Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- Seite 728 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103083-9176133--09972-9082881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
728 Das Jüdische Echo Nr. 49 gierungsschule in Nazareth, wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Einer der in diesem Mordprozeß Freigesprochenen war schon früher als eines anderen Mordes überführt, zum Tode verurteilt worden. 10 000 Pfund Geldbuße für den Angriff auf Beer Tu v iah Jerusalem, 25. November. (JTA.) Gegen eine Anzahl arabischer Dörfer, die in den Unruhetagen die jüdische Kolonie Beer Tuviah angegriffen und zum Teil zerstört haben, wurde eine Kollektiv-Geldbuße in der Gesamthöhe von 10 000 Pfund auferlegt. Der Polizeikorporal Carli, der unter der Beschuldigung, „die sogenannte schwarze Liste“ der Regierung jüdischen Journalisten gezeigt zu haben, am vergangenen Freitag verhaftet wurde, ist nun aus der Haft entlassen worden. Die Regierung hat die Ernährung jüdischer Flüchtlinge eingestellt Jerusalem, 1. Dezember. (JTA.) Die Regierung hat am 1. Dezember die Ernährung der jüdischen Flüchtlinge aus den zerstörten Kolonien eingestellt. — Das gesamte arabische Hilfswerk, das in Palästina und in den arabischen Ländern der ganzen Welt geführt wurde, hat bis jetzt einen Gesamtbetrag von 3173 Pfund erbracht. Die Mandatskommission überläßt dem Völkerbundsrat die Entscheidung, ob eine spezielle Klagemauerkommission gebildet werden soll Genf, 26. November. (JTA.) Wie der JTA-Vertreter erfährt, hat die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes in ihrer Sitzung am 25. November endgültig den Text ihrer Empfehlung an den Völkerbundsrat bezüglich des Vorschlags der englischen Regierung wegen Bildung einer speziellen Kommission zur Behandlung des Klagemauerproblems formuliert. Die Kommission weist in ihrer Empfehlung an den Rat darauf hin, daß die Schaffung einer solchen speziellen Kommission nicht ganz im Sinne von Artikel 14 des Palästinamandates ist, der die Schaffung einer Kommission zur allgemeinen Behandlung der Frage der heiligen Stätten vorsieht: die Mandatskommission überläßt die Entscheidung darüber, ob dem englischen Ansuchen zu willfahren ist oder nicht, dem Völkerbundsrat. — Es steht fest, daß diese Frage auf die Tagesordnung der im Januar 1930 stattfindenden Session des Völkerbundsrates gesetzt werden wird. Schafft Jugendheime! Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat zu Beginn ihrer Schriftenreihe ein Heft herausgegeben mit dem mahnenden Titel: „Schafft jüdische Jugend- und Gemeindeheime!“ Es wird darin berichtet von den segensreichen jüdischen Settlements in Amerika, die nach dem Vorbilde des Hull-house geschaffen wurden, dessen Schöpferin die geniale Jane Adams ist. Wir werden wieder einmal erinnert an das jüdische Settlement im Eastend Londons, dessen geistiger Urheber, wie aller Settlements, Toynbee ist. ■— In Deutschland wurde die Idee Toynbees durch die Logen abgewandelt. Hier verlor sie ihren feozialpädagogischen Charakter Zugunsten einer karitativen Note. Einmal wurde sie rein und echt in Berlin verwirklicht: anfangs des Krieges erstand dort das Jüdische Volksheim, in dem jüdische Jugend sich eine Stätte schuf, die im Geiste Toynbees und der Jane Adams junge jüdische Menschen aller gesellschaftlichen Kreise zu gemeinsamer Arbeit, Sorgen und Denken, Lernen, Spielen und Tanz verband. — Ähnliche Versuche wurden in jenen Jahren in Hamburg und Leipzig gemacht. — Sie hatten keinen langen Bestand — denn der Krieg hatte die Reihen der Helfer und spendenden Freunde gelichtet; die Zurückbleibenden arbeiteten bis zur Erschöpfung. — Auch das Berliner Volksheim mußte nach zehnjährigem Bestand in der Inflationszeit eingehen. Gemeindliches Verständnis und gemeindliche Mittel für solche Heime fehlten damals noch. Die Nachkriegszeit offenbarte mehr und mehr die Isoliertheit des jüdischen Menschen und führte schließlich allerorten zum Zusammenschluß jüdischer Jugend in Bünden und Vereinen. „In Hinterstuben von Wirtshäusern und sonstigen unzulänglichen Lokalitäten versammelt sich jüdische Jugend in ihren Freistunden zu Erziehungs¬ und Bildungsarbeit. In oft kleinen, abgeschlossenen Zirkeln, die voneinander wenig wissen, deren Abgeschlossenheit das Fremdheitsgefühl unter den Mitgliedern ein und derselben Gemeinde nur noch fördert — führen sie ein egozentrisches Vereinsleben. — Von der Jugend Münchens wurde dieser Mangel erkannt. Ohne schon ein gemeinsames Haus zu haben, hat sie sich zu einem Jugendring zusammengeschlossen, Hoffentlich wird dieser Appell in allen Kreisen der jüdischen Jugend, auch der studentischen, vernommen. Hoffentlich baut die Gemeinde München der Jugend der Gemeinde eines nicht zu fernen Tages das Haus. Einfach und schön wünschen wir es uns, Raum genug darin für alle Alterskreise zu gemeinsamer und getrennter Arbeit und zur Feier. „Künftige Geschlechter werden den verantwortlichen Führern der Gemeinde zu danken wissen, wenn sie Mut und Weitblick in dieser an Auflösungserscheinungen so überaus reichen Zeit aufbringen, einen neuen, aber aussichtsreichen Weg für die Neubelebung der jüdischen Gemeinde zu gehen.“ Der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden sei für das Heft gedankt! Wer konstruktive Arbeit in der Gemeinde leisten will, findet einen der Wege darin aufgewiesen. G. W. Aus der jüdischen Welt Eine neue Friedhofsschändung Berlin, 28. November. (JTA.) In dem kleinen Rhönstädtchen Vacha befindet sich ein Sammelfriedhof der umliegenden jüdischen Gemeinden. Dieser Tage nun mußte man die Wahrnehmung machen, daß eine Anzahl von Grabsteinen durch Steinwürfe von außen stark beschädigt wurden. Die Schriftplatten wurden völlig zertrümmert. Die Polizeibehörde fahndet nach den Tätern. Das neue Statut der jüdischen Gemeinde Berlin genehmigt 41 Repräsentanten, 2 Vorstandsmitglieder — Neuwahlen Anfang 1931 Berlin, 29. November. (JTA.) Der von den Berliner Gemeindebehörden eingereichte Statutenentwurf für die Wahlen zur Repräsentantenversammlung ist von der Aufsichtsbehörde genehmigt worden. Darnach endet die Wahlperiode der gegenwärtigen Repräsentantenversammlung am 31. Dezember 1930. Die neue Repräsentantenver-