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Das jüdische Echo · 1929-12-13 · 50 (13.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
50 (13.12.1929)
Date
1929-12-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 50 13. Dezember 16. Jahrgang Zu den Wahlen zum Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Verdrängungspolitik? Von Rudolf Liebstaedter (Nürnberg) Mit der zionistischen Gesamtorganisation sind deren einzelne Glieder — die Landesverbände — in der gegenwärtigen Situation vor eine ungeheure, kaum zu bewältigende Aufgabe gestellt, von der eines allen Beteiligten klar ist: Nur durch hingebungsvoll geleistete, durch innere Schwierigkeiten nicht belastete Arbeit kann eine schwere Erschütterung der zionistischen Positionen in Erez Israel und im Galuth verhindert werden. Um es mit wenigen Sätzen anzudeuten: Es geht darum, die Hilfestellung, die wir vor allem materiell dem jüdischen Lande zu leisten haben, nicht absondern auszubauen. Die regelmäßigen Subventionen, die wir nach Palästina geben und die allein die Fortführung des Aufbauwerkes ermöglichen, dürfen nicht unterbrochen, sie müssen vielmehr sehr erheblich gesteigert werden. Für den denkenden, wahrhaft mit der Idee verbundenen Zionisten — und nur an ihn wenden sich diese Ausführungen — sind dies klare Erkenntnisse, die keines Kommentars bedürfen. Warum ist es gerade jetzt nötig, diese Gedankengänge, so alt und bekannt sie sein mögen, in den Vordergrund zu stellen? Deshalb, weil die Haltung weiter Kreise im deutschen Zionismus beweist, daß klare Vorstellungen über die besonderen Schwierigkeiten, mit denen wir gerade jetzt zu kämpfen haben, -nicht vorhanden sind, oder vielleicht, worauf noch zurückzukommen sein wird, verdrängt werden. Der Ausbruch der Unruhen in Palästina, der uns alle mit Entsetzen und mit tiefster Empörung erfüllt hat, erfolgte zeitlich unmittelbar im Anschluß an die Konstituierung der J e w i s h Agency, die mit Recht als ein ungeheurer Erfolg nicht nur des zionistischen Gedankens als solchen, sondern auch der Politik der verantwortlichen zionistischen Instanzen begrüßt worden ist. Stießen doch mächtige Verbündete zu uns in einem Zeitpunkte, in dem die Erschließung neuer produktiver Kräfte für das Aufbauwerk, das von den wenigen Zionisten nicht allein durchgeführt werden kann, unbedingt notwendig war. Wir alle wußten aber, daß trotz aller guten und ernst gemeinten Versicherungen anläßlich der Züricher Tagung der moralische Erfolg erst dann aktiviert werden konnte, wenn die außerordentlichen Möglichkeiten, die uns die politische Arbeit verschafft hatte, durch zähe, unermüdliche Arbeit, die nur wir allein leisten konnten und wollten, in meßbare Leistung umgesetzt wurden. Diese Aufgabe war und ist für den deutschen Zionismus in seinem Bereiche besonders vordringlich. Immer, wenn es galt, im Galuth zionistische Pionierarbeit zu leisten, haben es die deutschen Zionisten als ihre Pflicht empfunden, durch ihre Leistung zu beweisen, daß die gestellte Aufgabe erfüllbar war. Den Beweis hierfür, der besonders auch durch die in Deutschland vorbildlich durchgeführte Keren-Hajessod- Arbeit erbracht war, hätten wir gerade wegen dieser bereits durchgeführten Leistung auch in der Jewish-Agency-Sache erbringen müssen. Aber nicht nur darum, einen Ansporn für andere zionistische Landesverbände durch vorbildliche Tätigkeit zu geben, handelte es sich. Darüber hinaus war auch die unabweisbare Notwendigkeit gegeben, die Kontinuität unserer Aufbauarbeit aufrechtzuerhalten, weil gerade im Augenblick den Geldleistungen aus Europa und damit aus Deutschland eine besondere Bedeutung deswegen zukommt, weil die Eingänge unserer Fonds aus Amerika infolge der dort herrschenden Börsenkrise und der allgemeinen, damit zusammenhängenden Wirtschaftsdepression sehr spärlich fließen. Unsere Antwort auf die von den Arabern heraufbeschworenen Unruhen, auf das durch sie schuldhaft vergossene Blut konnte daher nur lauten: Verstärkte, dreifach verstärkte Arbeit. Tatkräftigste Unterstützung jeder Führung, die mit Einsatz aller ihr unterstehenden Kräfte die Energie zu diesem Einsätze aufrief. Nicht darauf kam es an, das Aufflackern gewiß berechtigter Empörung zu einer einmaligen Kraftanstrengung auszunutzen, sondern, um es nochmals zu sagen, darauf, den Zionisten ins Bewußtsein zu rufen, daß keine Macht der Welt uns verhindern kann, die von uns als unser Schicksal erkannte und unternommene Erbauung der nationalen Heimstätte in Erez Israel durchzuführen. Deshalb keine Hilfsaktionen, sondern energische Fortführung der verheißungsoll begonnenen, keinen Aufschub erduldenden Arbeit. Niemand kann mit Recht behaupten, daß die Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland diesen gebieterischen Ruf der Stunde verkannt hätte. Es muß und darf anerkannt werden, daß alle Kundgebungen der Leitung der ZVfD. von diesem Geiste wahren politischen Verhaltens getragen waren. Es wird auch kaum eine beachtliche Gruppe im deutschen Zionismus geben, die behaupten könnte, daß irgendein deutscher Zionist in höherem Maße geeignet ist, die Durchführung dieser, unserer echten Aufgabe zu leiten, als der Vorsitzende der ZVfD., Kurt Blume n f e 1 d. Der Schöpfer des Gedankens der Bünd-

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