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Das jüdische Echo · 1931-01-02 · 1 (2.1.1931) · p. Seite 120

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
1 (2.1.1931)
Date
1931-01-02
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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8 Das Jüdische Echo Nr. daß im Deutschen Reiche sich die Zahl der jüdischen Ausländer auf ca. 100 000 beläuft, d. i. 17 bis 18% der jüdischen Gesamtbevölkerung (564 000) Deutschlands. Im Jahre 1900 waren in Deutschland über 41 000 jüdische Ausländer, was nur 7% ausmachte; im Jahre 1910 erreichte, wie anzunehmen, die Zahl der jüdischen Ausländer in Deutschland ca. 60 000 Seelen — beinahe 10% der gesamten jüdischen Bevölkerung in Deutschland. Die Zahl der ausländischen Juden war also im zwanzigsten Jahrhundert stets im Wachsen begriffen, sie stieg prozentual von 7% im Jahre 1900 auf fast 18% im Jahre 1925. über 80% sämtlicher jüdischer Ausländer Preußens im Jahre 1925 stammen aus osteuropäischen Ländern. Polnische Statsangehörige unter ihnen waren über 46%, sowjetrussische und staatenlose fast 19%, österreichische über 12%, tschechoslowakische fast 5%. Die jüdischen Ausländer sind in noch höherem Maße als die deutschen Juden in den Großstädten konzentriert. In den zehn größten Gemeinden Preußens leben 82% der jüdischen Ausländer. In Berlin selbst leben fast 44 000 jüdische Ausländer — über 25% der jüdischen Gesamtbevölkerung Berlins und über 57% der Gesamtzahl jüdischer Ausländer Preußens. Die Gliederung nach Geschlecht und Alter ist bei deutschen und ausländischen Juden sehr verschieden. Unter den deutschen Juden sind die Frauen (fast 53%) in der Mehrheit, unter den ausländischen dagegen sind die Männer (über 52%) in der Mehrheit. Die deutschen Juden zählen wenig Kinder im Alter bis 5 Jahre (6,1%), viele Erwachsene im Alter von 16 bis 65 Jahre (74,5%) und sehr viele Alte über 65 Jahre (9,2%), die ausländischen Juden weisen 9,5% Kinder, 73,8% Erwachsene und nur 3,0% Alte auf. Somit ist der Prozentsatz der Alten bei den deutschen dreimal so hoch wie bei den ausländischen Juden; auch Personen im Alter von 51 bis 65 sind bei den deutschen Juden stark vertreten, zweimal so viel als bei den ausländischen Juden. In der Berufsgliederung ist kein bedeutender Unterschied zwischen jüdischen Inländern und Ausländern, wohl aber zwischen Juden und Nichtjuden, festzustellen. Über 26% der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung Deutschlands beschäftigen sich mit Landwirtschaft, während von den erwerbstätigen Juden nur 1,5% Ackerbau treiben. In Industrie und Handwerk sind beschäftigt: Gesamtbevölkerung — 36,6%, deutsche Juden — 20,6%, ausländische Juden — 27,9%. Im Handel einschließlich Verkehr: 15,3% — 49,7% — 49,8%. Der Verkehr spielt unter den erwerbstätigen Nichtjuden eine bedeutend größere Rolle als bei den Juden; es ergibt sich, daß im Handel selbst (ohne Verkehr) die Gesamtbevölkerung mit nur 10% aller Erwerbstätigen, während die Juden mit 49% vertreten sind. Die ausländischen Juden weisen bedeutend mehr Beschäftigte in Industrie und Handwerk auf (27,9%) als die deutschen Juden (20,6%). In einigen Berufen machen die ausländischen Juden einen bedeutenden Prozentsatz der Gesamtzahl der in diesen Berufen beschäftigten Juden aus, z. B.: im Schlosserhandwerk 29%, Schokoladen- und Zuckerwaren 29%, Herstellung von Kleidern und Wäsche 30%, Barbiergewerbe 34%, Hausier- und Straßenhandel 36%, Schuhmacherei und Schuhindustrie 44%, Herstellung