Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 50 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- Seite 740 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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740 Das Jüdische Echo Nr. 50 und darf sich nicht beklagen darüber, daß ihr nun tatsächlich teilweise die Gefolgschaft verweigert wurde; wer Burgfrieden verlangt, darf ihn nicht selbst brechen, wollte man Streitigkeiten über außenpolitische Fragen vermeiden, dann durfte man nicht selbst offiziell Stellung dazu nehmen — oder nicht in solch einseitigem Sinn, wie die Redaktion der ,.Jüdischen Rundschau“. Man soll dem nun nicht entgegenhalten, daß die Spalten der Rundschau auch anderen Anschauungen offengestanden haben; das war zwar der Fall und, wie zugegeben werden darf, in nicht geringem Maß, aber dies ändert doch nichts an der Tatsache, daß die anderen Anschauungen, die vertreten wurden, als persönliche Anschauungen einzelner gelten müssen, während die offiziellen Auslassungen der Redaktion von innen und außen als maßgebend für den gesamten deutschen Zionismus betrachtet werden, aber von großen Teilen eben dieses deutschen Zionismus (Herr l)r. Liebstädter erwähnt z. B. in seinem Artikel nicht einmal den Misrachi, der ebenfalls gegen die Haltung der „Jüdischen Rundschau“ Stellung genommen hat!) nicht gedeckt werden können. Man soll erst recht nicht sagen, daß für die Äußerungen der Redaktion der „Jüdischen Rundschau“ Herr B 1 u m e n f e 1 d nicht verantwortlich gemacht werden könne: So wenig der (hmtsehe Reichskanzler erklären kann, er sei nicht mit den politischen Forderungen seines Außenministers (unverstanden, so wenig kann dies Herr Blumenfeld bezüglich der Haltung der Rundschau-Redaktion; er tut es ja auch in Wirklichkeit nicht und er muß sich eine Identifikation daher auch dann gefallen lassen, wenn sie ihm unangenehm ist; ob er nicht die Möglichkeit gehabt hätte, durch eine andere Haltung die Entstehung einer Opposition im deutschen allgemeinen Zionismus und den anderen Gruppen des deutschen Zionismus zu verhindern, bleibe dahingestellt; da er jedoch es ebenso, wie die Rundschau-Redaktion und die Mehrheit des Landesvorstandes für erforderlich gehalten hat, im Moment nach dem Ausbruch der Unruhen in Palästina nicht nur die Herbeiführung der Ruhe und eines jüdischen Schutzes, sondern z. B. auch Garantien für die Entwicklung der Araber zu verlangen — in einem Augenblick, wo noch zu befürchten war, daß die Araber alles kurz und klein schlagen würden — und eine besondere erzieherische Wirksamkeit gegenüber den Zionisten in Palästina und der Galuth zu entfalten (Rundschau vom HO. August 1929), scheinen auch ihm diese Fragen alles andere als peripherer oder gar sekundärer Natur zu sein. Wenn darnach noch behauptet wird, daß zwischen ihm und der Opposition in Wirklichkeit gar keine Differenzen bestünden, daß deren Entstehungsgrund nur in persönlichen Zwistigkeiten zu suchen wäre, so muß man das zumindest als eine merkwürdige Verkennung der Sachlage bezeichnen. Es ist also nicht richtig, Loyalität in allen Gruppen vorausgesetzt, daß die praktische zionistische Arbeit unter den Verhältnissen Schaden leiden müsse B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menageu. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Fernruf Nr. 90939 Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 und es nützt auch nichts, das Recht zur Opposition zu bestreiten und, wo es wirklich um grundsätzliche Fragen der zukünftigen Arbeit geht, nur persönliche Zwistigkeiten sehen zu wollen. Im Gegenteil: Die Streitigkeiten sollen ausgetragen werden so bald als möglich und so loyal als möglich, damit die praktische Arbeit unter Ausschaltung aller Reibungsmomente verstärkt aufgenommen werden kann. Gerade Blumenfeld hat ja aus solchen Gründen die Abhaltung des Delegiertentages verlangt und dafür muß ihm jeder Dank wissen. Was nun die Probleme selbst anlangl, die in diesem Wahlkampf behandelt werden, so kann hier ausführlich nicht auf sie eingegangen werden, auch nicht auf dig, praktischen Forderungen der Opposition. Ein Hinweis möge genügen: Man sagt, die Opposition werfe Blumenfeld und Weltseh Defaitism u s vor und bezweifle ihre zionistische Zuverlässigkeit; dieses Verhalten bezeichnet man, da doch beides bei solchen Männern ganz außer Frage siehe, als Illoyalität. Aber nicht dies ist cs, was die Opposition in Wirklichkeit auszusetzen hat; sie hat die starke Empfindung und kann es in vielen Einzelheiten auch nachweisen, daß das Resultat der Methoden, die von Blumenfeld und Welt sch vorgeschlagen werden, so z. B. in der Araberpolitik, die Haltung in der Klagemauerfrage, die aktive jüdische Tätigkeit für Schaffung eines Parlaments in Palästina, die Formulierung der zionistischen Ziele nur eine Abschwächung des zionistischen Willens innerhalb großer Teile der zionistischen Bewegung sein kann, eine Empfindung, die z. B. von nahezu allen Parteien des Jischuws in Palästina geteilt wird, was doch zu denken geben sollte. Diese Empfindung wird noch verstärkt, wenn man sieht, zu welchen Konsequenzen die angebliche „Realpolitik“ der Rundschau bei anderen führt, die von den gleichen geistigen Grundlagen ausgehen, wie etwa Buber und Weltsch und die ebenso zweifellos wie diese auch die besten Absichten für den Zionismus hegen. So wendet sich ein Mann wie Hugo Bergmann gegen die zionistische Forderung nach besonderer Berücksichtigung der jüdischen Arbeit, überhaupt gegen jede aktive Unterstützung der Aufbauarbeit durcii die Regierung, weil er das für eine Benachteiligung der Araber hält, die wir aus Gründen der Gerechtigkeit nicht dulden und verlangen dürften, Und Bergmann glaubt das tun zu müssen und er ist sicher auch davon überzeugt, daß nur dies den Frieden in Palästina herbeiführen könne. Von der Anschauung Magnes’, daß man unter Umständen besser daran tue, die Aufbauarbeit nicht weiter zu führen, braucht man gar nicht erst zu reden — auch er ist zweifellos seinen Absichten nach ein ausgezeichneter Zionist. Und dies ist das Entscheidende: Wer sieht, wohin der Weg führen muß, den die Mehrheit der deutschen Zionisten unter Führung von Blumenfeld und Weltsch einzuschlagen beginnt, der hat sich zu besinnen, ob er diese Straße zionistischer Politik weiterwandern kann, der hat sich zu überlegen, ob diese zionistische Praxis noch dem Sinn der zionistischen Forderung entspricht. Es kommt dabei gar nicht auf die „feierliche Proklamation von Sehnsuchtszielen“, aber allerdings darauf an, nicht als Zionismus auszugeben, was nicht mehr Zionismus sein kann (siehe Bergmann); es kommt sehr darauf an, dem Zionismus die Freundschaft und Sympathie der zivilisierten Welt zu sichern, wie Blumenfeld und Weltsch immer mit Nachdruck verlangen — wer wäre so töricht, dies nicht zu tun? —, aber es kommt ebensosehr darauf an, einer politischen Konzeption des Zionismus diese Freundschaft zu erwerben und nicht dieser zu erstrebenden Freundschaft wegen