Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 7 Sohnes des Ministerpräsidenten Ramsay Mac Donald, nach Palästina zweifellos die Verhandlungen zwischen den Zionisten und der Regierung günstig beeinflussen wird, mag auch diese Reise nur privaten Charakter tragen. Jerusalem, 28. Dezember. (JTA.) Wie die JTA. erfährt, hat die Executive der Jewish Agency den. Waad Leumi aufgefordert, seine Vertreter nach London zur Teilnahme an den Verhandlungen mit der Regierung, die sich dem Abschluß nähern, zu entsenden. Dabei soll die Executive angedeutet haben, daß sich die Verhandlungen bereits dem wichtigsten Punkte genähert haben und daß es nun an der Zeit sei, daß auch der Waad Leumi durch Teilnahme an den Verhandlungen die Mitverantwortung für den endgültigen Beschluß übernehme. In einer Mitteilung an die Jüdische Telegraphen- Agentur erklärte aber der Vorsitzende des Waad Leumi, Ing. Pinchas Ruthenberg, daß er nicht die Absicht habe, nach London zu gehen. In einem vom „Doar Hayom“ publizierten Schreiben Ruthenbergs erklärte dieser, er lehne jede Verantwortung für die Londoner Verhandlungen ab und wolle an diesen Verhandlungen auch nicht teilnehmen. Ruthenberg erklärte weiter, niemand habe ihn als künftigen Präsidenten der Jewish Agency in Vorschlag gebracht, und er würde dieses Amt, falls es ihm angeboten werden sollte, nicht annehmen. „Jewish Chronicle“ glaubt an eine Verschiebung des Kongreß-Termins London, 28. Dezember. (JTA.) „Jewish Chronicle“ erklärt, aus gut informierter Quelle erfahren zu haben, daß der für den 24. Februar 1931 nach Karlsbad einberufene XVII. Zionistenkongreß auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden wird. Die Verwaltung Palästinas soll dem Außenamt unterstellt werden. — Eine sensationelle Erklärung Kenworthys London, 18. Dezember. (JTA.) Der Abgeordnete der Labour-Party Lt.-Cdr. Hon. J. M. Kenworty hat auf dem Jubiläumsfestbankett des Hebrew Board of Guardians in Hüll eine Ansprache gehalten, in der er die aufsehenerregende Mitteilung machte, es werde die Verwaltung Palästinas wahrscheinlich dem Kolonialamte entzogen und dem Außenamte unterstellt werden. Er selbst habe der Regierung einen diesbezüglichen Vorschlag unterbreitet und sei überzeugt, daß er angenommen werden würde. Weiters erklärte Kenworty, daß nur wenige Führer der Labour-Party bereit seien, der im Weißbuch über Palästina angekündigten Politik ihre Unterstützung zu leihen. Vor kurzem hat auch Lord Erleigh erklärt, daß mit der Unterstellung der Verwaltung Palästinas unter das Außenamt zu rechnen sei. Der Bericht der Klagemauerkommission beim englischen Kolonialamt eingelangt London, 16. Dezember. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist der Bericht der Klagemauerkommission bereits in den Händen des Kolonialamtes. Da das Kolonialamt bisher keine Gelegenheit hatte, den Bericht zu überprüfen, konnte auch bezüglich einer eventuellen Publikation noch keine Entscheidung getroffen werden. Auf alle Fälle wird jedoch eine Kopie des Berichtes demnächst dem Völkerbund übermittelt werden, da die Kommission auf Grund internationaler Vereinbarungen unter den Auspizien des Völkerbundes ernannt wurde. Wie seitens des Kolonialamtes der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, entsprechen die Gerüchte, daß der sich augenblicklich in London aufhaltende Sekretär der arabischen Executive, Jamal Husseini, bemüht sei, die Veröffentlichung des Berichtes der Klagemauerkommission zu verhindern, nicht den Tatsachen. Es wird weiter gehetzt Das Bayerische Innenministerium lehnt ein Einschreiten gegen die antisemitische Hetze des „Stürmer“ ab Berlin, 23. Dezember. (JTA.) Der bayerische Landesverband des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hat auf seiner Tagung zu Fürth eine Protestresolution gegen die antisemitische Hetze der in Nürnberg erscheinenden Zeitschrift „Der Stürmer“, die auf der Titelseite die Querschrift „Die Juden sind unser Unglück“ trägt, gefaßt, in welcher u. a. noch gesagt wird: „Tag für Tag müssen deutsche Juden diesen Schimpf über sich ergehen lassen ....“ Der Landesverband Bayern des RjF erhebt als berufene Vertretung der ehemalig jüdischen Frontsoldaten in Bayern leidenschaftlichen Protest gegen diese brutale Beleidigung der jüdischen Religionsgemeinschaft. Er erblickt in diesem Treiben eine Schändung des Andenkens der 12 000 Juden, die im Weltkrieg den Tod für das Vaterland gefunden haben. Der Landesverband Bayern des RjF. fordert geeignete Maßnahmen, die eine weitere Verunglimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft unmöglich machen, und erwartet, daß die durch Gesetz sanktionierte Gleichberechtigung auf diese Weise ihre tatsächliche Verwirklichung findet.“ Vom bayerischen Staatsministerium des Innern ging dem Landesverband Bayern des RjF. ein Antwortschreiben zu, in welchem es heißt: „... Der in der nationalsozialistischen Zeitung,,Der Stürmer“ wiederholt enthaltene Satz „Die Juden sind unser Unglück“, auf den in der ... Protestresolution hingewiesen wird, erfüllt nach Auffassung der zuständigen Staatsanwaltschaft nicht den Tatbestand des § 130 des RStrGB., weshalb eine Strafeinschreitung hierwegen nicht möglich ist. Bei der geschilderten Rechtslage können weitere Maßnahmen der Polizeibehörden nicht in Frage kommen.“ Dazu bemerkt „Der Schild“: „Die Stellungnahme des bayerischen Innenministeriums wird nicht nur unsere Kameraden, sondern alle Kreise des deutschen Judentums interessieren, da sie wiederum beweist, daß in unserem heutigen Strafgesetz Lücken bestehen, die dem Vorgehen von jüdischen Abwehrorganisationen unüberwindliche Grenzen setzen.“ Die Ostjuden in Deutschland Alters-, berufliche und soziale Gliederung Berlin, 24. Dezember. (JTA.) Auf Grund des soeben veröffentlichten Werkes von Prof. Silbergleit über die Ergebnisse der Volkszählung von 1925 in Preußen bearbeitete die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts (JWI) das Material über die ausländischen Juden. In Preußen befanden sich 1925 über 76 000 jüdische Ausländer auf eine jüdische Gesamtbevölkerung von 404 000, d. i. 18,9%. Es ist anzunehmen,