Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- Seite 752 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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752 Das Jüdische Echo Nr. 5 t ländern macht) oder an die letzte Verordnung des Ministeriums. Es ist die höchste Zeit, daß das preußische Kultusministerium, bzw. die preußische Staatsregierung, auf die berechtigten Interessen und Wünsche der preußischen Judenheit mehr Rücksicht nehmen als bisher. Man muß leider fes'tstellen, daß die analogen Wünsche der katholischen und evangelischen Konfession bei der preußischen Staatsregierung größeres Verständnis und raschere Berücksichtigung finden als die Forderungen der Juden. Preußen ist zweifellos ein Rechtsstaat, und im allgemeinen muß man zugeben, daß die seit mehr als zehn Jahren im Amte befindliche preußische Regierung durchaus fortschrittlich und entgegenkommend gegenüber allen berechtigten Ansprüchen der Bevölkerung ist. Um so mehr muß einen diese Ausnahmebehandlung der Juden in einer so vitalen Angelegenheit, wie in der gesetzlichen Ordnung ihrer Rechtsverhältnisse, stutzig machen. Leider muß man die Schuld an der Verzögerung der Gesetzwerdung des Entwurfes des Preußischen Landesverbandes fast restlos der Staatsregierung aufbürden. Unseres Wissens hat es seitens der Verbandsrates und der jüdischen Faktoren nicht an ernsten Bemühungen gefehlt, die preußische Staatsregierung an ihre Pflicht zu mahnen. Unbegreifliche Widerstände innerhalb der einzelnen Ressorts sind aber bisher stärker gewesen als die berechtigten Wünsche der Juden und vielleicht auch die guten Absichten der verantwortlichen Minister. Vielleicht ist es nur notwendig, zum Schmied und nicht zum Schmiedl zu gehen, d. h. die Beschwerde, daß das preußische Judengesetz noch immer nicht perfekt ist, bei den leitenden Ministern vorzubringen, damit diesem unhaltbaren Zustande eines unerträglichen Exlex- Zustandes ein Ende gemacht werde. m. w. Franz Rosenzweig gestorben Frankfurt a. M., 10. Dezember. (JTA.) In der Nacht zu Dienstag, den 10. Dezember, ist in Frankfurt a. M. der hervorragende Gelehrte Dr. phil. Franz Rosenzweig einer chronischen Erkrankung des Nervensystems erlegen. Franz Rosenzweig wurde am 25. Dezember 1886 in Kassel geboren, er ist also kaum 43 Jahre alt geworden. Er begann mit philosophischen Werken (über „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“ und über „Hegels Staatsauffassung“) und errang sich durch sein philosophisches Hauptwerk „Der Stern der Erlösung“ (Frankfurt a. M. 1921) die Beachtung der wissenschaftlichen Welt. Er wandte sich bald speziell jüdischen Dichtungsproblemen der heutigen Zeit, sowie Fragen der alttestamentlichcn Wissenschaft zu. Im Jahre 1921 erkrankte er schwer, sein Nervenleiden steigerte sich, und in seinen letzten Lebensjahren war er fast völlig gelähmt. Das schwere Siechtum hinderte ihn aber nicht, seine Arbeitspläne zu verwirklichen. In der Zeit seines Leidens übersetzte er die Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevy und entfaltete dabei eine außerordentliche sprachkünstlerische und formale Kraft. In Gemeinschaft mit Martin Buber unternahm er eine neue Übersetzung des Alten Testaments, die heute noch nicht beendet ist. 1922 erhielt er als Nachfolger von Rabbiner Dr. A. Nobel einen Lehrauftrag für jüdische Religionswissenschaft an der Frankfurter Universität. Wegen seines schweren Leidens konnte er jedoch eine Lehrtätigkeit nicht ausüben. Berlin, 13. Dezember. (JTA.) Franz Rosenzweig ist auch der Anreger der Idee zu^.Gründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Er, der den Einfluß des Alterswerkes Hermann Cohens erfuhr, schrieb in der Kriegszeit, während er im Felde stand, in Form einer Broschüre, die den Titel „Zeit ist’s“ trug, einen „Offenen Brief“ an Hermann Cohen, in welchem die Richtlinien für eine Akademie der Wissenschaft des Judentums gezeichnet waren. Diese Broschüre gab Hermann Cohen den Antrieb, an die Gründung der Akademie zu schreiten. Franz Rosenzweig wurde später Mitglied der philosophischen Kommission der Akademie und gehörte auch deren Kuratorium an. Er schrieb die große Einleitung zu den von der Akademie herausgegebenen „Jüdischen Schriften“ Hermann Cohens, mit welcher er als Deuter und großer Kommentator des Hauptes der Marburger Philosophenschule hervortrat. Berlin, 15. Dezember. (JTA.) Im „Berliner Tageblatt“ schildert H. G. das Heldenleben des vor einigen Tagen in Frankfurt a. M. im 43. Lebensjahre verstorbenen jüdischen Religionsphilosophen Dr. Franz Rosenzweig. Viele kennen seine Schriften, erinnern sich daran, daß sie aufhorchten, als seine Erstlingswerke erschienen^ Sein Sprachgefühl und seine rhythmische Sprachgestaltung waren außerordentlich. Aber nur ganz wenige wissen, welch unerhört heroisches Leben dieser mit 43 Jahren Gestorbene geführt hat, welch nahezu unglaublich gigantenhaften Kampf hier ein gewaltiger Geist gegen einen völlig siechen Körper bis zum letzten Tage der endlichen Auflösung geführt hat. Franz Rosenzweig wurde als Folge einer schweren Kopfgrippe von einer rapid fortschreitenden Lähmung überfallen, die ein Glied seines Körpers nach dem anderen außer Gefecht setzte. Stück für Stück starb dieser Körper ab, ohne daß der wunderbare Geist in ihm sich beirren und entmutigen ließ. In den letzten Jahren war der Lähmungsprozeß so weit fortgeschritten, daß Franz Rosenzweig nur noch eine einzige Verständigungsmöglichkeit mit seiner nicht minder heroischen Frau und Mitarbeiterin besaß; sie bediente eine eigens für ihn konstruierte Schreibmaschine und erriet an dem Blick seines Auges — nachdem auch ein letztes Fingerglied, das noch zur pantomimischen Verständigung gedient hatte, versagte — welchen Buchstaben er angab. Aus diesen mehr instinkthaft erratenen Buchstaben formte sich ein Wort und reihte sich Satz an Satz zu den wundervollen Übersetzungen, in denen Rosenzweig den erhabenen Rhythmus des hebräischen Urtextes der Bibel in deutscher Sprache einzufangen und wiederzugeben suchte. Die jüdische Welt hat sehr viel in Franz Rosenzweig, der eine starke Hoffnung war, verloren, die gesamte geistige Welt einen Bruder und Kämpfer, zu dem aufzuschauen und an dem sich ermutigen schon allein bedeutet, sich vor der Kraft und Stärke der menschlichen Seele als göttlichem Funken zu neigen. Cafe Wintergarten Franz Schnabel Vollständig renoviert (m. Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags-Konzert / Äbend Tanz Kapelle Josd Zangelas Zivile Preise / Kein Weinzwang / Kein Eintritt Tassen und Portionen Kaffee werden verabreicht