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Das jüdische Echo · 1929-11-22 · 47 (22.11.1929) · p. Seite 700

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
47 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
Seite 700 (sequence 15)
Language
German
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700 Das Jüdische Echo Nr. 47 und wahr das Ringen des Propheten um sich selbst, um seine Vision und um Anerkennung, die er zuerst bei den Ärmsten und Bresthaften findet; der Blinde (E. Winiar), der sich als erster zu ihm bekennt, bot eine erschütternde Leistung. Das Bühnenbild G. Jakulows und die Musik A. Kreins verstärkten den mächtigen Eindruck; die Aufführung fand reichen Beifall, der vor allem den Hauptdarstellern Rowina und Friedland galt. Der Dybuk Der gewaltige Nachhall, den jede Aufführung des „Dybuk“ hinterläßt und diesen nach wie vor zum Glanzstück der Habimah stempelt, gründet sich vor allem darauf, daß der Chassidismus, diese fremde, aber reiche von religiösen Gemeinschaften eigenartigster Prägung und stärksten inneren Zusammenhangs gebildete Welt in Drama und Aufführung in einer Weise deutlich und lebendigwird, die alles übertrifft, was man bei uns je im Theater erlebt hat. Sei es, daß diese Wirkung der einzigartigen Regie Wachtangows zu verdanken ist, sei es, daß sie sich ergibt aus der letzten Hingabe einer auserlesenen Künstlerschar, der vortrefflichen Besetzung noch der letzten Rolle und der eminenten Beseelungskraft vor allem der Träger der drei Hauptgestalten (Chanan: Zwi Friedland, Lea: A. Rowina, Zadik Asriel: B. Tschemerinsky) — die geheimnisvolle Atmosphäre, in der sogar Dämonenglaube und eine Gerichtsverhandlung mit einem toten Zeugen alle Unwahrscheinlichkeit verlieren, war da und sie schlug alle Zuschauer in Bann. Nach der Abschiedsvorstellung konnte die Habimah eine Ovation ohnegleichen entgegennehmen, die bewiesen hat, daß man in München ihre Kunst zu schätzen weiß und die hoffentlich veranlassen wird, auch später München wieder zu berühren. (Bericht über die Golem-Aufführung folgt in der nächsten Nummer.) Am Samstag, dem 16. November, wurde nach der Aufführung im Hause des Herrn Justizrats Dr. Elias Straus ein Empfang für die Damen und Herren der Habimah und Freunde ihrer Kunst veranstaltet, zu dem die Herren Otto Falkenberg, Adolf Kaufmann und Julius Gellner von den Kammerspielen, aus Münchener literarischen Kreisen die Herren Thomas Mann, Bruno Frank und Karl Wolfskehl und für die jüdischen Freunde der Habimah die Herren Justizrat Dr. Straus und Paul Grünbaum eingeladen hatten. Herr Justizrat Dr. Straus gab zu Beginn des Abends in herzlichen deutschen und hebräischen Worten seiner Freude Ausdruck, die Habimah begrüßen zu dürfen, deren Kunst nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die ganze Kulturwelt so außerordentlich viel bedeute; er ‘dankte ihr für all das, was sie an hohen geistigen Erlebnissen vermittelt habe und wünschte ihr für die Zukunft weiter die Möglichkeit, ihre theatralische Sendung zu erfüllen. Im Verlaufe des Abends wandte sich auch Herr Direktor Otto Falkenberg an die Gäste: Die Habimah vereine, und das mache ihre besondere Bedeutung aus, gleichzeitig Problem und Erfüllung. Ihre Aufführungen brächten problematische Stoffe; vermöchten sie aber in einem einheitlichen Stil darzustellen, während das deutsche Theater seit Goethe,, Schiller und Kleist um das Problem kämpfe und doch einen wesenseigenen Stil bis zu unseren Tagen nicht habe entwickeln können. Herr Tschemerinsky, dessen Worte Herr Justizrat Dr. Straus ins Deutsche übertrug, dankte für die freundliche Gesinnung, die man der Habimah entgegenbringe und er versprach, daß sie bemüht sein werde, diesen Dank in neuen Taten darzubringen; die Habimah wolle unermüdlich Weiterarbeiten, ihr Repertoire erweitern und darnach streben., für die Kunst, für das jüdische Volk und für die Menschheit ihr Bestes zu geben. Man blieb noch lange vereint, der Empfang hat das durch die Aufführungen geschaffene geistige Band noch enger geschlossen und man darf wohl sagen, daß nun auch in München ein weiterer Kreis von begeisterten Freunden der Habimah entstanden ist, der vielleicht — und wir wollen es hoffen — auch noch eine organisatorische Form finden wird. I. E. Gemeinden-u. Vereins-Echo Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde, München. Donnerstag, 28. November: Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7/II: 20.15 Uhr: Rabbiner Dr. Leo Baerwald, „Der Prophet Jeremias. Der Mensch und seine Sendung“. — 21.15 Uhr: Dr. Ludwig Feuchtwanger, „Epochen der jüdischen Selbstbehauptung seit dem Untergang des eigenen Staates“. Jungzionistischer Arbeitskreis München. Die geplante Aussprache über „Zionismus und Sozialismus“ findet Dienstag, 26. November, abends 8.30 Uhr, im Heime des K.J.V., St.-Anna-Straße 6, statt. Die einleitenden Referate wurden von den Herren Fritz Weißbarth und Ignaz Emrich übernommen. Zionistische Ortsgruppe München. In einer wiederum sehr gut besuchten Versammlung, Montag, den 18. November, wurde die unlängst begonnene politische Aussprache fortgesetzt. Frau Dr. Grete Weihl stellte in ihrem einleitenden Referat über politische Fragen Palästinas und des Zionismus zunächst fest, daß seit den Ereignissen in Palästina eine verhängnisvolle Radikalisierung eingetreten sei, der es entgegenzuwirken gelte. Dann versuchte sie zu zeigen, daß im Grunde nur zwei politische Auffassungen der Lage einander gegenüberstehen, die machtpolitische des Revisionismus und die friedenspolitische des Brith Schalom. An der Klagemauerfrage, an der Araberpolitik und an der Englandpolitik wies sie diese entgegengesetzte Reaktion auf. Sie lehnte das politische System des Revisionismus mit Entschiedenheit ab und hält eine Lösung all der Fragen nur auf dem vom Brith Schalom gezeigten Wege für möglich. Zum Schluß warf sie die Frage auf, was uns eine jüdische Heimstätte in Palästina bedeutet. Sie hält eine jüdische Majorität in Palästina zur Erfüllung dieses Begriffes nicht unbedingt für notwendig und glaubt, daß die Geschichte gegen Herzl und für Achad Haam entschieden hätte. Nachdem Herr Dr. Emrich einen kurzen Bericht über die Sitzung des Landesvorstandes vom 10. November erstattet hatte, kamen in der sehr angeregten Diskussion meist gegenteilige Stimmen zu Wort. Es sprachen die Herren Reich, Emrich, Uschpitz, Lichtenauer, Harburger, Wolf, Siman und Frau Dr. Straus. Im Schlußwort setzte sich Frau Dr. Weihl mit den anderen Anschauungen auseinander. Die Diskussion, die sich bis fast 12 Uhr erstreckte, wurde unterbrochen, damit die Wahl der Delegierten zu dem am 1. Dezember in Nürnberg stattfindenden Gruppenverbandstag für Bayern vorgenommen werden

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