Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 50 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- Seite 742 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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742 Das Jüdische Echo Nr. 50 Jerusalem, 3. Dezember. (JTA.) Chajim Macleff, der einzige Überlebende der beim arabischen^ Angriff auf Moza abgesclilachteten jüdischen Familie Macleff, wurde verhaftet, nachdem er, von dem Untersuchungsrichter vernommen, von selbst gestand, daß er einen der arabischen Mörder seiner Familie geschlagen hatte. Chajim Macleff wurde gegen eine Geldbürgschaft vorläufig aus der Haft entlassen. Zwei jüdische junge Mädchen I31uma Marbaum und Chaja Lipson, die vor kurzem in Haifa unter der Beschuldigung, kommunistische Proklamationen verteilt zu haben, verhaftet worden waren, wurden zu vier Monaten Gefängnis und Landesverweisung nach Strafverbüßung verurteilt. Ein kommunistisches Mitglied der Assefath Haniwcharim verhaftet Jerusalem, 9. Dezember. (JTA.) Isaac Chofschi, das einzige kommunistische Mitglied der jüdischen Nationalversammlung Palästinas (Assefath Haniwcharim), der in Tel Awiw lebt, erhielt den Befehl, sich für die Dauer eines Jahres unter polizeilicher Aufsicht in Tiberias aufzuhalten und ferner 60 Pfund als Bürgschaft für gutes Betragen zu erlegen. Als Chofschi sich weigerte, diesem Befehl Folge zu leisten, wurde er verhaftet und in das Gefängnis von Acco eingeliefert. — Bekanntlich ist die Regierung auch gegen den Jaffaer arabischen Kommunistenführer Hamdi el Husseini in ähnlicher Weise vorgegangen, indem sie ihn nach Nazareth verbannte. „El Yarmuk“ wegen Aufhetzung verboten Jerusalem, 9. Dezember. (JTA.) „El Yarmuk“, das Haifaer Organ des Obersten Moslemitischen Rates, würde wegen Veröffentlichung aufreizender Artikel verboten. Bekanntlich hat die Regierung vor einigen Tagen allen Zeitungsredaktionen Palästinas eine Warnung zugehen lassen, kein aufreizendes Material zu bringen, da sonst die Zeitungen unnachsichtig dem Verbot verfallen werden. Androhung einer Pressezensur in Palästina Jerusalem, 6. Dezember. (JTA.) Der Polizeidirektor von Palästina ließ im Namen des Oberkoimnissars den Zeitungsredaktionen eine Warnung zugehen, daß für den Fall, daß weiterhin Nachrichten und Aufsätze provokatorischen Charakters veröffentlicht werden, eine Presse-Vorzenzur eingeführt werden wird. Die Regierung, heißt es in der Mitteilung, darf so scharf als möglich kritisert werden, aber es muß alles vermieden werden, was geeignet wäre, Feindschaft zwischen Arabern und Juden zu säen. Weitere arabische Anschläge Jerusalem, 9. Dezember. (JTA.) Auf die Nachtwächter der jüdischen Kolonie Balfouria im Tale Jezreel wurden in der Nacht von unerkannt gebliebenen Tätern Schüsse abgegeben, die aber keinen trafen. In Jaffa wurde ein yemenitischer Jude in später Abendstunde von einem unbekannten Täter durch Messerstiche schwer verletzt. Jerusalem, 5. Dezember. (JTA.) Auf den Sonderkorrespondenten der palästinensisch-hebräischen Tageszeitung „Dawar“, Organs der Ar- I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten .KostUmstlckareien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 beiterparteien, Tobias Aschkenasi, der einige Tage in Transjordaniens Hauptstadt Aman geweilt und zuerst vom transjordanischen Ministerpräsidenten und dann vom Emir Abdulla empfangen wurde, die sich mit ihm über die arabisch-jüdische Frage unterhielten, wurden, als er den Palast des Emirs verließ, mehrere Schüsse aus dem Hinterhalt abgegeben. Der Korrespondent blieb unverletzt, verließ aber sofort Transj'ordanien. In Haifa wurde ein englischer Soldat in Zivilkleidung durch arabische junge Leute unter Rufen „Schlagt den Juden“ überfallen und schwer mißhandelt. Der Soldat wurde in erheblich verletztem Zustande in das Hospital gebracht. Zwei Araber wurden als der Teilnahme am Überfall verdächtigt, verhaftet. Jerusalem, 4. Dezember. (JTA.) Arabische Boykottagitatoren beschimpften und bedrohten zwei arabische Polizisten, die einen jüdischen Laden in der Altstadt betraten. Es sammelte sich eine aufgeregte Menge, die schon Anstalten traf, die Polizisten anzugreifen, als eine größere Polizeitruppe herankam und die Menge auseinandertrieb. Ein Abkommen zwischen Regierung und Haifaer jüdischem Arbeiterrat über die Steinbrucharbeiten in Athlit Jerusalem, 8. Dezember. (JTA.) Zwischen dem jüdischen Arbeiterrat in Haifa und dem Arbeitsdepartement der Regierung wurde ein Abkommen getroffen, laut welchem der Arbeiterrat die Durchführung der Bohr-, Spreng- und sonstigen Steinbrucharbeiten, sowie die Verladung der Steine im Steinbruch von Athlit zwecks Verwendung beim Haifaer Hafenbau übernimmt. Es wurde eine vorläufige Lohnskala für zwei Monate festgesetzt; bei fortschreitender Arbeit wird eine endgültige Lohnfestsetzung unter Berücksichtigung der verschiedenen Lebensstandards der jüdischen und der arabischen Arbeiter erfolgen. „Haarez“ und „Doar Hayom“ erscheinen zweimal täglich Jerusalem, 8. Dezember. (JTA.) Die hebräischen Tageszeitungen „Haarez“ in Tel Awiw und „Doar Hayom“ in Jerusalem erscheinen von jetzt ab zweimal täglich. Die Palästinaregierung genehmigte die Statuten der vor kurzem gegründeten neuen Araber- Partei, die den Namen „Arabische Reform-Partei“ trägt. Aus der jüdischen Welt Wahlerfolge der Nationalsozialisten in Thüringen und in Bayern München, 9. Dezember. Bei den am gestrigen Sonntag im Lande Thüringen durchgeführten Wahlen zum Landtag konnten die Nationalsozialisten ihre Stimmen und ihre Mandate verdreifachen. Während bei den Landtagswahlen im Jahre 1927 auf die Listen der Nationalsozialisten rund 28 000 und bei den Reichstagswahlen 1926 rund 30 000 Stimmen abgegeben wurden, hatte die Hitlerpartei gestern über 90 000 Stimmen auf ihre Listen vereinigt. Ihre Mandate im Landtag erhöhten sich von 2 auf 6. Sollte eine ausgesprochene Rechtsregierung gebildet werden, so würde sie unter dem Diktat der Nationalsozialisten stehen. Bei den am gestrigen Sonntag in Bayern durchgeführten Gemeinderatswahlen haben die National-