Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- Seite 757 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5i Das Jüdische Echo 757 richtes und es war Pflicht der zeitweiligen zionistischen Exekutive, den Bericht der Hadassah nach London weiterzugeben. Sir Walter Shaw fragte Hoofien: Sind Sie persönlich von der Unwahrheit der Berichte über Verstümmelungen nicht überzeugt? Nein, antwortete Hoofien, ich bin nicht davon überzeugt Sir Boyd Merriman verlas die vom Oberkommissar Sir John Chancellor nach seiner Rückkehr nach Palästina erlassene Proklamation, in der von „unaussprechlicher Rohheit“ die Rede ist. Sir Boyd legte der Kommission fünf Photographien vor, die in Hebron begangene Greuel wiedergeben. Die Mitglieder der Kommission sind vom Anblick sehr erschüttert. Wir, bemerkte Sir Boyd, wollten dieses furchtbare Thema der Greuel nicht zur Sprache bringen, aber unsere Gegner zeigen sich bestrebt, den Umstand, daß wir dieses grauenvolle Thema meiden, dazu auszunutzen, der Zionistischen Exekutive schlechten Glauben anzudichten. Sir Walter Shaw sagte, soviel er wisse, habe die von der Regierung angestellte Untersuchung die Frage der Verstümmelungen in Hebron beigelegt; er sei erstaunt zu hören, daß ein Mitglied der Zionistischen Exekutive trotzdem weiter behauptet, daß Verstümmelungen stattgefunden haben. Sir Boyd erwiderte, die Juden haben den betreffenden Regierungsbericht nicht akzeptiert. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy wies darauf hin, daß Herr Horowitz in einem am 4. September nach London gesandten Telegramm diesen Bericht der Regierung diskreditiert hat und fügte hinzu, dies sei eine ernste Angelegenheit. Sir Boyd stellte dieser Bemerkung gegenüber fest, daß das Telegramm von Horowitz sich gar nicht auf den offiziellen Bericht der Regierung über die Untersuchung in Hebron beziehen könne, da dieser Bericht erst einige Wochen später veröffentlicht wurde. Das Telegramm bezog sich auf eine Aussage des Herrn Cafferata, der ohne zu prüfen behauptet hatte, Verstümmelungen seien nicht vorgekommen. Der erregte Meinungsaustausch dauerte eine Weile fort, bis Sir Henry Betterton zur Erwägung stellte, daß die Frage dieses Telegramms am besten während der Vernehmung des Herrn Horowitz geklärt werden könne. Sir Boyd Merriman schloß die Diskussion mit der Erklärung ab, daß er immer noch daran festhalte, daß Greuel, auch sexueller Natur, vorgekommen seien. Oberrabbiner Kook vor der Untersuchungskomtnission Jerusalem, 15. Dezember. (JTA.) Am Freitag, dem 13. Dezember, erschien vor der Untersuchungskommission der Oberrabbiner der aschkenasischen Judenheit Palästinas, Rabbi Abraham Jizchak Kook, um sich über die mit der Untersuchung zusammenhängenden religiösen Fragen, wie die Bedeutung der Klagemauer für das religiöse Judentum, die Tischna b’Aw-Trauer und das Schofarblasen am Jom Kippur zu äußern. „Die Wahrheit ist nicht schamhaft und nicht furchtsam,“ begann Oberrabbiner Kook seine Aussage, indem er sich auf einen Ausspruch der jüdischen Weisen stützte. „Ich kam zu dem Gerichte,“ fuhr er fort, „obwohl die Herren von der Kommission bereit waren, zu mir zu kommen; denn es ist meine Gewohnheit, alles was ich zu sagen habe, vor aller Öffentlichkeit zu sagen. Außerdem hatte ich das Empfinden, daß man Richtern Ehre erweisen müsse; sogar der Hohepriester erschien persönlich vor Gericht, wenn er von den Richtern geladen worden war.“ In dem weiteren Verlauf seiner Aussage erklärte Oberrabbiner Kook, die Behauptung, daß die Juden sich des Gebietes der Omar-Moschee bemächtigen wollen, sei absurd; schon darum, weil solche Absichten mit dem jüdischen Glauben nicht übereinstimmen. Juden, die sich zur jüdischen Religion bekennen, dürfen der religiösen Vorschrift gemäß ihren Fuß nicht auf das Tempelgebiet setzen, weil dieses Gebiet, das jetzt von der Omar-Moschee eingenommen wird, heiliger Boden ist. Die jüdische Ewigkeitshoffnung ist es, daß die Erlösung durch den Messias (Meschiach ben David) kommen wird, dann wird der Tempel wieder aufgebaut werden als ein Haus des Gebets für alle Nationen. Oberrabbiner Kook verlas Abschnitte aus dem Schulchan Aruch, aus denen zu ersehen ist, daß es für Juden Tradition ist, am Tisclia b’Aw und bei anderen Traueranlässen auf dem Boden zu sitzen. Laut dem Schulchan Aruch ist es ferner ein Gebot für die Juden, am Ausgang des Jom Kippur Schofar zu blasen; das Schofarblasen ist ein integrierender Teil des Gottesdienstes am Versöhnungstag. (Bekanntlich wurde am letzten Jom Kippur das Schofarblasen am Schluß des Gottesdienstes vor der Klagemauer durch die Behörden infolge einer moslemitischen Beschwerde verboten.) „Das Rabbinat,“ erklärte Oberrabbiner Kook weiter, „erbringt kein dokumentarisches Beweismaterial zur Begründung der jüdischen Rechte an der Klagemauer, weil diese Rechte nur allzugut begründet sind. Wollte man für diese jüdischen Rechte einen dokumentarischen Beweis liefern, so würde dies so aussehen, wie wenn man eine Kerze hochhalte, um das Licht der Sonne zu verstärken.“ Von der Kommission befragt, ob er am letzten Jom Kippur dem Gottesdienst an der Klagemauer beigewohnt habe, erwiderte Oberrabbiner Kook unter Tränen, er habe als alter und gebrechlicher Mann den Weg zur Klagemauer, den fromme Juden am Jom Kippur nur barfüßig zu machen pflegen — wie dies auch durch das jüdische Gesetz vorgeschrieben ist —, in diesem Jahre nicht gehen können. Er sei deshalb nicht in der Lage, über die Vorgänge an diesem Tage an der Mauer auszusagen. Der jüdische Vizebürgermeister von Jerusalem sagt aus — die erste Aussage in hebräisch Jerusalem, 15. Dezember. (JTA.) Herr Chajim Solomon, Vizebürgermeister von Jerusalem und zur Zeit der Unruhen stellvertretender Vorsitzender des Jüdischen Nationalrates Palästina (Waad Leumi), ist der erste Zeuge, der seine Aussage vor der Untersuchungskommission in hebräischer Sprache macht, die von einem Dolmetscher ins Englische übertragen wird. Er erklärt, daß er in Jerusalem geboren ist und daß auch sein Vater in Jerusalem geboren wurde. Er legte Beweismaterial darüber vor, daß die Juden vor 38 Jahren das JTlaster vor der westlichen Tempehnauer auf eigene Kosten haben ausbessern lassen, was beweist, daß ihre Rechte auf diesen Platz damals anerkannt waren. Viscount Erleigh verlas den vom Waad Leumi im November 1928, nach dem Zwischenfall am damaligen Jom Kippur vor der Klagemauer, erlassenen Appell, in welchem die Moslemiten ersucht werden, der verleumderischen Behauptung, I. MÜNCHENER PLISSEBRENNEREI FRANZ GRUBER, MÖNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.Kostümstlckereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75