Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- Seite 777 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 777 Und um diese Hauptfiguren gruppieren sich: Juden und Christen, Männer und Frauen, Bischöfe und Rabbiner, eine jakobinische Zeitungsverkäuferin, ein arabischer Hausdiener, ein verliebter Knabe und eine grotske Gesellschaft älterer jüdischer Damen, die eine Huldigungsfahrt zu dem „Hauptmann“ unternimmt. Eine bunte Gesellschaft in einem sonnigen Land, von einem schalkhaften Künstler gestaltet, der den weltgeschichtlichen Hintergrund seiner Begebenheiten mit sparsamen aber kräftigen Strichen zu zeichnen versteht. Die Dreyfuszeit hat ihren Dichter gefunden. Diese drei Bände sind auch in einer Parallelausgabe des Heinebundes erschienen. Im Jüdischen Verlag Dritter Band des Jüdischen Lexikons. Von dem fünfbändigen „Jüdischen Lexikon“, das im Jiidischep Verlag, Berlin W 50, unter Redaktion von Prof. Dr. I. Elbogen, Dr. G. Herlitz, Dr. J. Meiel, Dr. A. Sandler, Dr. M. Soloweitschik, Dr. F. A. Theilhaber, Dr. P. Weltsch und Rabbiner Dr. M. Wiener erscheint, wurde vor kurzem der III. Band ausgegeben, der die Stichworte „I-Ma“ umfaßt. Der III. Band, der einen noch größeren Reichtum an Illustrationen, Beilagen, Kunstdruckblättern usw. als die früheren Bände aufweist, enthält außer vielen kleineren Beiträgen wiederum eine große Zahl umfangreicher Artikel, in denen zum Teil zum erstenmal das bisher nur verstreut vorhandene Material gesammelt erscheint. Zu nennen sind insbesondere die Artikel „Inkunabeln“ mit einer Tabellenbeilage, die die letzten Forschungsergebnisse berücksichtigt, der Artikel „Israel“ mit einer siebenfarbigen historischen Kartenbeilage „Palästina zur Zeit der Entstehung des israelitischen Königtums“, der Artikel „Jerusalem“ mit vier vielfarbigen historischen Karten und einer ganz neuen modernen farbigen Karte von Jerusalem (Neubearbeitung der Baedekerschen Karte), die Artikel „Jesus von Nazareth“ und „Jiddische Sprache“, eine umfassende Zusammenstellung „Jüdische Journalisten“, die fast alle Länder berücksichtigt, ferner größere Abhandlungen über „Kabbala“, „Kalender“, „Karäer“ und eine bis auf das Jahr 1929 fortgeführte Zusammenfassung aller jüdischen Kolonien in Palästina und Osteuropa samt ihrer Geschichte, weiter die Artikel „Kriminalität der Juden“ „Kultur, jüdische“, dann eine ausführliche Monographie „Literatur der Juden“ (von Prof. Elbogen), sowie die Abhandlungen „Literatur, hebräische“ und ^Literatur, jiddische“. Einer der umfangreichsten Beiträge dieses Bandes ist die Monographie über „Maimonides“ von Prof. Julius Guttmann u. a. Das Lexikon, das pro Band 35 RM. in Leinen, 44 RM. in Halbleder und 58 RM. in Ganzleder kostet, wird fünf Bände umfassen, da der IV. Band in zwei Halbbänden (voraussichtlich bis Sommer 1930) erscheint. Jüdischer Jugendkalender. Zum zweiten Male ist dieses Jahr der jüdische Jugendkalender im Jüdischen Verlag, Berlin,, erschienen. Es ist erfreulich, daß dieser Kalender jüdischen Kindern Gelegenheit gibt, für andere etwas zu schaffen. So sind diesmal beinahe alle Zeichnungen von Jugendlichen. — Auf neue Art bringt der achtzehnjährige Zeichner Ismar David die Illustrationen zum jüdischen Jahr, indem er die Monate mit den zwölf Söhnen Jakobs vergleicht. Es ist in diesem Buche Belehrendes, Erzählendes und Lustiges vereinigt. Die Kinder finden darin Anregung ^u Handfertigkeiten, zum Raten und Theaterspielen. Die Josephsgeschichte ist in Form eines Schattentheaters mit lustigen Versen so dargestellt, daß kleinere Kinder viel Vergnügen daran haben werden, ur\d es ihnen nicht schwer fallen wird, die Geschichte selbst aufzuführen. Große, jetzt lebende Juden und solche, die früher zum allgemeinen Kulturfortschritt beigetragen haben, werden den Kindern auf anschauliche Art nähergebracht. Wenn auch noch einiges, besonders der literarische Wert der Gedichte zu wünschen übrig läßt, so verdient das Buch doch, daß man es jedem jüdischen Kinde in die Hand gibt. J. S. Theodor Herzl Im Jüdischen Verlag ist zum 25. Todestag Herzls ein von der Zionistischen Exekutive herausgegebenes Gedenkbuch erschienen, das wichtige Aufsätze aus der Herzl-Literatur (von Nordau, Achad Haam, Martin Buber, Siegfried Kaznelson) mit Zeugnissen aus Herzls eigenem Schaffen vereint und so die Aufgabe voll und ganz erfüllt, die er sich gesetzt hat: das Andenken an diesen Mann lebendig zu erhalten. Neue Bücher von A. D. Gordon und Wladimir Jabotinsky. Von A. D. Gordon, dem verstorbenen hebräischen Arbeiterschriftsteller, erscheint in diesen Tagen eine Auswahl seiner Aufsätze zum erstenmal in deutscher Sprache. Der Sammelband, der den Titel „Erlösung durch Arbeit“ trägt, ist der I. Vierteljahrsband des neugegründeten „Zionistischen Bücher-Bundes“, der sich die Aufgabe gesetzt hat, eine Bibliothek klassischer zionistischer Werke in deutscher Sprache herauszugeben. Gordons Gedankenwelt ist eine originelle Synthese zwischen Nationalismus und Sozialismus, angewandt auf das einzigartige Schicksal des jüdischen Volkes, das nach Gordon seine Erlösung in einer neuen Verbundenheit mit der Natur und dem Boden Erez Israels finden soll. Gordons Ideenwelt steht sowohl zum landläufigen Sozialismus als auch zum politischen Nationalismus im Gegensatz; seine Lehre gab einer der wichtigsten Epochen im Aufbau der jüdischen Siedlung in Palästina das Gepräge. Es ist daher zu begrüßen, daß die Schriften dieser einzigartigen Persönlichkeit nunmehr auch in deutscher Sprache bekannt werden. Der Jahresbeitrag zum „Zionistischen Bücher-Bund“ beträgt RM. 18 — (vier Pflichtbände jährlich) außer Porto. Als nächster Band erscheint in Kürze: Wladimir Jabotinsky, Geschichte der jüdischen Legion im Weltkrieg. Jesus von Nazareth. Seine Zeit, sein Leben und seine Lehre. Von Dr. Joseph Klausner, Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Im Dezember d. J. erscheint im Jüdischen Verlag, Berlin, die deutsche Ausgabe des bereits hebräisch und englisch in einer Reihe von Auflagen vorliegenden Werkes, der ersten groß angelegten wissenschaftlichen Darstellung des Lebens und der Lehre Jesu, vom jüdischen Standpunkt gesehen. Das etwa 600 Seiten umfassende Buch, dessen englische Übertragung der anglikanische Bischof von Jerusalem besorgt hat, hat stärkste Beachtung gefunden und auch leidenschaftliche Diskussionen zwischen der jüdischen Orthodoxie und der jüdisch-liberalen Richtung hervorgerufen.