Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 47 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- Seite 697 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 697 um Schutz für die jüdischen Kolonien ersucht hatte. Auch als ihm Erleigh die Namen der Mitglieder der Deputation laut einem Bericht im „Haarez“ vorlas, blieb er dabei, daß er sich nicht erinnern könne; es fanden, fügte er hinzu, damals so viele Zusammenkünfte statt. Wolfgang von Weisl vor der Untersuchungskommission Jerusalem, 15. November. (JTA.) Vor der Untersuchungskommission erschien heute Dr. Wolfgang von Weisl, der bekannte Orientschriftsteller und Vertreter des Berliner Ullstein-Dienstes, der auch Mitglied des Zentralrats des Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten ist. Dr. v. Weisl, der während der Jerusalemer Unruhen als einer der ersten verletzt wurde und noch heute an den Folgen dieser Verletzung zu leiden hat, erschien im Saale, gestützt von seiner Gattin und einer Pflegerin. Er berichtete über die Geschehnisse an der Klagemauer am 16. August und in der Jaffastraße am 23. August und entwickelte auf Befragen der Anwälte die Grundsätze des Revisionismus, die, so sagte er, die Grundsätze der ersten Zionisten sind und nichts enthalten, was den Arabern Anlaß zu Befürchtungen geben könne. An dem tragischen Freitag, dem 23. August, nach 1 Uhr hörte er, daß sich in der Jaffastraße Unruhen vorbereiteten. Er eilte an das Jaffa-Tor, dort traf er bewaffnete britische und unbewaffnete arabische Polizei an. Ein britischer Offizier und der stellvertretende Distriktskommissar, Herr Cust, waren ebenfalls da. Die Straße entlang marschierten 150 bis 200 mit Schwertern und Knütteln bewaffnete Araber. Ein verfolgter Jude rannte auf die Polizei zu, er wurde aber, bevor er diese erreichte, niedergestochen; er erhob sich, fiel aber, durch einen zweiten Stich getroffen, wieder hin. Polizisten trugen ihn hinter die Polizeikette, und Herr Cust bemühte sich, die Araber zu beruhigen. Fünf Minuten später wurde abermals ein Jude niedergeschlagen, und der Mob lief den Bethlehem-Weg hinunter. Die Polizei brachte die Menge zum Stehen. Dr. v. Weisl begab sich zur Jaffastraße, wo er besorgte Juden einander zurufen hörte: Die Araber kommen! Vor dem arabischen Demonstrationszug waren zwei Polizisten zu Pferde, hinter dem Zuge fuhr ein Panzerauto in Begleitung von vier englischen Polizisten. Der Zug bewegte sich ruhig fort. Plötzlich stürzte sich ein Araber, ein Hüne von Gestalt, mit einem Knüttel auf einen Juden, fast in demselben Augenblick erhielt er, Dr. v. Weisl, von zwei Arabern Schläge auf den Kopf, sein Tropenhelm milderte die Wirkung der Schläge. Er packte einen der Angreifer und wollte ihn der Polizei übergeben, die Polizisten waren aber allzu beschäftigt. Der Festgehaltene versuchte, sich loszureißen, und während er, Weisl, mit ihm rang, fühlte er einen Stich in den Rücken. Er sah sich um und sah, daß es ein junger Araber war, der den Messerstich geführt hatte. Er sah weiter, daß die Polizisten den Angreifer faßten, ihn aber nicht verhafteten, sondern in den Zug hineinstießen. Fast in der gleichen Minute wurde der Jude Eiiah Raitan von einem anderen Araber durch Messerstiche tödlich verletzt. Ebenso wurde der hebräische Schriftsteller Ittmar ben Awi, der sich unweit von Dr. v. Weisl befand, verletzt. Palästinanachrichten Die außerordentliche Tagung des Waad Leumi — Waad Leumi fordert ein Durchgreifen gegen den Terror — Pinchas Ruthenberg zum Präsidenten wiedergewählt Jerusalem, 17. November. (JTA.) Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas) hat in einer soeben abgehaltenen außerordentlichen Sitzung beschlossen, den Oberkommissar Sir John Chancellor dahin zu informieren, daß die jüdische Bevölkerung den jetzigen Zustand der Anarchie im Lande auf die Schwäche der Regierung zurückführt. Der Oberkommissar wird aufgefordert, strenge Maßnahmen zur Unterdrückung des Terrors und zur Wiederherstellung der Sicherheit im Lande zu ergreifen. In einer zweiten Resolution wird dagegen protestiert, daß seitens der Regierung oder Privatpersonen Besprechungen mit arabischen Führern über die Errichtung eines Parlamentes gepflogen werden. In der Resolution wird erklärt, daß Konzessionsangebote als eine Prämie für Pogrome angesehen werden müßten. Der Waad Leumi hat einen Aufruf an den gesamten jüdischen Jischuw erlassen, in welchem dieser aufgefordert wird, Disziplin zu wahren und keinerlei gesonderte politische Aktion zu unternehmen. Zmn Präsidenten des Waad Leumi wurde Pinchas Ruthenberg wiedergewählt. Ein Beschluß des Waad Leumi lautet dahin, daß zur Weilerführung des jüdischen Aufbauwerkes eine zentrale Finanzinstitution geschaffen werde, deren Direktorium sich aus Persönlichkeiten der Jewish Agency und des Waad Leumi zusammensetzen solle. Fortdauernde Gewalttaten der Araber in Palästina J e r u s a 1 e m , 17'. November. (JTA.) Die Ermordung zweier Araber in der Nähe der großen jüdischen Kolonie Petach Tikwah hat die Gemüter erregt. In dem Dorfe Befiksa in der Nähe der Jerusalemer jüdischen Vorstadt Moza nahmen zwei Polizisten, ein Araber und ein Zirkassier, Haussuchungen nach Waffen vor. Als sie zwei Gewehre konfiszierten, wurden sie von Dorfbewohnern angegriffen. Der Zirkassier erlitt schwere Verletzungen, der arabische Polizist konnte unverletzt entkommen. Das Haus eines jüdischen Wächters in einem Orangenhain der jüdischen Kolonie Rechoboth, südlich von Rischon Lezion wurde in der Nacht von Arabern beschossen. Niemand wurde verletzt. Jerusalem, 13. November. (JTA.) Ein Mordanschlag auf den berühmten jüdischen Augenarzt Dr. Ticho, der von einem Araber unmittelbar vor w'München ftosenstraße>5 SCHRAMM ^utonHijrtc ’imikp.