichtem Rahmen ab. Anwesend war auch ein Vertreter der Madrider Polizeibehörde. Der französische Bankier Bauer, der als finnischer Generalkonsul fungiert, und dessen Familienmitglieder in nahen persönsichen Beziehungen zu König Alfons von Spanien stehen (die Tochter von Bankier Bauer gehört zur Suite der Königin), wurde zum Präsidenten der Gemeinde gewählt. Seinen Interventionen beim König ist es vor allem zu danken, wenn jetzt nach langen Bemühungen die jüdische Gemeinde anerkannt worden ist, und er war es auch, der einen Erlaß durchsetzte, nach welchem — entgegen dem Willen der kirchlichen Behörden — auf dem Zivilfriedhof von Sevilla ein Feld für jüdische Gräber reserviert wurde. Bankier Bauer hat auch die finanziellen Lasten, die aus der Unterhaltung der Synagoge entstehen, übernommen. Nach der Gründungsfeier wurde ein Protokoll und ein vorläufiges Gemeindestatut durch den anwesenden Polizeioffizier verlesen und unterzeichnet. Der von einem Gemeindemitglied gestellte Antrag auf Anstellung eines Kultusbeamten wurde aus Mangel an finanziellen Mitteln abgelehnt. — Das Gebäude, in dem sich die Synagoge befindet, liegt im Zentrum der Stadt. Das Bethaus selbst trägt sephardische Prägung, in einem Nebenraum ist eine kleine Bibliothek und eine Sammlung von Kultgeräten, aus Privatbesitz und staatlichen Museen stammend, untergebracht worden. Bialik in London eingetroffen London, 20. Dezember. (JTA.) Am Donnerstag, dem 18. Dezember, abends, traf der hebräische Dichter Chaim Nachman Bialik in London ein, wo eraufEinladung derOrientalistischenAbteilung der Universität einen Vortrag halten wird. Zu seiner Begrüßung hatten sich auf dem Bahnhof als Vertreter der Jewish Agency und der Zionistischen Exekutive Dr. Chaim Weizmann, Dr. Maurice B. Hexter, Rabbi Mayer Berlin, Dr. Rosenblüth, Josef Sprinzak und Leo Motzkin eingefunden. Landflucht unter den jüdischen Kolonisten in der Krim und der Ukraine Moskau, 17. Dezember. (JTA.) Die russische Regierung hat vor einiger Zeit eine Kommission