Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- Seite 773 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 773 verbände den Arabern zu öffnen, die Araber zur Teilnahme an unseren industriellen Unternehmungen einzuladen, um sich auf diese Weise mit ihnen enger zu liieren; ob es ratsam sei, die Sprache der Araber zu erlernen, um mit ihnen gesellschaftlich verkehren zu können, wie dies schon eine Anzahl Juden tun. Sobald die Unruhen überwunden sein werden, wird die von Juden für Araber geleistete Arbeit richtig eingeschätzt werden können. Durch unsere medizinische Organisation, durch die Ausrottung der Malaria und anderer Krankheiten haben wir Außerordentliches für die Araber getan. Die Araber hegen keine eigentliche Abneigung gegen die Juden. Vor dem Kriege und während des Krieges lebten Juden und Araber in vollkommener Freundschaft. Ich hoffe, daß dies auch weiter der Fall sein wird. Die neuen Schwierigkeiten sind in einem großen Maße auf die Tätigkeit von Personen zurückzuführen, die in Palästina Boden besitzen, aber außerhalb des Landes leben, und die gegen die Verbesserung der Lage der Fellachen mit Hilfe der jüdischen Siedlungen — gegen die Emanzipation der früher ihnen dienstbar gewesenen Fellachen —■ sind. Wir dürfen nicht vergessen, fuhr Brandeis fort, daß Beduinen in großer Zahl dauernd nach Palästina kommen, obwohl sie nicht Palästinenser sind; solche Beduinen traten in den Unruhetagen als Streiter auf. Immer, wenn etwas in Palästina los war, versuchten Beduinen, oft als Räuberbanden, in das Land einzudringen. Als ich in Galiläa weilte, besuchte mich eine Abordnung von Zirkassiern aus der Gegend des Huleh-Sees und bat mich, Lord Balfour ihren Wunsch zu unterbreiten, in das neue Palästina eingeschlossen zu werden. Diese Zirkassier sind eine friedliebende Gemeinde, die dauernd von herumstreifenden Beduinen heimgesucht werden.' Sie wollten unter britische Herrschaft kommen, um Schutz zu genießen. Brandeis schloß: Ich halte mich einem sentimentalen Urteil fern und wende jenes strenge Maß an, das mir bei Behandlung von Geschäftsfragen mein Leben lang eigen gewesen ist, und so scheint es mir, daß die Gefahren in Palästina gering sind im Vergleich mit den möglichen Gewinnen. Daß ein Risiko besteht, ist außer Zweifel. Aber ein größeres Risiko besteht für das jüdische Volk als ganzes, wenn wir nicht vorwärts gehen. Gefahren ins Gesicht sehen, ist Essenz jüdischen Lebens. Nehmt die unvermeidlichen Gefahren mit in den Kauf! Der kluge Mann sucht nicht, Gefahren zu vermeiden, sondern Gefahren zu mindern: durch Urteil, Erfahrung, Denken. Das sind hervorragend jüdische Attribute. Wir wollen durch Hoffnung, nicht durch Furcht beraten sein. Wir wollen anderen Vertrauen einflößen, indem wir zeigen, daß wir selbst mutig zu handeln verstehen. Dem Vertrauen wird die Leistung folgen. Ich bin überzeugt, daß eine amerikanische Korporation, wie sie hier gegründet wurde, ein solches Vertrauen betätigen wird. Amerika hat ein großes Prestige in der Welt. Wir schaffen eine von tüchtigen amerikanischen Juden geleitete Korporation und gehen schnell an die Arbeit. illlllllllllllllllllllllllllllll I Deutsche Neuw&scherei G. m.b. H. I FELIX BRA\I)\KR . MCKCHEN I Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 I Spezial-Dampfwaschanstalt hup Herren-Stärkwäsche I Annahmestelle auch Jägerstr. 16 / Augsburg A. 432 vord. Lech I llllilllllillllllllllllilllllli Balfour-Deklaration und Mandat Appell Lord Balfours, Lloyd Georges und General Smuts’ an die Regierung London, 20. Dezember. (JTA.) Lord Balfour, Lloyd George und General Smuts veröffentlichen heute in den „Times“ einen Brief als Appell ’an die Öffentlichkeit Großbritanniens und an die Regierung, in dem es heißt: Als Mitglieder des Kriegskabinetts, das für die im Jahre 1917 verkündete Balfour-Deklaration, sowie für die Politik des Nationalheims für das jüdische Volk verantwortlich war, blicken wir mit tiefer Besorgnis auf die gegenwärtige Lage in Palästina, die, so erscheint es klar, eine Folge des nichtbefriedigenden Fortganges der von Großbritannien gegen Ende des Krieges begonnenen Arbeit ist. Mit der Balfour-Deklaration übernahmen wir eine Verpflichtung zur Erfüllung einer vorgeschriebenen Politik. Mit der Übernahme des Palästinamandates übernahmen wir zugleich die Verpflichtung, lebenswichtige Verwaltungsaufgaben zu erfüllen. Aber gewisse Ursachen, die nach wie vor im Dunkel sind, haben es verhindert, daß diese Aufgaben und diese Politik voll zur Durchführung kämen. Das muß anders werden. Wir fordern die Regierung dringend auf, eine autoritative Kommission zu ernennen, die die gesamte Lage des Mandates untersuchen soll. Wünschenswert ist auch eine weitgehende Neuregelung des Verwaltungsapparates zwecks Durchführung der Deklaration und des Mandates dem Buchstaben und dem Geiste nach. Die von uns übernommene Verpflichtung ist klar und unzweideutig. Die Schaffung einer solchen Kommission wird vor aller Welt dartun, daß Großbritannien entschlossen ist, seine Ehrenpflichten zu erfüllen; diese Maßnahme wird auch Juden wie Arabern Bürgschaft dafür sein, daß die Regierung entschlossen sei, alle Mängel des gegenwärtigen Systems zu beheben. 70. Geburtstag von Miß Henrietta Szold Berlin, 22. Dezember. (JTA.) Am 21. Dezember vollendete Miß Henrietta Szold, die Schöpferin der zionistischen Frauenbewegung in Amerika und gegenwärtig Mitglied der Zionistischen Exekutive in Palästina, ihr 70. Lebensjahr. Miß Szold, die in den letzten Monaten wiederum in den Vereinigten Staaten geweilt hat, befindet sich gegenwärtig auf der Rückreise anch Palästina, wo sie in wenigen Tagen eintreffen wird, um sich der Verwaltung des hebräischen Schulwesens weiter zu widmen. In der „Jüdischen Rundschau“ widmet Dr. Nadia Stein der „Schöpferin der Hadassah“ einen Aufsatz, in welchem es u. a. heißt: Seit Generationen hat es innerhalb des Judentums keine Frau gegeben, die so beseeltes Frauentum, so vollendetes Menschentum in sich verkörpert hätte wie Henriette Szold. Was Tausende von Frauen an ihrem Geschlecht gesündigt, indem sie es verächtlich machten, durch ihren Unernst und ihre Oberflächlichkeit, durch ein Leben der Nichtigkeiten und Äußerlichkeiten, das hat diese einzige wieder wettgemacht durch die wundervolle Persönlichkeit, zu der sie sich gebildet und die hohe Verantwortlichkeit, unter die sie ihr Dasein gestellt hat. ... Durch ihre Arbeit mit Frauen, durch ihre Arbeit für Frauen, durch Organisierung großer