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Das jüdische Echo · 1929-11-29 · 48 (29.11.1929) · p. Seite 709

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
48 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
Seite 709 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 709 Jm übrigen nahm die Verhandlung den folgenden Verlauf: Sir Boyd Merriman brachte zur Sprache, daß Herr Braude von der Zionistischen Exekutive in Jerusalem ein Telegramm an die Zionistische Exekutive in London entworfen habe, in welchem die moslemitische Demonstration an der Klagemauer am 16. August geschildert wird, welches Telegramm aber von der Regierung in einer Weise abgeändert worden war, daß die Er-, eignisse als wenig wichtig dargestellt erscheinen. Der neue Entwurf des Telegramms wurde Herrn Braude in der Handschrift des stellvertretenden Chefsekretärs Mills ausgehändigt. Herr Luke erklärte, er könne sich nicht im geringsten an den Verlauf seiner damaligen Unterhaltung mit Herrn Braude erinnern. Daraufhin überreichte Sir Boyd der Kommission den abgeänderten Telegrammtext in der Handschrift von Mills. Luke erklärte nochmals, er habe damals so viele Konferenzen gehabt, daß er sich nicht einmal an die wichtigsten Unterredungen mit jüdischen und arabischen Führern erinnern könne. Die Tatsache der Unterredungen selbst bestritt Luke nicht. Zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Boyd Merriman und Luke kam es bei Erörterung der Frage, wann der stellvertretende Distriktskommissar Cust Herrn Luke über die beabsichtigte moslemitische Demonstration benachrichtigt hatte. Luke behauptete, es sei ihm erst gegen Mittag darüber Bericht erstattet worden, während Herr Cust früher vor der Kommission ausgesagt hat, daß er schon bei seinem Eintreffen im Büro über die beabsichtigte Demonstration erfahren und hiervon „selbstverständlich ohne jede Verzögerung“ seinem Chef Luke Mitteilung gemacht hat. Sir Boyd brachte noch folgendes vor: Am 17. August hat Braude Herrn Luke mitgeteilt, daß die Moslemiten an der Klagemauer jüdische Gebetbücher und andere religiöse Utensilien verbrannt haben; er legte Herrn Luke den Entwurf eines für die Zionistische Exekutive bestimmten Telegramms vor. Herr Luke zeigte ihm den Entwurf des Regierungskommuniques über die jüdische und die arabische Demonstration. Herr Braude erhob Einwendungen gegen das Regierungskommunique. Luke behauptete nochmals, sich nicht erinnern zu können, das Telegramm an die Zionistische Exekutive gesehen zu haben, in welchem dargestellt ist, daß die Regierung die Ansammlung der Araber vor der Klagemauer geduldet habe, daß die Menge durch die neue Tür zur Klagemauer gekommen sei, daß Gebetbücher verbrannt wurden, daß die Gegend der Mauer polizeilich sehr schwach besetzt war, daß die Zionisten die Bestrafung der Heiligtumschänder gefordert haben und darauf hinwiesen, daß wenn man die Dinge so weiter treiben läßt, noch ernste Ereignisse folgen werden und daß die Mitglieder der Zionistischen Exekutive dringend aufgefordert wurden, angesichts des Ernstes der Lage nach Jerusalem zurückzukehren. Luke gab schließlich zu, daß es möglich sei, daß er gewisse Änderungen vorgeschlagen habe, er könne sich nur sehr schwach an die Unterredung mit Braude erinnern. — Die Unterbreitung des handschriftlichen Entwurfs, den Mills im Aufträge Lukes angefertigt hat, machte ungeheures Aufsehen. Sir Boyd stellte an Luke die folgende Frage: Sie sind der letzte Zeuge aus der Sphäre der Regierung: wollen Sie es zulassen, daß der Fall der Regierung erledigt wird, ohne daß jemand aus dieser Sphäre freiwillig Informationen darüber gibt, wer die arabische Demonstration arrangiert hat? Der Regierungsanwalt Preedy erhob energisch Einwendung gegen die Stellung dieser Frage. Sir Walter Shaw ersuchte Sir Boyd, die Frage einfacher zu stellen: Was Luke von den Organisatoren der Demonstration wisse. Sir Boyd verlas die Polizeiberichte aus Nablus und aus anderen Orten, aus denen hervorgeht, daß Rowdies, die niemals vorher zu religiösen Festen nach Jerusalem gewandert waren, diesmal am Geburtstag des Propheten in Au-tos nach Jerusalem fuhren. Können Sie, fragte Sir Boyd Herrn Luke, die Personen nennen, die diesen Leuten die Autos zur Verfügung stellten? Ich weiß nichts davon, erwiderte Luke. Auf eine andere Frage erwiderte Luke, er wisse nichts davon, daß in der zur Klagemauer führenden Passage eine Luxlampe nicht angebracht wurde, weil der Mufti gegen ihre Anbringung Einwendung erhoben hat. Er erinnere sich nur schwach an eine Diskussion wegen Anbringung eines Lampenständers zur Beleuchtung des Pflasters vor der Klagemauer, nachdem alle kleinen Lampen, die früher an den Gebäuden gegenüber der Mauer entfernt worden waren und die jüdischen Andächtigen ganz im Dunkeln sitzen mußten. Sir Boyd führte aus: Seit Tausenden von Jahren werden die jüdischen Gottesdienste am Versöhnungstag mit Schofarblasen abgeschlossen. Das Schofarblasen ist ein wesentlicher Teil des Jom- Kippur-Gottesdienstes. Luke erklärte darauf, er könne sich nicht erinnern, ob in früheren Jahren das Schofarblasen an der Klagemauer geübt wurde. Jedenfalls habe er nie vorher von Einwendungen gehört, die gegen das Schofarblasen erhoben wurden. Sir Boyd fragte: Haben der Mufti oder Oberste moslemitische Rat erklärt, sie könnten nicht für die Konsequenzen einstehen, wenn das Schofarblasen erlaubt werden würde? Luke erwiderte. Sie erhoben Einwände schon dagegen, daß am Rosch-Haschanah das Schofarblasen geübt wurde. Leugnen Sie es, fragte nochmals Sir Boyd, daß der Mufti gesagt hat, er lehne jede Verantwortung ab, wenn am Jom Kippur geblasen wird? Ich erinnere mich nicht, antwortete Luke. Sir Boyd: Aber es wurde am Jom Kippur nicht geblasen? Luke: An der Mauer nicht. Die ijUtionfierte SCHRAMM | ZMüriehen ^gBA^°senstraße5j vV' *Kfv7

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