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Das jüdische Echo · 1929-12-13 · 50 (13.12.1929) · p. Seite 744

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
50 (13.12.1929)
Date
1929-12-13
Page
Seite 744 (sequence 15)
Language
German
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744 Das Jüdische Echo Nr. 50 Regierung hat deswegen die Kommission ersucht, ein Komitee zur Untersuchung der Frage der Klagemauer ad hoc zu ernennen. Die Kommission beschloß, den britischen Vorschlag über -die Bildung eines speziellen Klagemauer-Komitees dem Völkerbundsrat, der am Iß. Januar in Genf Zusammentritt, zu überweisen. Britische Parlamentsmitglieder bilden ein Pro- Arabisches Komitee London, (>. Dezember. (JTA.) Mitglieder des Parlaments wurden zu einer am 12. Dezember in einem Raume des Unterhauses stattfindenden Zusammenkunft eingeladen, in der der in London weilende Sekretär der Arabischen Exekutive und des Obersten Moslemilischen Rates Palästinas, Jamal el Husseini, über die Lage der Araber in Palästina referieren wird. Die Einladung ist unterzeichnet von Earl Ilowe, Viscount Templetown, General-Major Sir Alfred Enox, Colonel Howard-Bury, Admiral Beamish, John Reiner, Captain Bennelt. Mitglieder aller Parteien des Unter- und Oberhauses wurden zu dfcr Zusammenkunft eingeladen. Wie „Morning Post“ mitteilt, beabsichtigen die Kreise, die zur Aussprache mit Jamal Husseini einladen, ein Komitee zur „angemessenen Vertretung des arabischen Falles“ zu begründen. Gemeinden-u. Vereins-Echo Konzert des Jüdischen Gesangvereins München Der 'Jüdische Gesangverein München hatte am 7. Dezember 1929 ein Konzert im Odeon, bei dem er eine immerhin nicht unbeträchtliche Zahl seiner Freunde begrüßen konnte. Die Namen der mitwirkenden Solisten bürgten für technisch einwandfreie Leistungen: Herma Studeny (Geige), Max Büttner (Harfe), Oberkantor Neu (Tenor), Heinrich S c h a 1 i t (Orgel und Klavier). Josef Ziegler leitete den Abend mit gewohntem Feuer. Der Chor, von dem ja bekannt war, daß er — insbesondere in den Frauenstimmen — gutes Material besitzt, wußte dies eindrucksvoll zu Gehör zu bringen. Vielleicht hätten manche, besonders polyphone Stellen rhythmisch noch ein wenig schärfer gebracht werden können, vieleicht auch hätte die Aussprache der Mitlaute etwas deutlicher sein können — trotzdem war man über einen für einen Liebhaberchor auffallenden Wohllaut und über die reine Tongebung auch in dem sehr schwierigen S c h a 1 i t sehen Stück erstaunt. Die Vortragsfolge brachte als erstes eine Keduschah von Salomone R o s s i „Ebreo“, einem Mantuaner jüdischen Komponisten, dessen Hauptwerke zu Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden, ein nicht sehr bedeutendes Stück im Stil des italienischen Madrigals. — Dann folgten drei chassidische Stimmungen von Ernest Bloch, von Frau Studeny mit virtuoser Technik teilweise auswendig vorgetragen. Von dem inneren Wert dieser Musik konnte sich der Berichterstatter nicht überzeugen. Herr S c h a 1 i t gegleitete am Klavier, den Absichten der Geigerin folgend. — Das wesentlichste Stück des Abends, das allein schon den Besuch lohnend machte, war S c h a - Deutsche Neuwäscherei G. FELIX BRANDNKR - MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt nur Herren-Stärkwäsche Annahmestelle auch Jägerstr. 