Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 50 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- Seite 738 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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738 Das Jüdische Echo Nr. 50 nispolitik, die in ihren Konsequenzen allein Keren Hajessod und Jewisli Agency ermöglichte, hat sich wahrlich nie darauf beschränkt, Ideen zu proklamieren, er war immer auch der tatkräftigste und aufopferndste Diener dieser Ideen, ohne die, wie man ruhig aussprechen kann, der moderne Zionismus nicht denkbar wäre. Niemand, das hat die letzte Sitzung des Landesvorstandes gezeigt, verkennt auch, daß die Durchführung eines Delegiertentages und der damit verbundene Wahlkampf, der uns zwingt, gerade jetzt, wo die Zeit drängt, unsere Kräfte nach i n n e n und nicht nach auße n zu wenden, eine schwere Schädigung unserer eigentlichen Aufgaben und damit unserer Leistungskraft für Palästina zur Folge haben muß. Man müßte also annehmen, daß es Gründe allerersten Ranges sind, die die Opposition in unseren Reihen veranlaßt haben, auf sofortige Einberufung eines außerordentlichen Delegiertentages anzutragen. Nicht ohne ein Gefühl der Beschämung muß man demgegenüber feststellen, daß diese Gründe, wenn anders sie die wahre Ursache und nicht den bloßen Anlaß zu dieser „Revolte“ darstellen sollen, völlig zweitrangiger Natur für den Zionismus in Deutschland sind. Die von Kollenscher geführte Gruppe behauptet, daß sie mit der von der ZVfD. betriebenen Araberpolitik, wie sie in der „Jüdischen Rundschau“ ihren Niederschlag gefunden habe, nicht übereinstimmen und daher diese Politik nicht decken könne. Die „radikalen“ Zionisten, also die Anhänger Goldmanns, gehen nicht einmal soweit, diese Politik in ihren Grundzügen für falsch zu halten; sie bemängeln lediglich gewisse N u a nc e n der Artikel und der Berichterstattung in der „Jüdischen Rundschau“, von der sie eine „mutigere“, kräftigere Sprache und Einstellung wünschen. Es soll in diesem Artikel vermieden werden, zu diesen Differenzen Stellung zu nehmen. Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß man in bezug auf die Araberpolitik, wie sie die „Rundschau“, d. h. ihr Redakteur W e 11 s c h inauguriert, verschiedene Meinungen vertreten kann. Es wird überhaupt wenig politische Fragen geben, auf die man die Gesamtheit aller Zionisten eindeutig festlegen könnte, ebensowenig, wie diese Möglichkeit sonst in der Welt für die politischen Parteien gegeben ist. Die Vertrauensfrage pflegt man aber einem Kabinett in politisch geschulten Ländern nur dann zu stellen, wenn es sich um Differenzen handelt, die von einschneidender, unmittelbarer Bedeutung für eine konkrete Situation sind. Ist man mit der Araberpolitik der Exekutive in der Mehrheit der Weltorganisation so unzufrieden, daß man eine Gefährdung unseres zionistischen Zieles in ihr zu erblicken vermeint, so mag die Einberufung eines außerordentlichen Kongresses am Platze sein; denn Sache der Exekutive in London ist es tatsächlich, den Zionismus vor der Welt und vor den Arabern zu vertreten. Ist man aber selbst der Ansicht, daß die „Jüdische Rundschau“ unter Billigung der ZVfD. ein falsches Bild von den Ereignissen im Lande gebe und die Araberfrage unrichtig beurteile, so kann dies wahrlich bei verständiger Abwägung aller Umstände nicht in diesen entscheidenden Tagen Anlaß dazu geben, die Außenarbeit, die Konsolidierung der Jewisli Agency in Deutschland, die Werbung für unsere Idee, kurz alle positive Tätigkeit abzublasen für einen Wahlkampf, von dem heute schon gesagt werden kann, daß er dann die unheilvollste Wirkung ausüben müßte, wenn die Opposition siegen würde. Die beste und verständnisvollste Araberpolitik der „Jüdischen Rundschau“ ist nichts, verglichen mit dem Schaden, den der Fortfall so unentbehrlicher Arbeitskräfte in der Arbeit im deutschen Zionismus mit sich bringen müßte, also insbesondere Blumenfelds, der übrigens durch seine bisherige Führerleistung immerhin gezeigt hat, daß er politische Zusammenhänge so gut zu beurteilen vermag wie seine Gegner, die, z. B. Goldmann, die Agency bis zum letzten Moment vor ihrem Zusammentritte bekämpft und gerade wegen der Agency sich vom Gros der allgemeinen Zionisten separiert haben. Damit ist nicht gesagt, daß angesichts der oben skizzierten vordringlichen Aufgaben im deutschen Zionismus jede Opposition zu schweigen habe. Wir sind aber überzeugt, daß eine loyale Opposition ■— und wo sollte sie sich finden, wenn nicht bei uns — genügend Möglichkeiten gehabt hätte, ihren abweichenden Standpunkt mit aller Schärfe nach innen und außen hin zum Ausdruck zu bringen. Die Spalten der „Rundschau“ haben wahrlich nicht nur dem Redakteur für seine Leitartikel zur Verfügung gestanden. Zahlreiche, nach Ton und Inhalt scharfe Protestkundgebungen von einzelnen Zionisten und von oppositionellen Gruppen sind an hervorragender Stelle dort veröffentlicht worden. Und dem ist durchaus gut so. Es braucht keineswegs der Anschein erweckt zu werden, als seien wir alle und in allen Fragen einer Meinung. Wir sind es nicht und haben es doch immer verstanden, weltanschauliche Differenzen, die wahrlich schwerwiegender sind als Probleme reiner Politik, unter uns zu erledigen, solange wir die zionistische Zuverlässigkeit der Opposition bejahten. Das also ist das Entscheidende; Die Opposition, aus den heterogensten Elementen zusammengesetzt, läßt durch die illoyale Art ihres Vorgehens den Eindruck entstehen, als sei die Leitung des deutschen Zionismus zionistisch minderwertig, als verzichte sie auf immanente Bestandteile unserer Ideologie. Es ist der Vorwurf des Defaitismus, der Blumenfeld und Weltsch gemacht wird und der allerdings, wenn er auch nur im leisesten gerechtfertigt wäre, die Einberufung eines außerordentlichen Delegiertentages rechtfertigen würde. Es sind daher auch schon Behauptungen aufgestellt worden, wie die, die Gruppe der allgemeinen Zionisten sei bereit, auf wesentliche in der Balfourdeklaration und im Mandat selbst verankerte Grundrechte der Zionisten um der Chimäre einer Einigung mit den Arabern halber zu verzichten. fÜerliaußlim? ZMunch.