Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- Seite 758 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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758 Das Jüdische Echo Nr. 51 daß die Juden sich der Omar-Moscliee bemächtigen wollen, keinen Glauben zu schenken. Die Verlesung dieses Appells machte auf die Mitglieder der Kommission sichtlich Eindruck. Der Appell, fuhr Viscount Erleigh fort, wurde durch die in den verschiedenen moslemitischen Ländern lebenden jüdischen Gemeinden in der moslemitischen Welt, zum Teil durch Radio, verbreitet. Eine Ausnahme machten jene Länder, in die judenfeindliche Propaganda noch nicht gedrungen war. Der Anwalt der Araber, Silley, behauptete, die jüdischen Behörden hätten eine Woche vor Tisclia b’Aw bereits gewußt, daß die Jugend von Tel- Awiw an der Klagemauer zu demonstrieren beabsichtige und daß den jüdischen Behörden die Warnung zuging, daß die wegen der Plünderung ihres in der Nähe des Damaskustores gelegenen Viertels und der Niederbrennung ihrer Synagoge äußerst erregten georgischen Juden entschlossen waren, die Entweihung ihres Eigentums zu rächen und in die kleine moslemitische Moschee im Sichron- Moschee-Viertel einzudringen. Chajirn Solomon erklärte entschieden, er habe dahin gewirkt, daß nicht Juden in Massen nach Jerusalem kommen, weil ihm bekannt war, daß eine Anzahl Araber darnach strebte, eine solche jüdische Prozession zum Anlaß zu nehmen, um die Erregung unter den Arabern zu schüren. Was das moslemitische Heiligtum im Sichron-Moschee-Viertel betrifft, in das am 26. August eingebrochen wurde, so habe er verantwortungsbewußte jüdische junge Leute zu den erregten georgischen Juden entsandt, um diese zu beschwichtigen und gegebenenfalls sie auseinanderzutreiben. Die Erregung dieser georgischen Juden war ins Ungeheure gestiegen, da sie drei Tage lang einem furchtbaren Terror ausgesetzt waren und schmerzliche Verluste an Leben und Eigentum erlitten hatten Chajirn Solomon schilderte der Kommission, wie die verantwortlichen jüdischen Stellen die Regierung auf den bevorstehenden Ausbruch aufmerksam gemacht und sie gewarnt hatten. Vom Regierungsanwalt Preedy zur Zurücknahme der jüdischerseits gegen die britische Polizei und die Administration erhobenen Beschuldigungen aufgefordert, erklärte Solomon, er lehne es ab, diese Beschuldigungen zurückzunehmen; die britische Polizei habe bei der Auseinandertreibung der jüdischen Menge, die an dem Begräbnis des Misrachi teilgenommen hatte, ohne jedes Mitleid und ohne Hemmung darauf losgeschlagen. Nachrichten aus Palästina Fortdauernde arabische Angriffe und Plünderungen in Palästina Jerusalem, 13. Dezember. (JTA.) Kolonisten aus der während der Unruhen völlig niedergebrannten Kolonie Gedud Haawodah wurden, während sie auf ihren Feldern arbeiteten, aus dem Hinterhalt angegriffen. Es wurden Schüsse auf sie abgegeben, die aber ihr Ziel verfehlten. Die Angreifer sind unerkannt entkommen. In der Jerusalemer Altstadt in der Nähe von Torath Chajirn wurden zwei Juden von Arabern geschlagen und mit Steinen beworfen. In der Nähe der Hebräischen Universität wurden von Arabern Schüsse abgefeuert, die nirgends Schaden anrichteten. In Haifa wurde ein Araber bei dem Versuch, fünf silberne Uhren zu verkaufen, die als ein während der Unruhen geplündertes Gut erkannt wurden, verhaftet. Im Dorfe Bithania wurden zwei Araber, in deren Häusern Gegenstände gefunden wurden, die in der jüdischen Kolonie Beer Tobiah während der Unruhen geraubt wurden, verhaftet. Jerusalem, 16. Dezember. (JTA.) Gegen die jüdische Kolonie Beer Jacob wurden von unerkannt gebliebenen Tätern Schüsse abgegeben; niemand wurde verletzt. Der Boykott-Terror dauert in Palästina fort Jerusalem, 12. Dezember. (JTA.) Der Terror der arabischen Boykott-Agitatoren dauert fort. Araber, die in jüdischen Geschäften einkaufen, erhalten Drohbriefe, die mit „Schwarzer Hand“ unterschrieben sind und in denen ihnen schärfste Repressionen für den Fall des Weiterkaufens bei Juden angedroht werden. Die jüdischen Kaufleute in Jerusalem klagen über verschärften Boykott-Terror, der es bewirkt, daß nunmehr auch arabische Käufer, die bis jetzt durch die Boykott-Propaganda sich nicht beeinflussen ließen, ausbleiben. Der Jaffaer Magistrat, der bekanntlich beschlossen hat, die Ruthenbergschen Elektrizitätswerke zu boykottieren, hat nunmehr auch beschlossen, die Stadt durch Luxlampen beleuchten zu lassen, obwohl festgestellt wurde, daß diese Art Beleuchtung viel teurer als die Beleuchtung durch Elektrizität zu stehen kommt. Die Arbeit der Gerichte — Freilassungen und Verhaftungen Jerusalem, 13. Dezember. (JTA.) Das Berufungsgericht hat das Urteil gegen zwei Araber, die vom Gericht in Haifa wegen Plünderung von Waizen während der Unruhen zu je 30 Monaten Gefängnis verurteilt wurden, aufgehoben; die Araber wurden aus der Haft entlassen. Das Berufungsgericht hat ferner das auf sieben Jahre lautende Urteil gegen einen Araber aus Haifa, der während der Unruhen bewaffnet aufgegriffen wurde, auf drei Monate reduziert. Das Berufungsgericht sprach einen Jerusalemer Araber frei, der vom Erstgericht zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil er den jungen Schriftsteller und Universitätshörer Mordechem Kapliuk durch Messerstiche verletzt hatte. — Der Jerusalemer Jude Mordechai Sasoon, der des versuchten Mordes angeklagt war, wurde aus der Haft entlassen; der Untersuchungsrichter stellte das Verfahren gegen ihn ein, weil die Belastungszeugen widersprechende Aussagen machten. Der Jude Salim Schachrur aus Safed wurde in Verbindung mit seiner Aussage über Vorgänge während des Safeder Pogroms wegen Meineids zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen Plünderung einer jüdischen Farm in der Nähe von Rosch Pinah wurde ein Araber aus einem benachbarten Dorfe zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Haifaer Gericht verurteilte zwei Araber zu je einem Jahr, einen zu neun Monaten und zwei zu je drei Monaten Gefängnis wegen Plünderung der jüdischen Kolonie Rosch Pinah während der Unruhen. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. — Das Berufungsgericht hat das auf sechs Monate Gefängnis lautende Urteil gegen das Mitglied der arabischen Exekutive Salim Abdel Rahman und den Derwisch Khadi, beide aus Tulkarem, bestätigt. Sie wurden wegen Aufhetzung der Menge verurteilt. In Hebron wurden zwei Araber von der Anklage, das Haus von Joseph Katel geplündert zu haben, freigesprochen. — In Haifa wurden zwei Boykott- Agitatoren zu je fünf Pfund Geldstrafe oder je 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein Haifaer arabischer Chauffeur wurde zu drei Monaten Gefängnis oder 25 Pfund Geldbuße wegen Mißhandlung eines Juden während der Unruhen verurteilt.