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Das jüdische Echo · 1931-01-02 · 1 (2.1.1931) · p. Seite 117

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
1 (2.1.1931)
Date
1931-01-02
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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5 Nr, 1 Das Jüdische Echo; Existenz und deren Leistungsfähigkeit daher als Voraussetzungen seiner Gründung anzusehen sind. Den nötigen Ausgleich zwischen den auseinanderstrebenden Meinungen zu schaffen, schien auch bisher nicht leicht; immerhin konnte man überzeugt sein, daß er in absehbarer Zeit kommen werde: seine Notwendigkeit ist eben so klar von den Einsichtigen aller Parteien im deutschen Judentum erkannt, daß man mit seiner Verwirklichung rechnen kann, obwohl noch manche Schwierigkeiten namentlich in verfassungs- und steuerrechtlicher Hinsicht zu überwinden sind. Heute aber obliegt jedenfalls die Aufgabe der Repräsentanz der deutschen Juden noch ganz den Landesverbänden der jüdischen Gemeinden, von denen der größte der Preußenverband freilich bisher die staatliche Anerkennung und damit ein Besteuerungsrecht nicht hat erlangen können und so lediglich auf Beiträge seiner Mitgliedsgemeinden angewiesen ist. Merkwürdigerweise machen sich jetzt auf einmal in manchen preußischen Gemeinden (Der Verband umfaßt etwa 96 Prozent allerpreußischen Juden) Bestrebungen geltend diesem Verband den Rücken zu kehren. So wird bekannt, daß der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Krefeld — die nebenbei gesagt, in der Lage ist nur 10 Prozent Steuern erheben zu müssen — sich für den Austritt aus dem Preußischen Landesverband ausgesprochen und an die niederrheinischen Gemeinden die Aufforderung gerichtet hat sich mit derselben Frage zu beschäftigen. Auf welche Beweggründe dieser Beschluß zurückzuführen ist — ob es nur solche lokaler egoistischer Natur sind, ob nur die Furcht vor einer etwa notwendigen Steuererhöhung, ob man aus allgemeineren Gründen einen Feldzug zur Zerstörung des Verbands und damit auch der Existenzgrundlagen der jüdischen Gemeinschaft einleiten will — dieses Verhalten ist nichts anderes als Fahnenflucht, als Aushöhlung der schwer gefährdeten jüdischen Front und dies in einem Moment in dem nichts notwendiger wäre als sie zu verstärken und fester zusammenzuschließen. Wenn die Gemeinde Krefeld Schule macht, gehen wir einem Zustand völliger Anarchie des deutschen Judentums entgegen, sind alle Errungenschaften der letzten Jahre, ist jeder weitere Fortschritt gefährdet. Eine der Gemeinden, an die man die Aufforderung zu gleichem Vorgehen richtete, hat allerdings bereits eine vorbildliche und unmißverständliche Antwort erteilt, die hier wiedergegeben sei. In ihrer Sitzung vom 23. Dezember beschloß nämlich die Jüdische Gemeindevertretung Duisburg folgendes: Auf die ihr zugegangene Anregung zum Austritt von jüdischen Gemeinden aus dem Preußischen Landesverband Stellung zu nehmen, erklärt die Gemeindevertretung Duisburg einstimmig: 1. Die Jüdische Gemeinde Duisburg hat sich in ihren Satzungen selbst gebunden, einem anerkannten Landesverband zuzugehören.. 2. Der vom Landesverband mit allen gegen 1 Stimme beschlossene, der Regierung vorliegende Vorschlag eines Judengesetzes sieht die Zwangszugehörigkeit der Gemeinde zu einem Landesverband ebenso wie die Zwangszugehörigkeit des einzelnen Juden zur Gemeinde vor. Wird der Vorschlag demnächst Gesetz, so wird die ausgetretene Gemeinde doch wieder Verbandsgemeinde. 