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Das jüdische Echo · 1931-01-02 · 1 (2.1.1931) · p. Seite 118

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
1 (2.1.1931)
Date
1931-01-02
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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6 Das Jüdische Echo Nr. einem tiefen Seufzer Erwähnung tut, sie überschattet alle Verhandlungen und alle politischen Entschlüsse. Man kann geradezu von einem wirtschaftlichen Chaos in der Welt sprechen, und in chaotischen Zeiten fällt es schwer, Dinge klar zu sehen, und selbst nur eine kurze Wegstrecke in eine nahe Zukunft zu überblicken. Warum soll man sich in England mit Palästina so beeilen, wo man mit viel dringenderen und ebenso unangenehmen Problemen alle Hände voll zu tun hat? Schließlich hängt die Araber-Politik in Palästina mit dem gesamten vorderen Orient, teilweise auch mit der Stellung Englands zu den mohammedanischen Teilnehmern der indischen Konferenz zusammen, die leider größere Zugeständnisse verlangen, als sich mit der Rücksichtnahme Englands auf die nichtmohammedanischen Inder vereinbaren läßt. Deswegen kommt es der englischen Regierung recht gelegen, vor einer definitiven Antwort an die Jewish Agency erst die Resultate der Debatte mit den Indern abzuwarten, wohl auch in der Hoffnung, daß sich bis zur Wiederaufnahme der Verhandlungen auf jüdischer Seite eine gewisse Beruhigung einstellen wird. Trotzdem werden auch bis dahin nur wenige Juden einzusehen vermögen, warum man die palästinensischen Araber, die doch Träger der alten islamitischen Kultur sind, mit den Negern Rhodesiens vergleicht, die durch ein englisches Gesetz vor den ausbeutenden Weißen geschützt werden sollen. Eine derartige Folgerung aus der sozialen Revision des englischen Kolonialsystems wird auch den Arabern wenig sympathisch erscheinen. Leider aber sind derartige Ansichten charakteristisch für die Einstellung vieler englischer Politiker. Trotz ihres Unwillens über die Verhandlungen der englischen Regierung mit den Zionisten werden die Araber doch jetzt sehr erfreut sein, bald direkt aus Haifa mit guten Petroleumprodukten beliefert zu werden. Denn es ist den Arabern sehr angenehm, die Segnungen und den Schutz einer geordneten Regierung voll zu genießen. Im Grunde ist ihnen schon heute die gut bewährte, von ihnen aber in Erklärungen nicht anerkannte kolonisatorische Mithilfe der Juden gar nicht so unerwünscht. Jetzt, wo die Araber von dem Zufall profitieren, der sie in ein weltpolitisches Interessenzentrum hineingerückt hat, können sie sich den Luxus gestatten, so zu tun, als ob sie die Juden gar nicht nötig hätten. Immer wieder zeigt es sich, daß die Wünsche der Araber und Juden keineswegs so entgegengesetzt sind, als sie dem oberflächlichen Betrachter erscheinen. Leider ist das beiderseitige Mißtrauen noch immer größer als das Bewußtsein der wirklichen Notwendigkeit gegenseitiger Ergänzung. Daß auch die englische Regierung die Bedeutung des Widerstandes der Juden gegen eine fortschreitende Entrechtung des Zionismus nicht unterschätzt, zeigt sich in der Geneigtheit, den Antrag Kenworthys auf Übertragung der obersten Leitung der Palästina-Politik an das englische Außenamt in Erwägung zu ziehen. Es ist zwar zweifelhaft, ob eine derartige Maßnahme eine Richtungsänderung der. englischen Politik in bezug auf Palästina zur Folge haben wird, aber damit würde doch stärker der Tatsache Rechnung getragen sein, daß Palästina keine englische Kolonie ist, sondern ein Mandatsland, bei dem die Befugnisse der Mandatarmacht in