von Zigaretten 47%, Kürschnerei und Rauchwarenbearbeitung 54%. Es bestätigt sich also nicht die verbreitete Meinung, daß im nicht beneidenswerten Berufe des Hausier- und Sträßenhandels sehr viel ausländische Juden beschäftigt sind; es sind dies nur 3,3% sämtlicher im Handel beschäftigten jüdischen Ausländer (unter den deutschen Juden treiben Hausier- und Straßenhandel 2% aller im Handel beschäftigten deutschen Juden). Sehr gering ist der Prozentsatz der Juden unter dem Beamtentum und dem Militär, in den freien Berufen sind sie aber stark vertreten: die Gesamtbevölkerung weist nur 3,7% Angehörige der freien Berufe unter den Erwerbstätigen auf, bei den deutschen Juden sind es 8,4%, bei den ausländischen Juden 6,2%. Es ist interessant, einige absolute Zahlen über den Anteil der jüdischen Ausländer in manchen freien Berufen anzuführen. So sind unter 626 jüdischen Theaterunternehmern und Direktoren 174 Ausländer (27,8%); unter 896 jüdischen Schauspielern und Musikern 298 Ausländer (33,3%); unter 208 jüdischen Kinobesitzern 63 Ausländer (30,3%); unter 379 jüdischen Filmschauspielern 128 Ausländer (33,8%); unter 330 jüdischen Sängern und Gesanglehrern 136 Ausländer (41,2%); unter 66 Tänzern und Tänzerinnen 17 Ausländer (25,8%); unter 192 Redakteuren 41 Ausländer (21,3%); unter den jüdischen Geistlichen und Kirchenbeamten machen die Ausländer 21,5% aus. Der Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden in der Berufsgliederung ist groß genug, noch tiefer aber ist die Kluft in der sozialen Gliederung. Die beruflich Selbständigen machen aus: bei der Gesamtbevölkerung 16%, bei den deutschen Juden 49%, bei den ausländischen Juden 46%. Die Angestellten: 17% — 34% — 38%. Die Arbeiter: 47% — 7% — 14%. Der Prozentsatz der Selbständigen ist bei den Juden dreimal höher als bei Nichtjuden, der Prozentsatz der Arbeiter ist bei den ausländischen Juden zweimal so hoch als bei den deutschen Juden, aber dreimal niedriger (bei den deutschen Juden fast sechsmal niedriger) als bei den Nichtjuden. Im Handel, einschließlich Verkehr, machen die Selbständigen aus: bei der Gesamtbevölkerung 22%, bei den deutschen Juden 53%, bei den ausländischen Juden 54%. Angestellte in Handel und Verkehr: 42% — 35% — 34%. Arbeiter in Handel und Verkehr: 29% — 2% — 3%. Die entsprechenden Ziffern für Industrie und Handwerk sind: Selbständige: 13% bei der Gesamtbevölkerung, 42% bei den deutschen Juden, 40% bei den ausländischen Juden; Angestellte: 11% — 32% — 22%; Arbeiter: 74% — 20% — 34%. Rechnen wir Angestellte, Arbeiter und häusliche Dienste Verrichtende zusammen und bezeichnen sie als Lohnempfänger mit dem Worte „Proletarier“, so ergibt sich, daß die Gesamtbevölkerung 68,4%, die deutschen Juden 43,4%, die ausländischen Juden 47,7% proletarische Elemente zählen. Die mitarbeitenden Familienangehörigen sind bei den obigen Zahlen nicht berücksichtigt worden. In Berlin ist der Abgrund in der Berufsgliederung von Juden und Nichtjuden nicht so tief. Die Gesamtbevölkerung weist auf: Beschäftigte in der Industrie 45%, im Handel 26%; die deutschen Juden 25% in der Industrie, 44% im Handel; die ausländischen Juden 32% in der Industrie, 45% im Handel. In der Großstadt Berlin merken wir eine Annäherung in der Berufsgliederung zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Bevölkerung, bei Juden erhöht sich der Prozentsatz der in der Industrie Beschäftigten, bei Nichtjuden der der im: Handel Beschäftigten. * * *

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