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Das jüdische Echo · 1929-12-20 · 51 (20.12.1929) · p. Seite 756

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
51 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
Seite 756 (sequence 8)
Language
German
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756 Das Jüdische Echo Nr. 51 gerechnet hat, keine genügenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte, zu entkräften, versuchte er auch, einen Gegenschlag zu führen und darzutun, daß die Juden die Verantwortung für die Unruhen tragen. Dieses Vorgehen Preedys fällt um so mehr auf, als er sich während der Vernehmung der arabischen Zeugen ziemlich schweigsam verhielt. Jerusalem, 12. Dezember. (JTA.) Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy richtete an Dr. Braude die Aufforderung, entweder die in seinen nach London gesandten Telegrammen gegen die Palästina-Regierung erhobenen Klagen zu erhärten oder hier vor der Kommission zu erklären, daß er die Klagen zurückziehe. Darauf erwiderte Braude: Ich kam hierher um auszusagen, nicht um zu klagen; aber wenn Sie darauf bestehen, so klage ich. Lind ich ziehe nichts zurück. Im Verlauf der weiteren Vernehmung zeigten sich auch die Mitglieder der Kommission bestrebt, bei Herrn Braude, dem ersten offiziellen zionistischen Zeugen, mindestens eine Milderung der zionistischen Beschwerden zu erreichen. Hoofien vor der Untersuchungskommission Jerusalem, 13. Dezember. (JTA.) Als zweiter zionistischer Zeuge erschien vor der Untersuchungskommission Herr Hoofien, Direktor der Anglo-Palestine Bank, der mit Dr. Braude und Dr. Horowitz in den Unruhetagen die aus Palästina abwesenden Mitglieder der Zionistischen Eekutive vertrat. Hoofien sagte zunächst über die jüdische Demonstration an der Klagemauer am Tischa b’Aw aus. Schon die Tatsache, daß Mädchen in größerer Zahl in der Prozession geschritten sind, beweise, daß die Kundgebung friedlicher Natur war. Sir Walter Shaw, der Vorsitzende der Kommission, machte auf die seltsame Tatsache aufmerksam, daß die Polizei die Regierungsämter scharf bewacht habe, obwohl dort eine Unruhe nicht zu erwarten war, aber die Prozession zur Klagemauer erlaubt hatte, obwohl diese — mag sie, wie Herr Hoofien sagt, in der Absicht harmlos gewesen sein —■ durch einen Zufall unglückliche Konsequenzen hätte haben können und sie leider auch gehabt hat. Hoofien kam dann auf die jüdisch-arabischen Wirtschaftsprobleme zu sprechen und führte aus, die Juden haben 45 Millionen Pfund nach Palästina gebracht und in der Wirtschaft des Landes investiert. Allein die zionistischen Institutionen Keren Hajessod und Keren Kajemeth haben bis jetzt 6,5 Millionen Pfund hier investiert. Aus dem Einströmen des Geldes sowie dem durch ihn bedingten wirtschaftlichen Aufschwung haben die Araber materiell Gewinn gezogen. Viel jüdisches Geld ist in arabische Hände geflossen. Die jüdische Einwanderung war also für die arabische Bevölkerung von großem Nutzen. Hier lachte der arabische Anwalt höhnisch auf. Hoofien aber fuhr fort: Die Juden haben den von ihnen in Benutzung genommenen ländlichen und städtischen Boden voll bezahlt; sie kauften den Arabern Waren ab, leisteten ihnen ansehnliche Summen Kredit u.a.m. Allein in Haifa betragen die von jüdischen Mietern an arabische Grundstückbesitzer gezahlten Mieten 55 000 Pfund jährlich. Der Anwalt der Araber, Silley, der an Stelle des wegen Krankheit abwesenden Stoker das Kreuzverhör mit Hoofien führte, führte aus, die Juden erstreben in Palästina die Errichtung eines jüdischen Staates; aus taktischen Gründen vermeiden sie es aber, dies klar zum Ausdruck zu bringen. Hoofien trat dieser Behauptung scharf entgegen. Die Juden, sagte er, wollen nichts anderes als ein jüdisches Nationalheim. Silley wies auf die am Vorabend des Tischa b’Aw in Tel-Awiw abgehaltene Versammlung hin; in der von dieser Versammlung angenommenen Resolution heißt es: „Die Klageinauer ist unsere Heilige Stätte.“ Das ist sie auch, erwiderte Hoofien in festem Tone. Silley drückte durch eine Geste aus, daß ihn diese Antwort befriedigte (vor der Kommission vertreten die Araber bekanntlich die Ansicht, daß die Juden aggressive Ansprüche auf die Klagemauer erheben). Hoofien bezweifelte es, daß viele Teilnehmer an der Prozession zur Klagemauer dem Brith Trumpeldor angehört haben, da ihm die Leitung von Brith Trumpeldor in Tel-Awiw auf seine Bitte versprochen habe, keinen Pilgerzug nach Jerusalem zu organisieren. Der Behauptung des arabischen Anwalts, daß die Zionistische Organisation den Brith Trumpeldor subsidiert, trat Hoofien mit der in festem Tone abgegebenen Erklärung entgegen, daß nicht ein Pfennig jüdischen Geldes, das nach Palästina fließt, für Propaganda in Palästina ausgegeben werde. Hoofien stellt fest, daß die Juden in Palästina pro Kopf das vierfache an Steuern leisten als die Araber. Auch sind die Juden an der Einfuhr mit 55 Prozent beteiligt. Erregte Auseinandersetzung über die Hebrongreuel Zu einer erregten Auseinandersetzung kam es, als der Anwalt der Araber, Silley, die Greuel in Hebron zur Sprache brachte und auf das von der stellvertretenden zionistischen Exekutive am 28. August nach London gesandte Telegramm hinwies, in welchem davon die Rede ist, daß den Opfern Nase, Finger und Brüste abgeschnitten wurden. Hoofien erwiderte, er persönlich habe das Telegramm nicht abgefaßt. Seine Kollegen Horowitz und Dr. Braude haben ihre Informationen aus gewiß vertrauenswürdiger Quelle, der jüdischen Gesundheitsorganisation Hadassah erhalten. Silley bestand darauf, daß Telegramme abgesandt wurden, ohne daß vorher geprüft worden war, ob die in denselben mitgeteilten Tatsachen wahr oder falsch seien. Die Verbreitung solcher Nachrichten weckten Erbitterung unter den Arabern und erschwerten die Position des Jüdischen Nationalheims oder machten sie gar unmöglich. Hoofien erwiderte, Bequemlichkeit sei nicht das Hauptziel, das die Juden in dem Nationalheim suchen. Übrigens handelt es sich nicht um Verbreitung von Nachrichten, sondern um die Erstattung eines Be-

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