3. Der Austritt einer Gemeinde aus der Organisation der Gemeinden oder die Drohung mit dem Austritt aus geldlichen oder anderen Beweggründen ist ein Verstoß gegen die jüdische Solidarität nicht weniger als der Austritt des Einzelnen aus der Gemeinde oder die Drohung mit dem Austritt aus der Gemeinde. Es ist ein Gebot jüdischerSelbstachtung, auch vor Einführung des staatlichen Zwanges der Gesamtheit sich nicht zu entziehen. Anders wird nie der erstrebte Jüdische Reichsverband zustande kommen. C.-V. und Pilsudskiterror Die gesamte Kulturwelt ist entrüstet über den ungeheuerlichen Terror, mit dem Pilsudski seinen Wahlsieg erzwungen hat. Wir lesen mit Schrecken von den Mißhandlungen angesehener politischer Führerpersönlichkeiten Polens, die in Brest-Litowsk stattgefunden haben und wir wissen, daß in einer dem Gedeihen des Rechtsstaates hohnsprechenden Weise den Linksparteien ebenso wie den nationalen Minderheiten die Wahlpropaganda unmöglich gemacht, ja daß in manchen Bezirken die Pilsudski mißliebige Kandidatenliste einfach für ungültig erklärt wurde. Mit solchen Praktiken hat man den nationalen Minderheiten, Deutschen, Juden und Ukrainern ihre schwere Wahlniederlage bereitet. Wir wollen an dieser Stelle nicht untersuchen, warum die Agudah in Polen sich aus der Reihe der jüdischen Parteien gelöst und mit Pilsudski verbündet hat (wofür sie von ihm mit drei Sejm- und einem Staatsmandat belohnt wurde). Um so mehr erstaunen muß aber, daß die C.-V.- Zeitung, die sonst immer ihre national-deutsche Einstellung betont, in mehreren Artikeln dieses Bündnis mit dem Unterdrücker des Deutschtums in Polen begrüßt — nur weil es zur Schädigung des verhaßten Zionismus geführt hat. Als erfreuliches Ergebnis bezeichnet sie das so erzwungene Ausscheiden des in allen Gruppen geachteten zionistischen Führers Jizchak Grünbaum aus dem politischen Leben Polens. Wir glauben, daß die C.-V.-Zeitung mit dieser Stellungnahme der polnischen Agudah einen Bärendienst erwiesen hat und bedauern im Interesse des jüdischen Ansehens in der Kulturwelt aufs tiefste diese versteckte Sympathieerklärung der C.-V.-Zeitung für den Unterdrücker Pilsudski. Wir werden im Bunde mit der anständigen Presse aller Richtungen immer wieder darauf hinweisen, daß der jetzige polnische Sejm nur durch Mittel einer rohen Gewalt zustande gekommen ist, die sich in gleicher Weise gegen Juden, Deutsche wie freiheitlich gesinnte Polen richtet. _. Verhandlungspause Nicht nur die langwährenden Weihnachtsferien in England sind der Grund, warum die Verhandlungen der Jewisli Agency mit dem Ausschuß des englischen Regierungskabinetts über Modifikationen des Weißbuches eine Unterbrechung erfahren haben. Genauer ausgedrückt: Man kann sagen, daß die Weihnachtsferien beiden Parteien in dieser Frage eine willkommene Gelegenheit gegeben haben, um sich die gesamte Situation noch einmal klar zu überlegen. Flierbei spielen nicht nur für England, sondern auch für die Vertreter der Jewish Agency außer den unmittelbar mit dem Weißbuch zusammenhängenden Fragen auch die Gegebenheiten der allgemeinen Situation in der Welt eine Rolle. In viel stärkerem Grade, als es in Reden und Aufsätzen zum Ausdruck kommt, bestimmt die furchtbare Wirtschaftskrise die Gestaltung aller politischen Maßnahmen in der ganzen Welt. Die Weltkrise, auf die Juden bezogen, ist besonders schwer, und ob man von ihr in erster Linie spricht oder ihrer nur hin und wieder mit

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