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Das jüdische Echo · 1929-11-29 · 48 (29.11.1929) · p. Seite 711

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
48 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
Seite 711 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 711 wurden. Luke war auch nicht in der Lage, den Umstand aufzuklären, warum im Regierungs-Kommunique über Haifa berichtet wird, daß 25 Gewehre bei Juden bschlagnahmt wurden, wo doch vor der Untersuchungskommission festgestellt wurde, daß nur zwei Gewehre gefunden wurden. Sir Boyd fragte weiter, warum die zahlreichen Juden, die in der Haifaer Mühle Zuflucht gesucht haben und dort verhaftet wurden, vier Wochen lang im Gefängnis behalten wurden; warum alle jüdischen und arabischen Verluste zusammengezählt wurden, ohne daß Klarheit darüber gegeben wurde, welche Verluste auf die militärische Aktion zurückzuführen sind. Luke wollte auch weiter nicht zugeben, daß die Bulletins bewußt die Tendenz verfolgten, die Geschehnisse als einen Zusammenstoß zwischen miteinander rivalisierenden Parteien erscheinen zu lassen, er gab aber zu, daß bei dem Leser ein solcher Eindruck entstehen konnte. Sir Boyd verlas Auszüge aus der arabischen Presse Palästinas aus der Zeit nach Jom Kippur vorigen Jahres, die Aufreizungen gegen die jüdische Gemeinschaft, sowie Aufrufe für einen „heiligen Krieg“ enthalten; er deutete an, daß eine der Ursachen des Klagemauerkonfliktes und der durch ihn geschaffenen Erregung der Wunsch des Großmufti war, einen Streit vom Zaune zu brechen, um alle Moslemiten für sich zu gewinnen. Luke gab zu, daß nicht eine einzige arabische Zeitung wegen Aufhetzung gerichtlich verfolgt wurde, und fügte hinzu, die Zitate seien ein treffliches Charakteristikum für die arabische Presse. Sir Boyd fragte; Wurden irgendwo Schritte ergriffen, um den Arabern klar zu machen, daß die Regierung einen Aufruhr nicht zulassen werde? Man mußte nicht, daß sich ein Aufruhr ereignen wird. Sir Boyd; Glaubten Sie an eine Möglichkeit des Aufruhrs? Luke: In Palästina besteht immer eine, solche Möglichkeit. Sir Boyd: War diese Möglichkeit nach dem 16. August nicht akut? Luke: Gewiß war die Lage nach dem 16. August eine gespannte. Sir Boyd wies darauf hin, daß den Behörden weitreichende Vollmachten und Möglichkeiten gegeben sind, gegen Agitatoren einzuschreiten; nichts wurde davon ausgenutzt. Luke erklärte, daß ihm. die von „Dawar“ und „Haaretz“ gebrachten Mitteilungen über sich vorbereitende Unruhen nicht bekannt waren, da er diese Zeitungen damals nicht gelesen habe. Er könne sich nicht erinnern, daß ihm die Mitglieder des Waad Leumi mitgeteilt haben, daß mit Dolchen und Keulen bewaffnete Araber in Jerusalem eintreffen, und daß sich ernste Ereignisse vorbereiten. Er habe dieser Deputation nie das Versprechen geben können, die einmarschierenden Dorfbewohner zu entwaffnen, da der stellvertretende Chefsekretär, Herr Mills, der Meinung war, daß dies eine gefährliche Sache sei. Er habe den Großmufti ersucht, am Donnerstag eine beruhigende Ansprache und am Freitag eine beruhigende Predigt zu halten. Ein gleiches Ersuchen richtete er an die Rabbiner bezüglich der Sonnabend-Predigt; die Ironie des Schicksals wollte es, daß dieser Tag der Tag der Hebron- Massakers geworden ist. Luke gab zu, daß er außer den Panzerautos