Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- Seite 778 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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778 Das Jüdische Echo Nr. 52 Gemeinden-u. Vereins-Echo Sitzung der Gemeindevertretung Die am Donnerstag, dem 19. d. M., stattgefundene Sitzung des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung hatte sich mit den Richtlinien für die Aufstellung des Gemeindeetats für das Jahr 1930 zu beschäftigen; vorher jedoch wurde für den nach Berlin verzogenen Herrn Dr. Gutmann Herr Dr. Regensteiner in die Gemeindevertretung eingeführt, ferner wurden Neuwahlen zu verschiedenen Ausschüssen vorgenommen. Über den Etat für 1930 führte Herr Justizrat Dr. Elias Straus aus, daß man im neuen Jahre mit einem Mindereingang von Steuern rechnen müsse, der heute zwar in seiner Höhe kaum abzuschätzen sei, aber mindestens vorsichtshalber mit 20% veranschlagt werden sollte. Die Steuereinnahmen des neuen Jahres würden also mit etwa RM. 510 000.— zu erwarten sein, wenn man nicht eine Erhöhung des Steuersatzes vornehmen wolle. Diese Maßnahme wird jedoch wohl von allen Teilen der Gemeindevertretung abgelehnt und so bleibe nur übrig, die Ausgaben aufs äußerste einzuschränken; trotzdem könne die Balancierung des Etats gelingen, wenn in der Ausgabenwirtscliaft die nötige Sparsamkeit geübt würde. Die Ausschüsse, die jetzt an die Beratung der einzelnen Etatpositionen zu gehen hätten, müßten sich bei ihrer Arbeit unbedingt diese Richtlinien zu eigen machen. Der Referent besprach dann die Positionen, an denen sich seiner Meinung nach Einsparungen ohne Schaden ermöglichen ließen und gab Aufschluß über die augenblickliche finanzielle Situation der Gemeinde, die den Verhältnissen entsprechend als gut bezeichnet werden darf. Die Steuereingänge bis zum Ende des Jahres werden den veranschlagten Betrag wahrscheinlich übersteigen und etwa RM. 620 000.- erreichen. In das neue Jahr wird man einen Kassabestand von etwa RM. 20 000.— hinübernehmen können. In der Aussprache nahm lediglich Herr Kommerzienrat Dr. Ludwig Wassermann das Wort, der sich im wesentlichen auch mit den von Herrn Justizrat Dr. Straus bezeichnetcn Richtlinien einverstanden erklärte. Er verlangte allerdings Spaisamkeit mit besonderer Energie und erklärte, daß eine Erhöhung des Steuersatzes auch für die Zukunft völlig untnögilch sei, denn man dürfe nicht in einem Moment den Steuersatz erhöhen, wo im Reich an Steuerabbau gegangen wird. (Was ja nun auch schon überholt ist. D. Red.) Bei den Subventionen an Vereine usw. könne man sicher Einsparungen machen. An neu entstehende Organisationen dürften prinzipiell keine Zuschüsse mehr gewährt werden. ln vertraulicher Sitzung wurde über die Anstellung einer neuen Religionslehrkraft Beschluß gefaßt. Zum Schluß der Sitzung erinnerte Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer an den in diesen Tagen zu feiernden 90. Geburtstag von Frau Rosalie Perles, die sich während der Zeit ihres Münchener Aufenthalts als Gattin des verstorbenen Münchener Rabbiners Dr. Josef Perles die Achtung und Liebe der ganzen Münchener Gemeinde erworben habe. Der Vorstand habe im Namen der gemeindlichen Kollegen an die auch heute noch geistig außerordentlich rüstige und tätige Frau ein herzliches Schreiben gerichtet und Veranlassung genommen, ihr ein Ehrengeschenk zu übersenden. Chanukkah-Feier des Kadimah. Die Münchener Gruppe des „Kadimah“, Bund