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Das jüdische Echo · 1929-12-06 · 49 (6.12.1929) · p. Seite 724

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
49 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
Seite 724 (sequence 6)
Language
German
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724 Das Jüdische Echo Nr. 49 billig am Tischa b’Aw amtierte. Er sagte aus, daß er erst seit acht Monaten in Palästina weile und nicht wisse, daß es bei den Juden Sitte sei, am Tischa b’Aw zur Klagemauer zu strömen. Er wisse auch nicht, daß es bei den Juden Sitte sei, am Tischa b’Aw zum Zeichen der Trauer auf dem Boden zu sitzen; er wisse nur, daß ein Jude ihm „Esel“ zugerufen hatte und ein anderer zu ihm gesagt hatte: „Deine Religon sei verflucht“. Hier bemerkte der Anwalt der arabischen Exekutive, daß Zahani auch bespuckt worden sei, worauf nach ottomanischem Gesetz Gefängnis bis zu drei Jahren steht. Auf Befragen von Viscount Erleigh gab der Zeuge zu, daß der ausspuckende Jude mindestens 50 Fuß von ihm entfernt war, so daß es sich nur um ein symbolisches Spucken handelte. Eine englische Araberfreundin vor der Kommission Die Engländerin Miß Frances Newton, die seit 1889 mit kurzen Unterbrechungen in Haifa wohnt und die in der letzten Woche am Tisch der Anwälte der arabischen Exekutive saß, wurde heute als Zeugin vernommen und 3 Stunden lang verhört. Sie verlor oft die Beherrschung und stellte zum Schluß des Verhörs das ungewöhnliche Ansuchen, daß man ihr das Protokoll zu lesen gebe, damit sie einige von ihr leichtsinnig aufgestellten Behauptungen streichen könne. Sie ist, wie sie sagte, ein führendes Mitglied der Londoner Pro- Arab Womens National and Political League und erzählte, daß während der Militäradministration unter General Sir Louis Bois britische Beamte ihr offizielle Dokumente gezeigt hätten, damit sie in die Lage komme, die arabische Bevölkerung hinsichtlich der britischen Intentionen in Palästina zu beruhigen. Der Regierungsanwalt, Kenelm Preedy, tadelte die Zeugin wegen ihres Vertrauensmißbrauchs. Ihren weiteren Äußerungen war zu entnehmen, daß sie Herrn Jeffriers, _ dem damaligen Korrespondenten des „Daily Mail“ in Palästina, viel Material für seine Artikel geliefert hat. Vor 1914, sagte Miß Newton, habe sie nie von irgendwelcher Erregung hinsichtlich der arabisch-jüdischen Beziehungen gehört; als sie 1919 nach Palästina zurückkehrte, konnte sie eine Erregung unter den Arabern feststellen, die glaubten, das Land sei den Juden ausgeliefert worden. Die Juden ihrerseits haben den Arabern öfters Ursache gegeben, zu glauben, daß sie, die Ju- Wäscherei der Münchener Hausfrau Landwehrstraße 57/59 Rgb. Te'ephon 596858 Zweigstellen; 1 Haushaltwäscherei ■ „Apollo“ Dachauer Straße19 Rgb. Telephon 52553 2 Baaderstraße 13 ■ Telephon 25702 3 Gabelsbergerstraße 103 ■ Telephon 596491 den, sich als die Herren des Landes fühlen. Sie, die Zeugin, selbst sei oft von Juden angerempelt worden. Sie, die Zeugin, habe quasi als Vertrauensagent gewirkt und sich bestrebt, den Arabern den englischen Standpunkt zu interpretieren. Sie half auch, Beziehungen zwischen den Arabern und der Administration herzustellen. Vadi Bustani (der Rädelsführer bei verschiededenen arabischen Angriffen auf Bearbeiter jüdischen Bodens) habe sie über die Bodenzwistigkeiten in Kabarra und Afuleh, wo 1925 ein Araber getötet wurde, direkt informiert. Sie habe Entscheidungen der Regierung in ^ßodenangelegenheiten als ungerecht empfunden. Es entspann sich eine allgemeine Aussprache über die Bodenrechtsverhältnisse in Palästina. Zum Schlüsse ihrer Aussage hielt Miß Newton eine Ansprache, in der sie ausführte, sie wollte nicht nur der Not der Araber, sondern auch der tiefen Dankbarkeit derselben gegenüber der britischen Administration für die verbesserten Erziehungs-, Gesundheits- und Rechtsverhältnisse Worte leihen. Sir Boyd Merriman verlas einen Auszug aus dem Bericht der Palästinaregierung an die Mandatskommission des Völkerbundes über den Kabarra-Streit und protestierte dagegen, daß die Zeugin eine ihr vom Agitator Vadi Bustani erzählte Geschichte vor der Kommission als Tatsache vorbringt, ohne daß sie überhaupt die Situation zu beurteilen vermag. Der Regierungsanwalt Preedy forderte Miß Newton auf, ihre Behauptung, britische Offiziere hätten ihr vertrauliche offizielle Dokumente gezeigt, zurückzunehmen, weil sie durch diese Behauptung die Offiziere des Vertrauensbruchs beschuldigt. Miß Newton gab dieser Aufforderung nicht Folge und sagte, sie brauche Zeit, um darüber nachzudenken, was sie hier vorgebracht habe. Weitere arabische Zeugen Jerusalem, 1. Dezember. (JTA.) Der landwirtschaftliche Sachverständige Selim Farah, ein christlicher Araber, der von der Untersuchungskommission vernommen wurde, wies eine Palästinalandkarte des Jüdischen Nationalfonds vor, die die jüdischen Bodenerwerbungen im Tale Jezreel, im Jordan-Tal, in der Ebene Scharon und im Gebiet der Haifa-Bucht aufzeigt, und behauptete, daß arabische Bauern aus 18 Dörfern im Tale Jezreel vertrieben worden sind, um den Juden, die den Boden von außerhalb des Landes wohnenden Latifundienbesitzern gekauft haben, Platz zu machen. In einer Verhandlungspause äußerte der arabische Anwalt Auni Bey Abdul Hadi dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Herrn Agronsky, gegenüber, die Aussage Farahs sei für den arabischen Fall sehr wichtig. Hätte die Untersuchungskommission sich geweigert, einen Bericht über die Verdrängung .der Araber durch die Juden anzuhören, so hätten die arabischen Anwälte das Gerichtszimmer verlassen. Wir sind nicht so sehr daran interessiert, sagte Abdul Hady, festzustellen, wer mit dem Kampf begann. Uns interessiert auch nicht die Feststellung der unmittelbaren Ursache der Unruhen. Die arabische Drohung, die Untersuchungskommission zu boykottieren, falls nicht diese Seite der arabisch-jüdischen Beziehungen erörtert wird, scheint die Untersuchungskommission bewogen zu haben, Aussagen anzuhören, die mit den eigentlichen Befugnissen der Kommission nichts zu tun haben, indem sie die unmittelbaren

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