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Das jüdische Echo · 1929-12-13 · 50 (13.12.1929) · p. Seite 743

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
50 (13.12.1929)
Date
1929-12-13
Page
Seite 743 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 743 Sozialisten, meist auf Kosten der Deutschnationalen, große Fortschritte erzielt. Im Münchener Stadtrat haben sie ihre Sitze von 6 auf 8 vermehrt. Auch in Augsburg, Würzburg und in anderen Orten haben die Hitlerleute ihre Sitze vermehren können, ln Bayreuth errangen sie 9 (bisher 0), in Pirmasens 10 (bisher 2) Stadtratmandate. In Koburg haben sie trotz ihrer offenkundigen Mißwirtschaft, ihren Besetzstand von 13 Mandaten gewahrt, und .verfügen somit auch weiter über die absolute Majorität im Stadtrat. Auch in Nürnberg konnten die Nationalsozialisten ihren Besitzstand von 5 auf 8 Sitze vermehren. Von bekannten bayerischen Sommerfrischen und Fremdenplätzen haben Nationalsozialisten gewählt: Berchtesgaden 2 (0), Dinkelsbühl 2 (1), Rothenburg 3(0), Kissingen 2 (wie bisher), Lichtenfels 3 (0). In Garmisch-Partenkirchen dagegen sind die Hitlerianer vollkommen ausgefallen. Das Wahlergebnis ist in den meisten Fällen durch lokale Umstände bedingt; doch ist im allgemeinen festzustellen, daß die Nationalsozialisten fast überall Stimmen gewonnen haben, die zum größten Teil den Deutschnationalen verloren gingen. Inwieweit das Vordringen der Nationalsozialisten für die Praxis der Kommunalverwaltungen Bedeutung erlangt, wird sich erst zeigen, wenn sich feste Mehrheiten herausgebildet haben, die vielerorts sowohl mit rechts als mit links möglich sind. Nationalsozialisten überfallen jüdische Einwohner in Altenburg Berlin, 4. Dezember. (JTA.) Das sozialdemokratische Hauptorgan „Vorwärts“ teilt unter der Überschrift „Pogrom in Altenburg“ mit: „Im Anschluß an eine Werbeveranstaltung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei kam es in Altenburg verschiedentlich zu Schlägereien. In der Wallstraße überfiel ein Trupp Nationalsozialisten eine Anzahl jüdischer Bewohner und mißhandelte sie. An der Ecke der Berg- und Frauengasse wurden von den Nationalsozialisten einige Reichsbannerleute geschlagen. Die Angegriffenen haben teilweise nicht unerhebliche Verletzungen davongetragen. Die Täter haben sich bisher nicht ermitteln lassen. Die durch die Vorkommnisse erregten Bewohner und Straßenpassanten konnten nur durch energisches Eingreifen der Polizeit davon abgehalten werden, auf die Nationalsozialisten einzudringen.“ Zum Schluß bemerkt der „Vorwärts“: „Die Polizei von Altenburg hat also die Rowdies geschützt und derweil die Täter laufen lassen. Das ist eine seltsame Auffassung der Aufgaben der OrdnungSQolizei.“ Mildes Urteil gegen die Urheber der Berliner Universitätskrawalle Berlin, 5. Dezember. (JTA.) Der Senat der Berliner Universität verhandelte am 4. Dezember abends unter dem Vorsitz des Rektors Erhard Schmidt in dem Disziplinarverfahren gegen die Vorstandsmitglieder der „Allgemeinen Deutschen Studentenschaft“, die für die Absendung eines respektlosen Ultimatums an den Rektor und für die daraufgefolgten stark antisemitisch betont gewesenen Krawalle in dem Gebäude der Universität Unter den Linden verantwortlich sind. Das Urteil fiel sehr milde aus. Die Studentin von Ploetz wurde mit der Unterschrift unter das Consilium abeundi (Androhung der Entfernung von der Universität) bestraft. Das Verfahren gegen das Vorstandsmitglied Busse ist eingestellt worden, da man ihm nicht nachweisen konnte, daß er von dem an den Rektor gerichteten Ultimatum Kenntnis hatte. Der stud. jur. Hoppe, der erste Vorsitzende der Allgemeinen deutschen Studentenschaft, konnte nicht zur Verantwortung gezogen werden, da er nicht mehr Mitglied der Universität ist (sein Reimmatrikulierungsgesuch wurde wegen Mangels an Fleiß seitens des Ansuchenden abschlägig beschieden). Die „Vossische Zeitung“ tadelt das milde Urteil und bezweifelt, daß die Entscheidung des Senats geeignet ist, für die Zukunft ähnliche Vorgänge zu verhindern. 30. Stiftungsfest der Breslauer KJV.- Verbindungen Breslau, 3. Dezember. (JTA.) Hier fand das 30jährige Jubiläum der Breslauer zionistischen Studentenverbindungen „Hasmonäa“ und „Zephira“ im Kartell jüdischer Verbindungen statt, die aus dem im Jahre 1899, also zwei Jahre nach dem ersten Zionistenkongreß gegründeten „Verein jüdischer Studenten“ (VJSt.) hervorgegangen sind und die der Bewegung als die Zweitälteste zionistische Korporation in Deutschland eine große Reihe ihrer geistigen Führer gegeben haben. 25 Jahre Israelitischer Gemeindebund in der Schweiz Basel, 6. Dezember. (JTA.) Der schweizerische Israelitische Gemeindebund beging in diesen Tagen das Jubiläum seines 25jährigen Bestehens. Am 27. November 1904 fand in Baden (Schweiz) die konstituierende Versammlung des Gemeindebundes statt, auf der 14 Gemeinden durch 27 Delegierte vertreten waren. Hervorgegangen aus dem damaligen gemeinsamen Bestreben nach Beseitigung des Sclüichtverbotes, setzte sich der Bund zum Ziele, „die allgemeinen Interessen des Judentums in der Schweiz zu wahren und zu vertreten“. Ein Pogrom in der russisch-chinesischen Kriegszone Moskau, 2. Dezember. (JTA.) In Moskau trafen Meldungen ein, wonach in der Stadt Mandschuli, die bis vor wenigen Tagen in der russisch-chinesischen Kriegszone lag, Offiziere und Soldaten der auf der Seite Chinas gegen Sowjetrußland kämpfenden russischen weißen Garde einen Pogrom auf die Juden der Stadt veranstaltet haben, wobei es zahlreiche jüdische Tote gab. Der Pogrom fand unmittelbar vor Abzug der chinesischen Streitkräfte und Einzug der Sowjetrussen statt. Die jüdischen Wohnungen wurden geplündert, auch jüdische Frauen und Jugendliche wurden bei den grausamen Mißhandlungen nicht verschont. Das Klagemauerproblem vor dem Völkerbundsrat L ondon, 9. Dezember. (JTA.) Lord Lugard, das britische Mitglied der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, hielt im parlamentarischen Völkerbundskomitee einen Vortrag, in dessen Verlauf er über das Klagemauerproblem ausführte: Im Palästinamandat ist eine Sonderkommission für die heiligen Stätten vorgesehen, die aber wegen Differenzen zwischen Mitgliedern des Völkerbundsrates nie ernannt worden ist. Die britische Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter HANS FÜRST

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