vorderhand keine weiteren Verstärkungen angefordert habe, da er der Meinung war, daß sich die Spannung so weit verringere, daß es ihm gelingen werde, Moslemiten und Juden zu einer Konferenz zusammenzubringen. Schließlich erklärte Luke, 1921 haben sich in Jaffa Unruhen ereignet, obwohl eine Division Truppen im Lande stationiert war. Nach einer Debatte über die Entwaffnung britischer Juden, die nach Ansicht Sir Boyd Merrimans wegen einer Drohung des Großmufti vorgenommen wurde, was Luke aber bestreitet, brachte der Anwalt der arabischen Exekutive zur Sprache, daß die „Misrach“-Bilder in jüdischen Häusern eine provozierende Wirkung hätten. Es folgte eine allgemeine Aussprache über die Berechtigung des moslemitischen Anspruchs auf die Klagemauer als moslemitische heilige Stätte, der sich darauf gründet, daß Mohammed gemäß der Legende auf seiner Fahrt zum Himmel sein Pferd an einen Stein der Klagemauer gebunden hat. Die Diskussion entwickelte sich zu einer Auseinandersetzung über moslemitische Theologie und Mythologie. Der arabische Anwalt Stoker brachte zur Sprache, daß der gegenwärtige Oberstaatsanwalt Norman Bentwich im Jahre 1919, als er noch Offizier bei dem ägyptischen Expeditions-Korps gewesen war, ein Buch „Palestine of the Jews, Past, Present and Future“ veröffentlicht hatte, in welchem der folgende Satz vorkommt: Der Haram, obgleich religiöses Eigentum der Moslemiten, muß dem Zutritt von Anhängern aller Glaubensbekenntnisse frei bleiben. Luke wies darauf hin, daß ja dieses Buch noch vor dem Mandat und dem Churchill-Weißbuch von 1922 geschrieben wurde. Stoker erklärte, es sei begreiflich, daß sich die Araber dagegen wenden, daß ein so prononzierter Zionist Oberstaatsanwalt in Palästina sein soll. Darauf Luke: Ich möchte nicht Herrn Bentwich einen prononzierten Zionisten nennen. Mir ist auch nicht bekannt, daß Herr Bentwich gesagt hätte: Ich bin in erster, zweiter und dritter Reihe Zionist, und dann erst ein Brite. Pinchas Ruthenberg vor der Untersuchungskomniission Jerusalem, 22. November. (JTA.) Die britische Untersuchungskommission für Palästina vernahm auf Antrag von Sir Boyd Merrimann, dem Anwalt der Zionistischen Exekutive, Herrn Pinchas Ruthenberg, Vorsitzender des Waad Leumi (jüdischen Nationalrates in Palästina). Ruthenberg erzählte, Oberrabbiner Kook habe ihm über die neuerlichen Bauarbeiten der Moslemiten an der Klagemauer berichtet und habe gesagt, die Juden werden dadurch in eine Lage gebracht, die der Würde ermangelt. Er, Ruthenberg, habe ebenfalls die Demütigung tief empfunden. Am 8. August, berichtete Ruthenberg weiter, besuchte ich Herrn Luke und sagte ihm, daß die Erregung unter den Juden unbeschreiblich sei. Luke meinte, ich übertreibe. Luke erzählte mir, daß jüdische junge Leute in Haifa sich mit der Absicht tragen, zum Tischa b’Aw nach Jerusalem zu kommen und ersuchte mich, meinen Einfluß geltend zu machen, daß dieser Besuch unterbleibt. Diese Aussage Ruthenbergs steht in Widerspruch zu der Aussage Lukes, der erklärt hatte, Ruthenberg habe ihm über die Cafe Wintergarten Franz Schnabel Vollständig renoviert (m. Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags-Konzert / Äbend Tanz Kapelle Jos£ Zangelas Zivile Preise / Kein Weinzwang / Kein Eintritt Tassen und Portionen Kaffee werden verabreicht

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