Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1929-12-20 · 51 (20.12.1929) · p. Seite 754

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
51 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
Seite 754 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103083-9176143--10002-9082910
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

754 Das Jüdische Echo Nr. 51 Ain^ Nachmittag begann das Kreuzverhör mit dem Großmufti durch den Anwait der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merrirnan. Es kamen die Resolutionen der moslemitischen Konferenz 'vom Oktober 1928 betreffend den Schutz der heiligen Stätten zur Sprache. Der Mufti, der in dieser Konferenz den Vorsitz führte, hatte in seiner Ansprache ausgeführt, die Juden trachten danach, die heiligen Stätten in ihren Besitz zu bringen. In einer der gefaßten Resolutionen wird behauptet, daß der Oberstaatsanwalt Norman Bentwich die Juden in diesen ihren Bestrebungen unterstütze. Sir Boyd Merriman fragte den Mufti, ob er wirklich glaube, daß die Juden solche Absichten haben. Der Mufti erwiderte, die Resolution spreche dies deutlich genug aus. Auf eine Frage des Anwalts der Araber, Stoker, erklärte der Mufti, seiner Meinung nach könne eine Wiederholung des Blutvergießens verhindert werden, wenn die Balfour-Deklaration abgeschafft und eine nationale Regierung eingesetzt wird, die einem Parlament verantwortlich ist. Für die letzten Unruhen sei die zionistenfreundliche Politik der Regierung verantwortlich; den unmittelbaren Anstoß zu den Unruhen gab die jüdische Demonstration. Im weiteren Verlauf des Verhörs erklärte der Mufti, er glaube bestimmt, daß die Juden den Tempelhügel besetzen wollen. Als Sir Boyd Merriman wissen wollte, worauf sich dieser sein Glaube gründet, wies der Mufti ein Exemplar einer jüdischen Neujahrs-Glückwunschkarte mit dem Bilde der Omar-Moschee vor, ferner kleine Papierfähnchen, die die jüdischen Kinder am Simchat-Thora- Feste während der Hakapha (Ringprozession mit den Thorarollen) tragen, auf denen Gesetzesrollen in offener Thoralade und im Hintergrund das Bild der Klagemauer aufgemalt sind. Jerusalem, 5. Dezember. (JTA.) Die britische Untersuchungskommission hat am Mittwoch, dem 4. Dezember, am späten Vorabend, das Verhör mit dem Großmufti Haj Amin el Husseini beendet. Innerhalb der englischen Kolonie Jerusalems findet man, daß sich die Mitglieder der Untersuchungskommission als Briten viel vergeben haben, als sie sich in die Privatwohnung des Großmufti begaben. Das Kreuzverhör, dem der Anwalt der zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merrirnan, den Mufti unterzog, dauerte nicht weniger als sechs Stunden. Obwohl der Mufti fortwährend aufreizende Reden hielt, aus deren Inhalt man schließen konnte, daß er sich mit den Kreisen, die den aktiven Widerstand gegen die Regierung und das zionistische Werk predigen, solidarisiert, war aus ihm nicht ein klares Geständnis herauszubekommen, daß er durch sein Verhalten vor den Unruhen zum Ausbruch dieser Unruhen direkt beigetragen hat, wie es die Zionisten glauben. Im Gegenteil, er behauptete fest und bestimmt, daß er bemüht war, die aufgeregten Gemüter zu beruhigen und daß auch die Mitglieder des moslemitischen Obersten Rates in Gazar und Beersheba ihrerseits auf die Araber ihrer Umgebung beruhigend einwirkten. Der Mufti behauptete, daß auch den moslemitischen Führern in Haifa der Dank der Regierung für ihre Bemühungen, die Massen zu beruhigen, ausgesprochen worden ist. Der Mufti verbreitete sich in seiner Aussage weitschweifig über die Plünderung der kleinen Moschee im jüdischen Viertel von Jerusalem Sichron Moschee. Der Mufti bestritt die Autorschaft des Briefes an die Bevölkerung von Nablus, in welchem diese aufgefordert wurde, zum 23. August nach Jerusalem zu kommen und gegen die Juden zu kämpfen, und erklärte, der Brief sei eine Fälschung, worauf schon der unliterarische Stil und das schlechte Arabisch dieses Briefes hindeuten. Der Mufti hielt langatmige Ansprachen an die Mitglieder der Kommission über das angebliche seinerzeitige Versprechen der Engländer an die Araber und erklärte, daß Großbritannien die in der vom ersten High Commissioner Sir Herbert Samuel bei seiner Ankunft in Jerusalem im Juli 1920 verlesenen Botschaft des Königs von England skizzierte Politik nicht durchgeführt hat. Der Anwalt der Regierung, Kneelm Preedy, verzichtete auf ein Kreuzverhör und beschränkte sich darauf, den Mufti daran zu erinnern, daß die Regierung im Jahre 1923 den Arabern die Errichtung eines Legislative Council (Gesetzgebende Körperschaft) und einer Arab Agency analog der Jewish Agency angeboten hat und daß die Araber dieses Angebot zurückgewiesen haben. Der Mufti erwiderte, es sein ein widernatürlicher und unlogischer Versuch, zwei Nationalheime, die in Opposition und Feindschaft zueinander stehen, errichten zu wollen. Nach Beendigung des Verhörs mit dem Mufti wurden einige Mitglieder der Gesellschaft zum Schutze der moslemitischen Heiligen Stätten vernommen. Jerusalem, 6. Dezember. (JTA.) Die Untersuchungskommission nahm am Donnerstag ihre halb-öffentlichen Sitzungen im Alten Zollhause wieder auf. Der Anwalt der arabischen Exekutive, W. H. Stoker, brachte wiederum das Pamphlet „Protokolle der Weisen von Zion“ zur Sprache, das der Mufti der Kommission vorlegte und dabei seinen Glauben an die Echtheit der „Protokolle“ bekundet. Sir Boyd Merrirnan bezeichnete in der öffentlichen Sitzung nochmals die „Protokolle“ als die Nachahmung der Niederschrift eines zwischen Machiavelli und Montesquieu in der Unterwelt geführten immaginären Gespräches. Er übergab der Kommission Materialien, darunter einen Leitartikel der Londoner „Times“, in denen die Protokolle als eine plumpe Fälschung entlarvt wurden. Merrirnan legte weiter dar, daß der Text der angeblichen Korrespondenz zwischen dem früheren arabischen Herrscher Hussein und dem Engländer MacMahon, die Versprechungen an die Araber enthält, nicht — wie der Mufti behauptet — aus dem britischen Außenministerium stammen, sondern daß dieser Text aus dem Buche „Die Palästina-Täuschung“ (The Palestine Deception) des bekannten Zionisten- CONTINENTAL Schreibmaschinen das Fabrikat der Wanderer-Werke A. G Hauptvertrieb für Südbayern: Joh.Winklhofer&Söhne München 50 Telephon 73 844 :: Forstenrieder Str. E3 Reparaturen aller Systeme

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.