Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 48 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- Seite 713 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 713 handlung leitete das konservative Mitglied der Kommission, Sir Henry Betterton, obwohl Sir Sir Walter Shaw anwesend war. Die Verhandlung wurde arabisch geführt und die einzelnen Fragen und Antworten ins Englische übersetzt. Man ließ dem arabischen Anwalt vollkommen freie Hand in der Fragestellung, unterbrach ihn nicht, weil anscheinend die Regierung und die Kommission den Arabern die von ihnen gewünschte Gelegenheit geben will, die unmittelbaren Ursachen der Unruhen zu klären. Auni Bey begann mit der Feststellung, daß die Sekretäre der arabischen Exekutive es vermieden haben, mit Herrn Luke zusammenzutreffen, da sie überzeugt waren, daß die Regierung eine prozionistische Politik verfolge und daß also eine solche Zusammenkunft keinen rechten Sinn habe. Luke erklärte als Antwort darauf, die Regierung habe einen schweren Stand, weil die Araber annehmen, daß die Regierung die Zionisten begünstigt, während die Zionisten ihrerseits glauben, daß die Regierung die Araber begünstigt. Luke wies in diesem Zusammenhänge darauf hin, daß die Araber seinerzeit das Angebot der Regierung, die bereit war, eine Arab Agency gleich der Jewish Agency anzuerkennen, zurückgewiesen haben. Auni Bey brachte vor, daß die Regierung beträchtliche Summen für die Verpflegung jüdischer Flüchtlinge ausgegeben, aber nichts dergleichen für die arabischen Opfer tat. Ferner hat die Regierung die Ottomanische Landwirtschaftsbank geschlossen, wodurch die jüdische Einwanderung und der Bodenkauf erleichtert wurden. Luke erwiderte, die Regierung erwäge die Frage der Errichtung einer neuen Landwirtschaftsbank. Er gab zu, daß die Palästinaeinwohner unter dem türkischen Regime einen größeren konstitutionellen Anteil an der Regierung hatten als jetzt. Aber die Araber haben ja jede konstitutionelle Mitarbeit in früheren Jahren zurückgewiesen. Auni Bey erwiderte, die Araber hatten seinerzeit die Arab Agency zurückgewiesen, um nicht auf die gleiche Stufe mit den Juden gestellt zu werden. Er versuchte nachzuweisen, daß die Araber bei der Auswahl der Beamten benachteiligt wurden. Im Verlauf der weiteren Vernehmung Lukes kam zur Sprache, daß der stellvertretende Chefsekretär Mills mit arabischen Führern private Gespräche bezüglich der Errichtung eines Parlamentes in Palästina geführt hat. Auni Bey brachte vor, daß tausende arabische Familien infolge der jüdischen Einwanderung und Siedlung Heim und Lebensunterhalt verloren haben. Luke sagte, er wisse nichts davon. Auni Bey brachte die Heiligkeit der Klagemauer zur Sprache. Luke sagte, das Pflaster vor der Mauer sei keine heilige Stätte. Darauf erklärte das liberale Kommissionsmitglied, Hopkins-Morris, die Frage der Heiligkeit der Mauer für Juden oder Moslemiten gehe die Kommission nichts an; die Kommission ist nur daran interessiert, festzustellen, ob und in welchem Maße der Klagemauerkonflikt Anlaß zu Unruhen gegeben hat. Sir Boyd Merriman erklärte, die Klagemauer- Frage werde durch eine andere Kommission gelöst werden. Sir Boyd verlas den Bericht der Palästinaregierung für das Jahr 1927, aus dem hervorgeht, daß in diesem Jahre kein einziger Jude der Verwaltung wegen Arbeitslosigkeit direkt zur Last fiel. Zur Lösung der Arbeitslosenfrage haben die jüdischen Fonds mehr als die Regierung beigetragen. Sir Boyd Merriman brachte zur Sprache, daß unmittelbar vor den Unruhen eine Zusammenkunft von arabischen und jüdischen Führern im Hause des Herrn Luke stattgefunden hat, daß es aber zu einer gemeinsamen Beratung nicht gekommen sei. Der zionistische Vertreter, Herr Braude, hat sich dafür eingesetzt, daß die Beratung stattfinde und daß jüdische wie arabische Führer eine Proklamation folgenden Inhalts unterzeichnen: Wir, die Vertreter der moslemitischen und der jüdischen obersten Institutionen, geben dem Wunsche Ausdruck, daß sowohl Juden wie Moslemiten erfahren, daß wir in einer gemeinsamen Beratung zur Einsicht gelangten, daß die gegenwärtig unter Moslemiten und Juden bestehende Erregung hauptsächlich auf Mißverständnisse zurückzuführen ist; wir sind überzeugt, daß bei gutem Willen die Mißverständnisse aufgeklärt werden können. Aus diesem Grunde fordern wir, daß Juden wie Moslemiten ihr Äußerstes tun, um befriedigende Beziehungen untereinander zu erreichen. Wir alle verabscheuen Taten der Gewalt und appellieren an alle, Araber wie Juden, ihre obersten Institutionen in dem heiligen Werke, Frieden zwischen beiden Nationen zu erlangen, zu unterstützen. Luke erklärte, die verlesene Resolution stimme mit der überein, die Herr Braude damals vorzulegen bereit war; die Moslemiten aber haben sich geweigert, an einer gemeinsamen Beratung teilzunehmen und das Dokument zu unterzeichnen. Die Verlesung der Proklamation und die Bemerkungen Lukes machten tiefen Eindruck auf die Komissionsmitglieder, und auf alle im Gerichtszimmer Anwesenden, indem man sich darüber klar war, daß wenn diese Proklamation zwölf Stunden vor Ausbruch der Unruhen veröffentlicht worden wäre, die Unruhen vermieden worden wären. Palästinanachrichten Arabisches Attentat auf Norman Bentwich Der Täter: Ein arabischer Polizist Jerusalem, 25. November. (JTA.) In ganz Palästina herrscht Aufregung über ein Attentat, das am Sonntag, dem 24. November, nachmittag auf den Chef des Justizdepartements der Palästinaregierung, Oberstaatsanwalt Norman Bentwich, verübt worden ist. Als Bentwich am späten Nachmittag des Sonntag sein Büro verließ, gab der jugendliche arabische Polizeidiener Abdul Ghani Tabek, der aus Kebatya, einem Dorfe in der Nähe von Jenin stammt und im Departement für Polizei- und Gefängniswesen als Bote angestellt ist, Schüsse auf ihn ab, eine Kugel traf Bentwich ins Bein und verletzte ihn schwer. Bentwich wurde in das Hospital gebracht. Der Attentäter konnte an Ort und Stelle verhaftet werden. Die Nachricht über das Attentat verbreitete sich blitzschnell über ganz Jerusalem und weckte allgemeine Empörung. Man vermutet, daß der Attentäter Tabek im Aufträge einer Terroristenorganisation gehandelt hat. Weitere Angriffe von Arabern auf Juden Jerusalem, 20. November. (JTA.) In den letzten Tagen ereigneten sich in verschiedenen Teilen des Landes abermals Angriffe von Arabern auf Juden. In der Altstadt von Jerusalem überfiel ein Araber einen jungen Juden und schlug auf ihn ein; der Jude trug einen Armbruch davon. In Haifa wurde ein jüdischer Chauffeur der englischen Firma Messrs. Spinneys Ltd. von seinen beiden arabischen Gehilfen angegriffen und ver-