jüdischer Pfadfinder, veranstaltete am Samstag, dem 21. Dezember 1929, im Cherubin-Saale eine Chanukkah-Feier, die, wie der Leiter der Gruppe in einer kurzen Begrüßungsansprache nach musikalischer Einleitung durch das jüdische Kammerorchester ausführte, sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Beziehungen zwischen Eltern und dem Bund enger zu gestalten, oder vielleicht gar den nötigen Kontakt erst zu schaffen und darüber hinaus ein Bild vom Leben und der Arbeit des Bundes zu geben. Über .die Ziele des Gesamtbundes und seine Erziehungsgrundsätze gaben programmatische Erörterungen eines Mitgliedes der Bundesleitung erwünschten Aufschluß. Daß der „Jüdische Pfadfinder“ nicht nur eine theoretische Erscheinung, sondern auch Wirklichkeit ist, bewies der Verlauf des Abends, der ein reizendes Singspiel der Mädchengruppen brachte, als Zeugnis für ernsthafte Beschäftigung mit dem Hebräischen eine Vorlesung aus der Bibel, lebende Bilder zur Chanukkahgeschichte mit einem witzigen anachronistischen Text und schließlich nach der Pause als Clou des Ganzen die „Improvisationen im Dezember“, die Aufnahmen zu einem Großtonfilm „Der jüdische Pfadfinder“. Die Jungen und Mädchen samt ihren Führern und den Musikanten können sich selbst zum besten haben und sind, hoffen wir es, gewiß darum von den Besten: vielleicht haben sie des Grotesken ein bißchen zu viel getan, aber man weiß ja, daß es ihnen sehr ernst um ihre Sache ist und nimmt darum auch diese bunte Mischung aus Ernst und Karikatur als einen Beweis für die wirkliche Gemeinschaftlichkeit des Bundes, aus dessen Leben sie entstanden ist. Zum Abschluß des Abends spielte das Kammerorchester die Einleitung und den Schlußchor aus der Bauernkantate von Johann Sebastian Bach. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez, Gesamtausschuß der Ostjuden, München. Wir laden nochmals zu unserem am Sonntag, dem 29. Dezember, im Goethesaal, Leopoldstraße 46a, stattfindenden Chanukkah-Abend mit Theater (nicht Tanz, wie in der Anzeige in Nr. 51 des „Jüd. Echo“ versehentlich angegeben!) und Aufführung neuer inszenierter jüdischer Volkslieder ein. In der Fülle derartiger Veranstaltungen ragt speziell dieser Abend hervor durch seine Hingabe an nur jüdische Themen und Ausschnitte aus der lebendigen jüdischen Welt. Humor und fein abgetönte Stimmungen, nicht allzu oft ist in München Gelegenheit geboten, bekannt zu werden mit dieser Poesie und Melodik. Es sollte niemand versäumen zu kommen. Jüdischer Jugendverein, München. An diesem Orte nur wenige Worte: Chanukkahfeier am 2. Jänner! Vergeßt das nicht, Ihr Frauen und Männer! Stellt Euch pünktlich und zahlreich ein, Ihr werdet es sicher nicht bereu’n. Wir haben diesmal nichts gespart, Genüsse bieten wir mancherlei Art, sowohl für den Magen, als auch für den Geist: Drum am 2. Jänner die Losung heißt: Chanukkahfeier im Jugendverein! Stellt Euch bitte pünktlich ein, kommet auch in großer Zahl! Auf Wiedersehen im Lessingsaal! Jüdischer Kindergarten, München. Der Kindergarten beginnt wieder am 2. Januar. Gesamtausschuß der Ostjuden München. Familie Gidalewitz gratuliert Familie Trost zur Vermählung ihrer Tochter 2.—. Der Gesamtausschuß gratuliert Familie Trost zur Vermählung ihrer Tochter und dankt für die Spende. Verein Bikur-Cholim gratuliert Familie Trost zur Vermählung ihrer Tochter. Familie Teitel gratuliert herzlichst Herrn und Frau Ziegler zur Geburt ihres Töchterchens 2.—-.