Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- Seite 761 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 761 Einstein über den Hilfsverein B e r 1 i n , 11. Dezember. (JTA.) Professor Albert Einstein eröffnete den am 10. Dezember abends im Hotel „Kaiserhof“ stattgefundenen Konzert- und Gesellschaftsabend des Hilfsvereins der Deutschen Juden mit der folgenden Ansprache: „Wir Juden sind dadurch beständig bedroht, daß wir überall als eine Minorität leben, die sich durch den Komplex ihrer Traditionen von der Umwelt unterscheidet. Hieraus erwächst für die Individuen eine Gefährdung teil wirtschaftlicher, teils moralischer Art, wirtschaftliche Gefährdung durch Verdrängung aus Berufen, moralische durch Vereinsamung, die meist zu armseligem Egoismus führt. Gegen diese Schäden hilft uns nur jüdische Solidarität. Wenn diese sich auch vornehmlich durch das persönliche Verhalten von Mensch zu Mensch auswirken muß, so bedarf es doch zur Abhilfe gegen die krassesten Notstände solcher Organisationen, die kontinuierlich und systematisch arbeiten. Unter diesen Organisationen nimmt der Hilfsverein der Deutschen Juden einen hohen Rang ein teils durch seine großen Leistungen in der Vergangenheit, teils durch seine Parteilosigkeit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. In dieser Zeit wirtschaftlicher Depression pflegen viele am falschen Orte zu sparen — nämlich indem sie sich ihren sozialen Pflichten entziehen, statt ihren privaten Bedarf einzuschränken. Denken Sie selber darüber nach; ich habe nicht das Zeug zum Prediger in der Wüste.“ Die Notgemeinschaft entzieht einem Rasseantisemiten das Stipendium Berlin, 13. Dezember. (JTA.) Die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft teilt mit, daß sie Professor Schemann, dem Verfasser des zweibändigen Werkes „Die Rasse in den Geisteswissenschaften“ wegen seiner mit Wissenschaft nichts zu tun habenden Feststellungen in dem Kapitel „Juda und Rom“ und „Die Herrschaft der Minderwertigen“ das ihm für Forschungsarbeit verliehene Stipendium entzogen ist. Im Münchener Verlag E. F. Lehmann, der rassenantisemitische Literatur verbreitet, erschien vor kurzem nämlich das Buch eines Herrn Ludwig Schemann „Hauptepochen und Hauptvölker der Geschichte in ihrer Stellung zur Rasse“. Auf Seite 391 heißt es: „...dies wäre natürlich denkbar gewesen, wenn nicht das allgemeine Gesetz, nach welchem das Judentum vornehmlich auf Fäulnisboden gedeiht, auch auf die Vereinigten Staaten gründlich seine Anwendung gefunden hätte.“ Auf Seite 396 heißt es: „diese zersetzenden Einflüsse gipfeln in den großen Weltmächten Juda und Rom, haben neuerdings ein immer leichteres Spiel bei uns gewonnen. Ihnen ist es nicht allein gelungen, den alten Gegensatz zwischen dem Norden und dem Süden unseres Vaterlandes neu zu vertiefen, nein, was schlimmer ist, mittels des unseligsten der Werkzeuge des Marxismus, der ja ganz jüdische Mache ist, ist unser ganzes Volk auseinandergerissen worden ...“ Seite 397; „... zu ersteren gehört das immer stärkere Überhandnehmen der Rundköpfe, die Bastardisierung durch Fremdmischungen — der deutsche Volkskörper ist schon heute derartig jüdisch, in der weiblichen Linie zumal durchsäuert, zu scheiden ...“ In der Vorrede zu seinem Buche schreibt Ludwig Schemann: „...nächst und neben ihm habe ich sodann mit warmem Danke der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft zu gedenken, welche mich nicht nur durch eine zweimalige Bewilligung in den Stand gesetzt hat, mir auf Erholungsreisen die für die Abfassung der beiden bisher erschienenen Bände nötigen Kräfte zu verschaffen, welche auch durch fortlaufende Unterstützungen es bewirkt, daß ich diese Kräfte verhältnismäßig sorgenfrei in den Dienst meiner Sache stellen kann.“ Dazu bemerkt der „Vorwärts“: „Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft wird jährlich mit Millionensummen aus dem Reichshaushalt des »sogenannten deutschen Volkes4 unterstützt... Nun liegt ein Fall vor, der, selbst als Einzelerscheinung gewertet, skandalös ist und die Verantwortlichen der ,Notgemeinschaft4 stark belastet. Der Reichsinnenminister und der Reichstag werden mit der »Notgemeinschaft4 und ihren anscheinend kritiklosen und unaufmerksamen parlamentarischen Schutzherren ein deutliches Wort reden müssen. Gänzlich unwissenschaftliche, rein demagogische Naturen wie dieser Schemann dürften von einer ernsten Gemeinschaft von Gelehrten nicht unterstützt werden.“ Dem nationalsozialistischen Studentenbund der Berliner Universität wird die offizielle Anerkennung entzogen Berlin, 12. Dezember. (JTA.) Der Rektor der Berliner Universität hat dem nationalsozialistischen Studentenbund das Anschlagbrett der Universität enzogen. Damit ist zugleich die offizielle Anerkennung dieses Bundes durch die Universitätsbehörden hinfällig geworden. Die Maßregelung ist eine Folge der Studenten-Krawalle vom 12. November, an denen die Agitation des nationalsozialistischen Studentenbundes in erster Linie schuld ist. Ignaz Hantke, Dr. Artur Hantkes Vater, gestorben Berlin, 11. Dezember. (JTA.) Nach langem Leiden verstarb in Berlin im Alter von 86 Jahren Herr Ignaz Hantke, der angesehene Kaufmann und Begründer der Firma Ignaz Hantke & Co. Er war der Vater des deutschen zionistischen Führers und Direktors des Keren Hajessod, Dr. Artur Hantke. Mendelssohn-Medaille der staatlichen sächsischen Münze Berlin, 15. Dezember. (JTA.) Anläßlich des 200. Geburtstages von Moses Mendelssohn hat die staatliche sächsische Münze in Muldenhütten eine Erinnerunsgmedaille geprägt. Makkabi in der Endrunde um den Goldstein-Pokal gegen Heros siegreich Berlin, 4. Dezember. (JTA.) Der Saalbau Friedrichshain, in dem gestern die Endrunde um den Goldstein-Pokal zwischen dem jüdischen Boxklub Makkabi und dem Boxsportklub Heros stattfand, war lange vor Beginn ausverkauft. Eine große Zahl von Personen mußte vor geschlossenen Türen wieder umkehren. Der Kampf gestaltete sich außerordentlich hart. Im Fliegengewicht siegte Ball (Makkabi) einwandfrei gegen Czapla (Heros), während Hopp (Heros) im Batamgewicht durch Punktsieg über Balsam (Makkabi) wieder gleichzog. Der deutsche Federgewichtsmeister Fuchs (Makkabi) konnte durch einen enormen Schlußspurt eine knappe Punktentscheidung gegen Moehl (Heros) erreichen. Borkum republikanisch Berlin, 15. Dezember. (JTA.) Das Ergebnis der Kommunalwahlen auf der bisher judenreinen Nordseeinsel Borkum, dem früheren Wirkungsbereich des Expastors Münchmeyer, zeigt, wie die Zeitungen melden, einen durchgreifenden Gesinnungsumschwung in der dortigen Bevölkerung.