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Das jüdische Echo · 1929-11-22 · 47 (22.11.1929) · p. Seite 698

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
16 (1929)
Issue
47 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
Seite 698 (sequence 8)
Language
German
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698 Das Jüdische Echo Nr. 47 dem Polizeibiiro durch Messerstiche in den Rücken schwer verletzt wurde, hat unter der Bevölkerung Jerusalems ungeheure Empörung hervorgerufen. In der Gegend von Haifa hat eine andere Gewalttat große Empörung hervorgerufen. In der Nacht zum Mittwoch, den 18. November, wurden Jeseliaja Levit und Erau Eanni Badash, die sich im Wagen auf dem Wege nach ihrem Wohnort Iverkur befanden, in der Nähe von Chedera an der Eisenbahnstation von einem Trupp Araber angegriffen. Frau Badash wurde in grauenvoller Weise ermordet, Jeschaja Levit durch Schüsse lebensgefährlich verwundet. Die Pferde wurden ausgespannt und weggeführl, der Wagen wurde geplündert. Sechs Araber wurden als der Tat verdächtig verhaftet. Dr. Tichos Gesundheitszustand gebessert Jerusalem, 15. November. (JTA.) Das Oberrabbinat ordnet an, daß in allen Synagogen für die Wiedergenesung des von einem Araber durch Messerstiche schwer verletzten berühmten Augenarztes Dr. Ticho gebetet wird. Wie es heißt, hat sich der Zustand Dr. Tichos etwas gebessert. Schießereien in Jerusalem und in Safed J e r u s a 1 c m , 14. November. (JTA.) Gegen das von Juden bewohnte Jerusalemer Stadtviertel ,Niekor Cbajim“ wurden in der letzten Nacht mehrere Schüsse abgegeben; es ist nicht gelungen, den Tätern auf die Spur zu kommen. Im westlichen Teil der Stadt Safed haben Araber plötzlich eine Schießerei begonnen, die dreißig Minuten lang fortgesetzt wurde. Ein englischer Soldat wurde getroffen und schwer verletzt in das lladassah-Hospital gebracht. Den Urhebern gelang es zu entkommen, bevor britisches Militär an Ort und Stelle angelangt war. Studenten-Äusschreitungen Schwere Ausschreitungen antisemitischer Studenten in Krakau Krakau, 18. November. (JTA.) Am 18. November nachmittags fanden an der medizinischen Fakultät der Krakauer Universität schwere Ausschreitungen nationaldemokratischer Studenten gegen jüdische Medizinstudierende statt. Etwa 150 polnische Studenten fielen über eine Gruppe von neun jüdischen Studenten her und schlugen lange Zeit auf sie los. East alle Mißhandelten erlitten erhebliche Verletzungen und mußten durch die fliegende Ambulanz der Rettungsgesellschaft verbunden werden. Anlaß zu dem Überfall gab das Gerücht, daß am Abend vorher jüdische Studierende im Sladtpark einige Niehljuden mißhandelt hatten. Krakau, 15. November. (JTA.) Die Hetze gegen die jüdische Studentenschaft in Krakau dauert an. Die nationaldemokratischen Studenten verbreiten Proklamationen, in denen erklärt wird, die Überfälle auf jüdische Studenten im Mittwoch seien nur ein Racheakt für vorangegangene jüdische Provokationen gewesen. Es wird zu einem gesellschaftlichen Boykott der jüdischen Studenten in ganz Polen aufgefordert. Am 14. November hielten die polnischen Studenten eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, die jüdischen Mediziner vom Anatomischen Institut mit Gewalt fernzuhalten. Heute morgen wurde dieser Beschluß auch schon durchgeführt. Die jüdischen Studenten wurden mit Gewalt aus dem Seziersaal entfernt. Mittags wurden jüdische Studenten im Universilälsgebäude mißhandelt, ein jüdischer Student wurde in schwer verletztem Zustande in das Krankenhaus gebracht. Cafe Wintergarten Franz Schnabel Vollständig renoviert (m. Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags-Konzert / Äbend Tanz Kapelle Jos£ Zangelas Zivile Preise / Kein Weinzwang / Kein Eintritt Tassen und Portionen Kaffee werden verabreicht K r a kau, 17. November. (JTA.) Am Freilag, dem 15. November, griffen die antisemitischen Studentenunruhen auf die Handelshochschule über, an der eine große Zahl Juden studiert. Das Hochschulgebäude war von nationaldemokratischen Studenten aus verschiedenen Hochschulen und Fakultäten umstellt; kein Jude durfte ins Gebäude hinein. Juden, die bereits in den Vorlesungssälen waren, wurden herausgezerrt und schwer mißhandelt. Der Direktor der Handelshochschule Roland, ein getaufter Jude, ging an der Spitze der Demonstranten von Saal zu Saal und forderte die Juden zum Verlassen des Gebäudes auf, während Professor Sarna, ein Pole, sich der bedrängten Juden annahm. Krawalle der deutschvölkischen Studenten in Prag Prag, 18. November. (JTA.) Nachdem vor einigen Tagen die Studenten der medizinischen Klinik der tschechischen Masaryk-Universität in Prag für die Einführung des. Numerus clausus für Ausländer an den tschechischen Hochschulen demonstrierte und ein Teil der tschechischen Hörerschaft eine direkte antisemitische Haltung einnahm und Rufe gegen die Überflutung der medizinischen Fakultät durch „polnische Juden“ ausstieß, kam es heute an der Prager deutschen Universität und an der Technischen Hochschule zu turbulenten Demonstrationen der deutschnationalen und deutschvölkischen Studenten gegen die ausländische und insbesondere gegen die jüdische Hörerschaft, wobei der Numerus clausus für Juden gefordert wurde. Die Vorlesungen an der Universität und an der Technik wurden für zwei Tage sistiert. Am Nachmittag fanden an der tschechischen Universität abermals Demonstrationen gegen die Ausländer statt, die zum Teil antisemitisch betont waren. Aus der Jüdischen Welt Nationalsozialisten ziehen in die deutschen Stadtparlamente ein Berlin, 18. November. (JTA.) Die gestern in Preußen, Sachsen und Hessen durchgeführten Wahlen in die Stadtparlamente und in die Provinzial- Landtage haben fast überall ein starkes Ansteigen der nationalsozialistischen Stimmen auf Kosten der deutschnationalen erbracht. In Berlin, wo die Nationalsozialisten bisher nicht vertreten waren, ziehen sie mit 18 Stadtverordneten unter Führung von Dr. Goebbels (bei der Gesamtzahl von 225) in das Stadthaus ein. Ihre Stimmenzahl betrug in Berlin 132 031. Zum Teil saugten sie auch die Stimmen der Völkischen und der Deutschsozialen (bisher 3 Mandate) in sich auf. In vielen anderen Großstädten des Reiches ist das Verhältnis für sie ein noch günstigeres. Die 76. Friedhofschändung Berlin, 14. November. (JTA.) Auf dem jahrhundertealten jüdischen Friedhof in Floß bei Weiden in Bayern wurden — wie der „C.-V.-Zeitung“

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