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Das jüdische Echo · 1929-11-22 · 47 (22.11.1929) · p. Seite 699

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
47 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
Seite 699 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 699 milgeteilt wird — in der Nacht zum 28. Oktober zwei Grabsteine umgeslürzt und zwei Kindergräber verwüstet. Die Friedhofsmauer wurde beschädigt und der Ausgang in der gemeinsten Weise beschmutzt. Die Gendarmerie hat die Verfolgung der Täter aufgenommen. Es ist dies die 76. Friedhofschändung, die seit Ende 1923 in Deutschland festgestellt worden ist. Die Mandatskommission hält im März eine außerordentliche, der Erörterung der Palästinalage gewidmete Tagung ab Genf, 15. November. (JTA.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat sich heute wiederum mit der Frage Palästinas befaßt und beschlossen, im März 1930 eine außerordentliche Session ahzulialten, die ausschließlich der Erörterung der Lage Palästinas im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen gewidmet sein soll. Der Mandatskommission wird bis zu diesem Zeitpunkt durch die englische Regierung der Bericht der nach Palästina entsandten Untersuchungskommission übermittelt worden sein, die Mandatskommission wird diesen Bericht prüfen und ihr Gutachten dem im Mai 1930 zu einer Sitzung zusammentretenden Völkerbundrat unterbreiten. Sejmdeputierter Jizchak Grünbaum 50 Jahre Warschau, 15. November. (JTA.) Am 24. November wird Rechtsanwalt Jizchak Grünbaum, Abgeordneter des polnischen Sejm und Präsident des jüdischen Parlamentsklubs, 50 Jahre alt. Innerhalb des polnischen Judentums werden Vorbereitungen zur Ehrung Grünbaums getroffen. Überfall auf das Gebäude des Warschauer „Nasz Przeglond“ Warschau, 18. November. (JTA.) Etwa fünfzehn junge Leute drangen in der Nacht in das Gebäude der in polnischer Sprache erscheinenden jüdischen Tageszeitung „Nasz Przeglond“ ein, richteten Zerstörungen an und mißhandelten zwei Angestellte. Als die Druckereiangestellten herbeieilten, entflohen die Bowdies. Dr. Cyrus Adler Präsident des American Jewish Committee — Julius Rosenwald Vizepräsident Neuyork, 12. November. (JTA.) Dr. Cyrus x\dler, Präsident des Jüdischen Theologischen Seminars von Amerika, wurde in der soeben in Neuyork abgehaltenen 23. Jahrestagung des American Jewish Committee zum Präsidenten dieser Körperschaft an Stelle des verstorbenen Herrn Louis Marshall, des Begründers des A. J. C., gewählt. Zum Vizepräsidenten wurde Herr Julius Rosenwald aus Chicago wiedergewählt. 1!■! u di: iiiiiiii | Feuilleton Willi 1 iiii i I i i 1 Das Gastspiel der Habimah Jaakobs Traum Richard Beer-Hofmann hat in „Jaakobs Traum“ vielleicht die schönste, sicher aber auch eine der tiefsten Ausdeutungen der Berufung Jaakobs gegeben; die Idee der Auserwähltheit des jüdischen Volkes erhält hier eine Rechtfertigung, die vor der ganzen Menschheit bestehen darf. Ob aber dieses mehr lyrische als dramatische Vorspiel zu einer Trilogie von König David (vielleicht bringt die längst versprochene Vollendung des Gesamtwerkes das David-Drama, das wir ersehnen) auch für die Szene geeignet ist? Man darf bezweifeln, ob eine deutsche Aufführung, sogar in einer zusammengestrichenen Bühnenbearbeitung zu fesslen möchte; wenn die Form, in der die Habimah das Werk hebräisch einem Publikum gebracht hat, das von den Reden der Engel und Jaakobs in dem langen handlungslosen letzten Bilde zum größten -Teil auch nicht ein Wort verstanden haben dürfte, nicht gänzlich versagte, sondern im Gegenteil noch außerordentlich starken Beifall hervorrief, so hat man dies nur der Kunst zuzuschreiben, mit der alles, was nur einigen Anlaß zu dramatischer Belebung bot, herausgearbeitet wurde, und den allerdings überragenden Künstlerpersönlichkeiten, die sich für Hauptwie für Nebenrollen einsetzten. So gab es eine stürmische und jubelnde Begrüßung Edoms (A. Messkin) durch seine Frauen, eine um das letzte gehende Auseinandersetzung zwischen Rebekka (A. Rowina) und dem andrängenden Edom, eine aus tiefstem Instinkt gestaltete Freilassung des Knechtes Idnibaal (E. Bertonoff) durch Jaakob (L. Warschawer) und eine ergreifende Versöhnung der beiden feindlichen Brüder — Szenen von dramatischer Wucht, seelischer Spannung, geradezu Dramen en miniature. Das dritte Bild allerdings vermochte auch die Habimah nicht in die Sphäre des Übersinnlichen, des mystischen Traumes und gleichzeitig des bewegten, konkreten Lebens zu stellen; kann man die szenische und räumliche Lösung noch als gelungen anerkennen, so kann doch nicht verschwiegen werden, daß der Übergang von Rezitation zum Gesang Härten nicht vermied, daß sich ein opernhafter Zug — und kein guter, denn dazu fehlt die Macht des Orchesters und die Macht der Gesangsstimmen — zu sehr geltend machte. Gewiß — auch hier bot die Habimah weit mehr als man erwarten durfte: in der mystisch-verschleierten, verhangenen Stimme des Samael (Zwi Friedland) klang ewige Klage, das Leid der Verstoßung, tönte unendliche Sehnsucht und in den Stimmen der Engel leuchtete der paradiesische Glanz der göttlichen Verheißung. Der Ewige Jude Der nationale Zusammenbruch der Juden nach der Zerstörung Jerusalems, der Eindruck dieses für unmöglich gehaltenen Geschehnisses wird in diesem Drama David Pinskys im wesentlichen an zwei Personen dargestellt: An der jungen Frau (A. Rowina), die den Schmerz so stark erlebt, daß sie nicht einmal mehr ihr Kind säugen will, weil es an dem Tag der Vernichtung des Tempels geboren wurde und an dem Propheten (Zwi Friedland), der den Schmerz nicht weniger spürt, aber gerade in diesem Zeitpunkte an die Erlösung durch den Moschiach glaubt — bis auch diese letzte Hoffnung zuschanden wird und er als ewiger Jude seinen Gang durch die Jahrtausende antreten muß. Die Habimah bringt in stimmungsvollen Szenen das Drama zur Geltung: großartig gestaltet der Gegensatz zwischen dem hellen Treiben des Alltags, dem unverzagten und leichtfertigen Optimismus der Menge und den düsteren Ereignissen, die immer stärker sich in den Vordergrund drängen und schließlich alles in Schmerz, ja in Trostlosigkeit auflösen, plastisch

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