16 / Augsburg A. 432 vord. Lech lits Hymnus „Jisrael lo jischbot mihejot goi“ auf Worte von Jehuda H a 11 e w i. Das Werk zeigt die besondere Kunst S c h a 1 i t s, Stileigentümlichkeiten etwa des frühen Mittelalters (Fünftonleiter, häufige leere Quinten, Quartengänge u. dgl.) in sein Schaffen zu verweben, o h n e den Eindruck bewußten Archaisierens zu erwekken. Seine Werke haben daher den seltsamen Glanz alter frühgotischer Weisen ( J o s q u i n , Choral) und bedienen sich doch des gleißenden Gewands zeitgenössischer Satzkunst. Der Hymnus ist ein besonders schönes, blutvolles Werk, in einsamer Schönheit schreitend, künstlich und nicht gekünstelt. Die Wiedergabe war gut, mit dem Komponisten an der Orgel, Herrn Büttner an der Harfe; Frau Studeny spielte die Sologeige; ein Geigenchor aus ihrer Schule wirkte mit. Ob sich nicht ebenso viele und ebenso gute jüdische Geiger hätten finden lassen? Der Berichterstatter weiß, daß sich mehrere jüdische Geiger eine Ehre daraus gemacht hätten, bei der hebräischen Uraufführung von S c h a 1 i t s Werk mitzuwirken. — Alsdann brachte Herr Neu, von Herrn Ziegler an der Orgel begleitet, zwei kantorale Stücke „Elochai neschamah“ und „RezelT, sowie als Dreingabe „Elijahu hannawi“ mit schöner Stimme und sicherem Vortrag. Den Schluß bildete ein „Lechah dodi“ von S. Almau, ein musikalisch recht anspruchloses Stück, a cappella mit Kantor, zwar recht brav gesungen, aber besser ein gutes Werk in mittelmäßiger Wiedergabe, als ein mittelmäßiges in guter. — Im ganzen ein besonders durch S c h a 1 i t s Stück erfreulicher Abend, der zeigte, daß im Gesangverein gute Arbeit geleistet wird und daß wir uns auch von den weiteren Veranstaltungen einigen Gewinn erwarten können. Heinrich Lamm. Der Tempel Salomos Im Rahmen der Lehrkurse der Gemeinde sprach Herr Prof. Dr. Hülsen über „Baudenkmäler der Bibel“, und zwar am ersten Abend über „Den Turm von Babel und seine Rekonstruktion nach neuen Ausgrabungen“. Die Ausgrabungen deutscher und anderer Archäologen im alten Babylonien und Assyrien während der letzten Jahrzehnte bis vor zwei Jahren haben ein überraschendes Licht auf die Architektur im alten Orient und auch auf die Berichte der Bibel darüber geworfen. Mit Hilfe zahlreicher Lichtbilder wurde den Zuhörern das Wesen dieser Lehmziegelbauten, ihrer Anlage und Ausstattung klar gemacht. Der aus der Bibel bekannte Turm von Babel war ein riesiger Stufenbau mit größerer Basis als bei den Gebäuden, die wir Turm nennen. Die Ruinen dieses Baues hat man ausgegraben; nur ist noch nicht ganz sicher, ob der Turm in der Stadt Nebukadnezars oder ein zwei Stunden davon entfernter ähnlicher Bau dem biblischen entspricht. Die Berichte des Talmuds und des jüdischen Reisenden Benjamin von Tudela sprechen für den zweiten. Jedenfalls kann man bei Betrachtung dieser mächtigen Architektur, die aus dem zur Verfügung stehenden Material das letztmögliche schuf, verstehen, welchen Eindruck sie auf die Menschen der alten Zeit machte und daß sie die Phantasie zu Erzählungen wie in der Bibel anregte. Eine hochentwickelte, verfeinerte Kultur war es, von der sich die Juden in Babylonien und Ägypten losrissen, um ihrer eigenen Kulturaufgabe zu leben, einer Kultur, die unserer heutigen sehr ähnlich ist, wie der Vortragende zum Schluß auch auf überraschende Gemeinsamkeiten

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