Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 48 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- Seite 710 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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710 Das Jüdische Echo Nr. 48 Gemeinde begab sich in die Synagogen, wo, wie ich annehme, sie das Schofarblasen hörte. Sir Boyd: Wurde den Rabbinern nicht gesagt, daß das Schofarblasen ein Blutvergießen im. Gefolge haben werde? Luke: Das weiß ich nicht. Ich war bei der Unterhaltung mit den Rabbinern nicht zugegen. Sir Boyd verlas eine Verordnung des Rabbinats, in welcher es heißt, daß wegen des seitens der Araber ausgeübten Druckes das Schofarblasen unterbleiben müsse. Darauf Luke: Ich möchte dies nicht als einen Druck seitens der Araber bezeichnen; die Araber widersetzten sich dem Schofarblasen, weil es in die neuen Verfügungen nicht eingeschlossen war. Die Kommission beriet darüber, ob die Frage, wonach einer Drol ung der Araber nachgegeben wurde, zuzulassen sei. Sir Betterton, das konservative Mitglied der Kommission, äußerte sein Erstaunen darüber, daß sich Herr Luke an so wichtige Dinge nicht erinnern könne. Sir Boyd Merriman formulierte nun seine Frage wie folgt: Ist es Tatsache, daß die Regierung, indem sie die Order wegen Verbotes des Schofarblasens gab, einer Drohung nachgab? Wenn aber die Regierung im Oktober, als Truppen im Lande waren, in einer solchen Angelegenheit einem Druck nachgegeben hat, so ist daraus zu ersehen, daß sie um so eher vor dem Aufruhr am 23. August nachgegeben hat. Sir Walter Shaw vertagte nun die Sitzung, um über die Zulassung dieser neuen Formulierung der Frage zu beraten. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte Sir Walter Shaw, die Frage, ob die Regierung beim Verbot des Schofarblasens einer moslemitischen Drohung nachgegeben hat, ist nicht eine Frage dieser Tatsache selbst, sondern eine Folgerung aus einer Reihe von Tatsachen, die die Kommission selbst ziehen muß: deshalb kann die Kommission Herrn Luke iiicht zwingen, auf Sir Boyd Merrimans Frage eine Antwort zu erteilen. Luke erklärte seinerseits, er erhebe keine Einwendung gegen die Frage, er beantworte sie dahin, daß er nichts von Drohungen wisse. Sir John Chancellor, den er während der Verhandlungspause gesprochen hat, habe ihn ermächtigt zu erklären, daß er von Drohungen nichts wußte und keiner Drohung nachgegeben hat. Sir Boyd Merriman verlas einen Brief des palästinensischen Oberrabbinats, in welchem erklärt wird, daß das Rabbinat sich dem als mittelalterlich anmutenden Verbot des Schofarblasens nur wegen der bestehenden besonderen Schwierigkeiten beuge, und das mit den Worten schließt: Wir sind uns darüber im klaren, daß wir uns auf niemand anderen als auf unseren Vater im Himmel verlassen können. Sir Boyd verlas ferner die offizielle Mitteilung über die von Sir John Chancellor in der Julisitzung der permanenten Man¬ B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menage* u. ToÜettekoffer FEINE LEDERWAREN Fernruf Nr. 90 9 39 Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 datskommission des Völkerbundes in Genf abgegebene Erklärung, in der es heißt, die Moslemiten versuchen, dem Pflaster vor der Mauer eine Heiligkeit beizumessen, von der bisher nie die Rede war Aus dieser Erklärung, sagte Sir Boyd, ist zu ersehen, daß die Palästinaregierung sich gegenüber der von den Moslemiten behaupteten Heiligkeit des Klagemauerpflasters ebenso skeptisch verhält wie die Juden. Wenn man den Skeptizismus der Juden als provokatorisch bezeichnet, so betätigt sich die Regierung ebenfalls als Provokateur. Luke stimmte dem zu. Jerusalem, 21. November. (JTA.) Im Verlauf der weiteren Einvernahme des Chefsekretärs der Palästinaregierung H, C. Luke durch die Untersuchungskommission brachte der Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merrimann, die von der Palästinaregierung in den ersten Unruhetagen herausgegebenen Tagesbulletins zur Sprache, in denen, wie Sir Boyd sagte, versucht worden ist, den Eindruck zu erwecken, daß es sich nicht um einen Angriff von Arabern auf Juden, sondern um Kämpfe zwischen zwei miteinander rivalisierenden Teile der Landesbevölkerung handelt. Luke erwiderte, er selbst habe die Bulletins nicht redigiert, aber er könne sagen, daß nicht die Absicht bestand, einen irreführenden Tatbestand zu vermitteln. Herr Luke gab nun zu, daß diese Darstellung der wirklichen Lage nicht gerecht geworden ist. Sir Boyd fragte: Welchen Zweck hatten solche Kommuniques, wo doch die ganze Bevölkerung Palästinas wußte, was vor sich ging. Luke wich dieser Frage aus und gab auf weiteres Befragen zu, daß das Bulletin des Londoner Kolonialamtes über die Ereignisse in Safed auf seinen telegraphischen Bericht basierte, er erklärte jedoch, daß zu jener Zeit bereits Sir John Chancellor wieder in Palästina weilte und für die Handlungen der Regierung verantwortlich war. Sir Boyd fragte, warum in dem ersten Bulletin jeder Hinweis auf die in Moza abgeschlachteten sieben Juden fehlte. Luke schwieg darüber, gab aber auf weiteres Befragen zu, daß der offizielle Bericht über Beisan, in welchem von einem „Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden“ unrichtig war, daß vielmehr auch in Beisan ein Angriff von Arabern auf Juden erfolgt war. Sir Boyd fragte, warum der arabische Angriff auf Tel-Awiw in dem Kommunique so dargestellt wird, daß „eine Gruppe in dem Manshieh-Viertel in einen Konflikt mit der Polizei geriet, wobei 3 Personen getötet und 24 verwundet wurden“? Luke gab keine Antwort. Sir Boyd wies auf den offiziellen Bericht über die Kämpfe in Haifa hin, in welchem es hieß, daß „in Hadar Hakarmel Araber und Juden in Konflikt miteinander gerieten und von der Polizei auseinandergetrieben wurden.“ Auch darauf erfolgte keine Antwort. Warum, fragte Sir Boyd weiter, wurden die Toten von Hebron, das doch verwaltungsmäßig nicht zu Jerusalem gehört, in dem Regierungsbulletin mit den Jerusalemer Verlusten zusammengezählt? Warum wurde die Abschlachtung von Juden in Hebron als Kampf dargestellt? Luke erwiderte, die Regierung hatte nicht die Absicht, die Scheußlichkeiten in Hebron zu verkleinern, er könne jedoch nicht erklären, warum das Kommunique schlechthin berichtet hatte, daß in Hebron acht Moslemiten getötet und zehn verwundet wurden, ohne ausdrücklich mitzuteilen, daß diese Moslemiten durch Polizei nach dem Massaker getötet und verwundet ii]