Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- Seite 775 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 775 sehen Zeugen verwickelten sich in Widersprüche und waren nicht im geringsten in der Lage, ihre Beschuldigungen zu erhärten. Der Richter sprach die Juden frei und sagte, die Behörden müßten schärfstens gegen die falschen Zeugen auftreten, durch deren irreführende Bezeugungen die Gerichte mit falschem Beweismaterial überschwemmt werden. Der Prozeß gegen die zwölf Araber, die die Familie Makleff in Moza abgeschlachtet haben, hat nun begonnen, der Richter nannte die Art, in der der arabische Anwalt seine Klienten verteidigt, schimpflich und entehrend. Dem anderen arabischen Anwalt sagte er, sein mit den Zeugen angestelltes Kreuzverhör sei pointenlos und eine Zeitvergeudung. Rekordeinkünfte des Jüdischen Nationalfonds Jerusalem, 16. Dezember. (JTA.) Im Oktober und November 1929 betrugen die Einkünfte des Jüdischen Nationalfonds 27 636 Pfund, was eine Erhöhung um 55% gegenüber dem Einkommen in der gleichen Zeitperiode des Jahres 1928 bedeutet. Die Untersuchungskommission in Palästina wird bis in das neue Jahr hinein tagen Jerusalem, 17. Dezember. (JTA.) Es steht nun fest, daß die Untersuchungskommission ihre öffentlichen Verhandlungen nicht vor Ende des Monats Dezember wird beendigen können. Die Mitglieder der Kommission, die geglaubt hatten, zu Weihnachten wieder in England weilen zu können, werden bis in das neue Jahr hinein in Palästina verbleiben müssen, um nach Beendigung der öffentlichen Vernehmungen noch geheim zu machende Bekundungen von Zeugen entgegenzunehmen. (Der Bericht über die Verhandlungen der Kommission wird in der nächsten Nummer fortgesetzt.) Aus der jüdischen Welt Thomas Mann liest aus seinem Josephroman zugunsten der jüdischen Altershilfe Berlin, 20. Dezember. (JTA.) Thomas Mann, der soeben in Stockholm als der Empfänger des Nobelpreises für Literatur im Mittelpunkt der Huldigung der geistigen Welt gestanden hat, weilte auf der Rückreise nach seinem Heim in München wenige Tage in Berlin, wo er von den offiziellen Kreisen und dem deutschen PEN-Klub gefeiert wurde. Während dieses kurzen Aufenthaltes las er im Hause von Herrn Hugo Simon und Frau Gertrud Simon in der Drakestraße vor einem größeren Kreise von Männern und Frauen der Berliner Gesellschaft zum Besten der Jüdischen Altershilfe Groß-Beilin aus seinem unveröffentlichten Roman „Joseph und seine Brüder“. S. Fischers 70. Geburtstag Berlin, 20. Dezember. (JTA.) Am 24. Dezember wird S. (Samuel) Fischer, der zu den führenden Verlegern Deutschlands gehört, 70 Jahre alt. Er wurde in Lipto Szt. Miklos (Slovakei) geboren, kam 1881 nach Berlin und begründete 1886 den Verlag S. Fischer, der Tolstoi, Dostojewsky, Zola, Jokai und deutsche Autoren wie Bleibtreu, Stettenheim, Hermann Bahr brachte. 1889 wurde er Vorstandsmitglied des Vereins „Freie Bühne“ und nahm dessen von Otto Brahm geleitete Zeitschrift in Verlag, aus der sich dann die führende Zeit- I. MÜNCHENER PLISSE'BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten,Kostümstlckereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 79 schrift „Neue Rundschau“ entwickelte. Seitdem wurde sein Verlag führend für die deutsche literarische Bewegung. Er verlegte Ibsen und Shaw, Gerhart Hauptmann, Richard Dehmel, Thomas Mann, Jacob Wassermann und Artur Schnitzler. Auch alle Schriften Walter Rathenaus sind bei ihm erschienen. Hilfsvereinsabend in Nürnberg Nürnberg, 20. Dezember. (JTA.) Auf Einladung von Herrn Dr. Sommer, langjährigem Mitarbeiter des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Nürnberg und Mitglied seines Zentralkomitees, fand sich vor einigen Tagen in seiner Wohnung eine Anzahl prominenter Persönlichkeiten verschiedener politischer und religiöser Richtungen zusammen. Herr Dr. Sommer gedachte in seiner Ansprache der großen Persönlichkeit Paul Nathans. Dr. Wischnitzer knüpfte an die Ausführungen Dr. Sommers über Paul Nathan an und ging sodann auf das Programm und das Werk des Hilfsvereins, die Emigrantenhilfe, das Aufbauwerk in Rußland, die kulturelle Arbeit ein. Die Ausführungen der Redner fanden starken Beifall. An der Aussprache, die folgte, beteiligten sich die Herren Justizrat Dr. Erlanger, Siegmund Mainzer, Mitglieder des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Nürnberg wie des Lokalkomitees des Hilfsvereins, Dr. Meinhold Nußbaum u. a. Tagung des Rates der „Foundation“ in Paris Paris, 19. Dezember. (JTA.) Am 15. Dezember des Jahres fand in Paris eine Sitzung des Council der American Joint Reconstruction Foundation statt. An Stelle des verstorbenen Präsidenten des Councils, Franz Philippsohn, wurde auf Vorschlag von Herrn Dr. Bernhard Kahn im Namen der amerikanischen Mitglieder des Rates einstimmig Herr Leonard L. Cohen (London) gewählt. An Stelle der ausgeschiedenen Mitglieder des Councils sind die Herren d’Avigdor Goldsmid (London), Dr. Alfred Klee (Berlin), Dr. Adolph Silberszein (Lemberg) und Dr. Joffe (Riga) ernannt worden. Auf Grund der ausführlichen Berichte der Managing Directors der Foundation, Dr. Bernhard Kahn und Dr. Louis Oungre, über Lage und Tätigkeit der von der Foundation in den verschiedenen Ländern finanzierten jüdischen Kreditgenossenschaften bewilligte der Council neue Kredite in einer Gesamthöhe von 115 000 Dollar für die Arbeit in Litauen, Altrumänien, Bessarabien, Bukowina, Tschechoslowakei, Österreich usw. Außerdem ist eine ganze Reihe von Beschlüssen über die weitere Arbeit in diesen Ländern angenommen worden. Die zur Verfügung gestellten Kredite sind bestimmt, die genossenschaftliche Tätigkeit zu erweitern und besonders eine weitere Reduktion der bisherigen Zinssätze, die die Kassen für-ihre Darlehen noch zu erheben gezwungen sind, herbeizuführen. Besonders eingehend hat'sich der Council mit den Verhältnissen in Polen beschäftigt und in Aussicht genommen, daß gemeinsam mit dem Direktorium des Verbandes in Polen baldigst umfassende Pläne ausgearbeitet werden zur Belebung der gesamten kooperativen Tätigkeit in Polen. Der Keren Hajessod ab Neujahr 1930 Instrument der Jewish Agency London, 17. Dezember. (JTA.) Unter dem Vorsitz von O. E. d’Avigdor Goldsmid fand am 16. Dezember die zweite Sitzung der Konferenz der englischen Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Council der Jewish Agency statt. Das