Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- Seite 776 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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776 Das Jüdische Echo Nr. 52 in der ersten vor etwa einem Monat stattgefundenen Sitzung eingesetzte Organisationskomitee erstattete seinen Bericht, demgemäß beschlossen wurde, daß vom 1. Januar 1930 ab die Konferenz die Institution des Keren Hajessod übernimmt, die nun unter der Leitung der Jewish Agency stehen wird. Die Leitung des Keren Hajessod wird sich zu gleichen Teilen aus Zionisten und Nichtzionisten zusammensetzen. Aus Gründen der Sparsamkeit und der Vereinfachung der Verwaltung wird das Büro des Keren Hajessod auch weiterhin im Hause der Zionistischen Organisation untergebracht sein. Ungerechte Behandlung von Juden an den amerikanischen medizinischen Hochschulen N e u y o r k , 3. Dezember. (JTA.) Prof. Frank Gavin vom „Allgemeinen Theologischen Seminar“ hat in der letzten Sitzung des Komitees für Freundschaft zwischen Christen und Juden des vereinigten Kirchenrates von Amerika einen Bericht über die ungleichmäßige Behandlung von jüdischen Medizinern an amerikanischen medizinischen Kollegs und Universitäten erstattet. Jüdischen Graduierten werden an den Kollegs und Universitäten Schwierigkeiten gemacht, so daß viele von ihnen ins Ausland gehen. Fast alle 600 Amerikaner, die sich um Zulassung zu der medizinischen Fakultät der Universität Edingburgh (Schottland) beworben haben, waren Juden. Besonders schwer haben es die jüdischen Studenten von Neuyork City. In einem Neuyorker Kollege, dessen Studentenschaft zu 75 bis 80% jüdisch ist, ist die Zahl der Graduierten, die an Neuyorker Medizinschulen aufgenommen wurden, in den letzten fünf Jahren von 68 auf 42 gesunken. 1928 wurde nicht ein einziger Graduierter aus diesem Kollege an der bestbekannten Medizinschule in Neuyork aufgenommen. Es gibt jüdische, die medizinische Laufbahn wählende Graduierte, die sich hintereinander auf die Aufnahme bei 40 Kollegs beworben hatten, bevor sie an einem Kollege Aufnahme gefunden haben. Die Bewerbungsformulare enthalten Rubriken über Geburtsort, Religion, Naturalisation, Geburtsort der Eltern usw., und die loyale Ausfüllung dieser Rubriken durch den Bewerber ist oft der Anlaß, diesen Bewerber zurückzuweisen. Neue Bücher Im Welt-Verlag J. Opatoschu: Der Aufstand. Roman. Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz. Welt-Verlag, Berlin. Fortsetzung des in dieser Zeitschrift erscheinenden „Letzten Waldjude n“, des Romans „Vor dem Stur m“. Auch hier im einleitenden Teil ein Kulturgemälde eigener Art: die Emigrantenkolonie von Paris, des zweiten Kaiserreichs glanzvoller Hauptstadt, zugleich Herd aller europäischen Umsturzbewegungen: Revolutionäre aller Art ■— Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten, Deutsche, Ungarn, Italiener, Juden, vor allem aber und am zahlreichsten Polen, die in mehrere sich bitter befehdende Parteien zerfallen. Flüchtlingselend,, Intrigen, demoralisierender Müßiggang; Moses Hessens alles überragende Gestalt, des „Kommunistenrabbi“, des letzten jüdischen Propheten von Weltformat. Dann die Heimfahrt zweier Kriegsfreiwilligen, eines Polen und eines Juden — das Epos einer Wanderung, das der Zeiten und Völker Aufruhr erleben läßt. Im dritten Teil nun der eigentliche „Sturm“, der Aufstand, der, schlecht vorbereitet und von kleinen Intriganten geführt, trotz seinen Dikta-' toren und Nationalregierungen, trotz der Hilfe’ der Freischärler aus ganz Europa von der russischen Übermacht zermalmt wird. Rudolf Schav: Juden in der deutschen Politik. 320 Seiten mit 16 Einzelbildnissen auf Tafeln. Welt-Verlag, Berlin. Im Rahmen der gesamtpolitischen Entwicklung Deutschlands von den Freiheitskriegen bis heute werden die prägnantesten jüdischen Politiker gezeichnet. Die Größe, aber auch die Grenzen ihres Einflusses Umrissen. Aufgezeigt wird, wie sich das allgemeinpolitische Streben jüdischer Führerpersönlichkeiten mit dem Streben nach der Gleichstellung der Juden verband, wie aus der Sonderstellung der Juden die Eigenart und das Temperament Form gewannen und nach Gestaltung drängten. Und ferner: wie in dieser Sonderstellung das meist tragische Geschick des jüdischen Politikers begründet lag. Marx, Lassalle, Bernstein, Eisner, Rosa Luxemburg und andere Sozialisten, die Führer der bürgerlichen Bewegung: Rießer, Jacoby, Lasker, Bamberger, Preuß, Theodor Wolff, Georg Bernhard, Rathenau erstehen in voller Lebendigkeit. Auch dem Gründer der preußischen Adelspartei, Stahl, ist ein Abschnitt gewidmet. Daneben werden in sechszehn Aufsätzen, sowie in der instruktiven Einleitung und der „Bilanz“ so ziemlich alle Personen irgendwie behandelt, die als Marksteine der Entwicklung anzusehen sind: Bismarck, Hegel, Feuerbach, Friedrich Wilhelm IV., Bebel, Liebknecht, Heine, Treitschke, Wilhelm II. usw. Armand Lunel: Nicolo-Peccavi oder Weltgeschichte in Carpentras. Ein tragikomischer Roman. Aus dem Französischen von Lina Frender. Welt-Verlag, Berlin. Da lebte vor der Großen Revolution ein jüdischer Strolch, eine Künstlernatur, der Komödie spielt, auf Märkten als Astrologe auftritt und der seiner Gemeinschaft zum Trotz katholisch wird. Sein Sohn gründet ein Herrenkleiderhaus, das die vornehme Gesellschaft beliefert. Die Familie ist so gut gesinnt, daß es Augustin Nicolo-Peccavi ist, der Urenkel, der im Dreyfußkrieg der klerikal-antisemitische Front kommandiert. Ein Zwiespältiger, der die Stimme des jüdischen Blutes hört. Im Herzen hält er es mit den Juden und den Dreyfusards. Doch zu schwach, versucht er es mit einem Doppelleben, an dem er zugrundegeht — des Buches tragischer Teil. Das komische Element bringt der Gegenspieler hinein, der Jude Abranet, Tuchhändler und Kunstsammler, temperamentvoll, Spaßvogel und zur Not die Faust zu ballen wissend. Ein kurioser Typus ist auch sein Freund, der Chevalier de la Roche Alric, der Geliebte von Nicolo-Peccavis jungem Weibchen. Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HANS FÜRST