Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- Seite 725 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 725 Ursachen der Unruhen, die allein die Untersuchungskommission aufzuklären hat, gar nicht beleuchten. In der Fortsetzung seiner Aussage berichtete Selim Farah, wie die Familie Sursook Herr des Tales Jezreel geworden ist. Farah behauptete weiter, daß seit der Übertragung der Böden im Tale Jezreel an die Juden der Steuerertrag aus diesem Gebiet gesunken ist, was auf eine Produktionsverminderung schließen läßt. Farah mußte zugeben, daß die arabischen Bauern des Tales Jezreel entschädigt wurden und Gelegenheit bekamen, sich anderswo anzusiedeln; sie fanden sich aber, fügte er hinzu, nur darum mit dieser Regelung ab, weil sie nicht in der Lage waren, ihr Recht bei den Gerichten geltend zu machen. Der Zeuge brachte den Bau der jüdischen landwirtschaftlichen Schule am nördlichen Abhang des Tabor zur Sprache. Diese Schule wird von der Regierung aus der Hinterlassenschaft des indischen Juden Kadoorie gegen den Willen der Bewohnerschaft dieser Gegend erbaut. Demgegenüber stellt Sir Boyd Merriman fest, daß das Arrangement bezüglich der Kadoorie-Schule auf freundschaftlicher Basis getroffen wurde; statt der abgetretenen 500 Acker erhielten die Araber Eigentumsrecht auf 1700 Acker anderen Bodens. Sir Boyd widerlegte auch Farahs Behauptung, daß sich die Getreideproduktion vermindert hat. Er wies an Hand der Statistik nach, daß sich im ganzen Lande die Getreideproduktion seit der Kriegszeit erhöht hat. Was den Afulehboden betrifft, so habe der verstorbene Sir Gilbert Clayton persönlich das Abkommen mit den arabischen Pächtern bezüglich der Entschädigung getroffen. Die Pächter nahmen die Entschädigung freiwillig an mit Ausnahme einiger, die durch Jerusalemer Agitatoren aufgehetzt wurden. Ergebnisse und Rufgaben der Untersuchungskommission Unter dem Titel „Und die Hauptsache?“ wertet Abraham Schwadron im „Davar“ vom 20. November (seit diesem Tage erscheint der „Davar“ wieder unter seinem Namen) die bisherigen Ergebnisse der Verhandlungen vor der Untersuchungskommission. Die unmittelbare Verkettung der Ereignisse vom Standpunkte der Tatsachenfeststellung aus sei im wesentlichen durchgeführt, und es hänge viel davon ab, ob noch einige Einzelheiten mehr festgestellt würden. Dagegen fehle bisher völlig eine Untersuchung über die Verhetzung, die dem Ausbruch der Unruhen vorausgegangen sei, und es scheine, daß die Regierung hierüber keinerlei Material vorbereitet habe, obwohl bereits im Verlaufe der bisherigen Untersuchung wiederholt die Fäden sichtbar geworden seien, mit deren Hilfe man den Weg zu den wirklichen Anstiftern habe finden können. Vermutlich befände sich bei der Regierung genügendes Material, um diese Frage nachzuprüfen. Die Untersuchungskommission müsse die Vorlage dieses Materials verlangen und dürfe nicht gestatten, daß diese Hauptfragen mit Stillschweigen übergangen werden. Vor allem aber fordert Schwadron, daß sich die Kommission den ersten Ursachen für die Unruhen zuwende. Die Araber behaupteten, daß diese Grundursache in der Balfour-Erklärung zu suchen, sei. Darauf habe ihnen bereits Merriman mit vollem Recht geantwortet, daß gerade die Nichtausführung der Balfour-Erklärung durch die Administration zum Ausbruch der Unruhen geführt habe. Es wäre also Aufgabe der Kommission, diese jahrelang fortgesetzte systematische Verletzung unserer Rechte nachzuprüfen. Für uns läge der Schwerpunkt der Frage nicht in der Klagemauerangelegenheit, die der Mufti neuerdings wieder in den Mittelpunkt der Diskussion zu rücken versuche, sondern in dieser Frage der Durchführung der Politik der Balfour- Erklärung durch die Verwaltung. Zur Erläuterung der Praxis der Administration uns gegenüber teilt Schwadron die folgende bisher unbekannte Tatsache mit. Am 21. August, zwei Tage vor Ausbruch der Unruhen, sandte die Telephonverwaltung einen arabischen Beamten in die Nationalbibliothek, um dort das Telephon zu reparieren. Der Beamte kam zurück und berichtete, daß, als er das Büro der Bibliothek, wo sich das Telephon befindet, betreten habe, sich die Juden mit gezückten Messern auf ihn gestürzt hätten und es ihm nur mit Mühe möglich gewesen sei, sich zu retten. Es ist inzwischen längst festgestellt, daß an dieser Darstellung kein wahres Wort sei und der Beamte überhaupt nicht in die Bibliothek gegangen sei. Die Untersuchungskommission möge jetzt einmal feststellen, ob dieser Beamte bestraft worden sei! Schwadron kritisiert die Art. in der jüdische offizielle Körperschaften, z. B. der Bürgermeister von Tel-Awiw, sich beim Besuch der Untersuchungskommission verhalten hätten: man habe mit Recht viel über unsere Leistung im Lande gesprochen, habe es aber völlig unterlassen, zu schildern, in welcher Lage sich heute das Aufbauwerk befände und mit welcher Erbitterung wir die Unterdrückung unserer Rechte betrachteten. Die Folge dieser „taktvollen“ Art sei, daß wiederum der Eindruck entstehe, als wenn die Araber Grund zur Klage hätten, die Juden aber nicht. Das sei ja auch die allgemeine Weltmeinung, die systematisch in dem Sinne beeinflußt werde, daß wir allen Grund hätten, zufrieden zu sein; denn die Kommission werde feststellen, daß wir nicht die Angreifer gewesen seien, das britische Militär schütze uns, so daß wir keinen Grund zu irgendwelchen Klagen hätten, während die Araber weiter unterdrückt seien. Wir müßten dafür sorgen, daß nicht über einer Fülle von Einzelheiten die Grundfrage vergessen würde: ob die palästinensische Verwaltung das Land1 entsprechend den uns durch das Mandat zugesicherten Rechten verwaltet habe. SCHRAMM ZMü nahen flUgSS RosenstraßeS