gewissem Sinne beschränkt sind. Wenn man in den letzten Tagen wieder, wenn auch nicht von offizieller Seite, von einer Anrufung des Haager Schiedsgerichtshofes sprach, so bewies das, daß der Stand der bisherigen Londoner Verhandlungen nicht günstig ist. Was auch der Kern dieser Gerüchte sein mag, auf jeden Fall beweisen sie, daß die maßgebenden jüdischen Persönlichkeiten auf ihrem Standpunkte beharren. Überhaupt haben die gemeinsamen Enttäuschungen der letzten Zeit viel zur Annäherung früher differierender Meinungen beigetragen. Die englischen Zeitungen melden am 20. Dezember: In einer am 15. November veröffentlichten Mitteilung der Regierung wurde bekanntgegeben, daß — da Zweifel über die Vereinbarkeit mancher Sätze des Weißbuches vom 21. Oktober mit gewissen Artikeln des Palästina-Mandates geäußert wurden und da andere Sätze sich zur Erzeugung von Mißverständnissen geeignet erwiesen haben, die Regierung Sr. Majestät Vertreter der Jewish Agency eingeladen hat, mit ihr über diese Angelegenheiten zu beraten. Gestern Abend wurde hierzu folgende Mitteilung vom Foreign Office ausgegeben: „Gemäß der Ankündigung vom 15. November ist ein Subkomitee des Kabinetts mit den Führern der Jewish Agency zu Beratungen zusammengetreten; eine weitere Zusammenkunft hat heute, Freitag (19. Dezember), in den Räumen des Auswärtigen Amtes stattgefunden. Die Beratungen sind noch nicht abgeschlossen und die Sitzungen werden Anfang Januar wieder aufgenommen werden.“ Wie der „Jewish Chronicle“ mitteilt, hat in den letzten zwei Monaten Malcolm MacDonald, der Sohn des Primeministers, eine bemerkenswerte Rolle bei den Verhandlungen mit der Regierung gespielt. Der junge MacDonald ist ein Bewunderer und Freund Dr. Weizmanns und ist sehr gut informiert über alle Einzelheiten der Palästinafrage. Es heißt, daß er sich jetzt mit der Ausarbeitung eines Planes beschäftigt, der einerseits das jüdische Volk zufriedenstellt, anderseits unnötige und unerwünschte Erschütterungen in Palästina vermeidet. Malcolm MacDonald, schreibt „Jewish Ghronicle“, sei das einzige brauchbare Mitglied der zu dem Kabinett-Komitee gehörenden Gruppe; ob er jedoch stark genug ist, den Primeminister zugunsten des Zionismus entscheidend zu beeinflussen, müsse abgewartet werden. „Jewish Chronicle“, dessen Berichte freilich sehr tendenziös sind, will erfahren haben, daß mit Rücksicht auf die weitere Verschleppung der Verhandlungen die Verschiebung des Zionistenkongresses erwogen werde. Außerdem behauptet das Blatt, daß noch vor Zusammentritt des Kongresses weitere Demissionen in der zionistischen Exekutive erfolgen und auch andere „dramatische Entwicklungen“ erwartet werden. Die Verhandlungen zwischen Jewish Agency und der englischen Regierung vor dem Abschluß? — Ruthenberg lehnt es ab, nach London zu reisen London, 28. Dezember. (JTA. Die Zeitung „Jewish Chronicle“, die bisher über die Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der englischen Regierung nur pessimistisch klingende Nachrichten gebracht und die Resultatlosigkeit dieser Verhandlungen vorausgesagt hat, nimmt heute eine mehr optimistische Haltung ein und teilt mit, daß die' verhandelnden Parteien auf dem Wege zu einem Kompromiß sind. Die Zeitung glaubt, daß es den Unterhändlern der Jewish Agency nicht gelungen ist, wichtige Konzessionen zu erhalten, daß aber eine Anzahl der krassesten Punkte des letzten Weißbuches von der englischen Regierung fallen gelassen wird. „Jewish Chronicle“ ist der Meinung, daß die Reise Malcolm Mac Donalds, des

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