Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- 47 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- Seite 696 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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696 Das Jüdische Echo Nr. 47 hebt. Herr Shean erklärte, er habe seine Meinung geändert, weil die jungen Juden Palästinas die arabische Bevölkerung in vorlauter und zynischer Weise beurteilen. Seine Sympathien für den Zionismus seien geschwunden, als er gesehen habe, wie durch das System getrennter Schulen die Kinder Palästinas dazu erzogen werden, einander zu hassen. Miß G o 1 d s m i t h , die auf Antrag von Sir Boyd Merriman geladen wurde, sagte aus, sie sei eine Freundin und Nachbarin der Familie Agronsky in Tel-Awiw. Am 14. August reist sie nach Jerusalem, um dort einige Rechnungen zu bezahlen. Frau Agronsky hat sie gebeten, beim Postamt nachzufragen, ob seitens der Londoner „Times“ irgendwelche Arrangements für Entgegennahme von Telegrammen getroffen wurden, ferner wegen eines Vertreters des Herrn Agronsky sich zu erkundigen. Von einem Möbelhändler, bei dem sie eine Bestellung gemacht hat, erfuhr sie, daß die medizinische Organisation Hadassah Tragbahren bestellt hat und daß diese Bestellung vielleicht damit in Zusammenhang steht, daß es am Tischa b’Aw zu Angriffen von Arabern auf Juden kommen werde. Da sie wußte, daß Herr Shean ein Freund Agronskys ist, habe sie ihn ersucht, mit ihr zur Klagemauer zu gehen. Sie hat nichts davon gesagt, daß ein Aufruhr erwartet werde, sie konnte es auch nicht gesagt haben, da sie es nicht wußte. Sie hat Herrn Shean nie etwas über bewaffnete Chaluzim gesagt. Sie selbst hat keinen Revolver gesehen, und Herr Shean hat ihr auch nicht gesagt, daß er eine solche Waffe bemerkt hat. Die Menge an der Klagemauer bestand aus jüngeren und älteren Leuten; es geschah nichts Besonderes. Der stellvertretende Kommissar für den Norddistrikt, Herr G. McLaren aus Haifa, und der stellvertretende Kommissar des Süddistrikts, Herr R. E. C r o s b i 1 aus Jaffa, machten heute ihre Aussagen vor der Untersuchungskommission zuerst in einer öffentlichen Sitzung und dann hinter geschlossenen Türen. Der geheimen Einvernahme durften auch nicht die Anwälte der Palästinaregierung, der Jewish Agency und der arabischen Exekutive beiwohnen. McLaren sagte aus, er habe am Freitag, dem 23. August, abends, von den Jerusalemer Unruhen erfahren, nachdem bereits frühere Jerusalemer Zwischenfälle eine unruhige Stimmung in Nablus, Tulkerem und Yenin, rein moslemitische Städte des Norddistriktes, geschaffen hatten, wogegen Haifa sich für diese Zwischenfälle wenig interessiert hat. Am Samstag, dem 24. August, war aber auch in Haifa eine geringe Erregung festzustellen. Einer bei ihm vorsprechenden jüdischen Deputation habe er mitgeteilt, daß Vorsichtsmaßregeln ergriffen worden seien. Die Juden waren in erregter Stimmung, hatten ihn aber in der Aufrechterhaltung der Ruhe unterstützt. Auch die moslemitischen Notabein hatten versprochen, für Ordnung zu sorgen. McLaren konnte keine Auskunft über die Zusammensetzung der Bevölkerung von Haifa geben, so daß Sir Boyd Merriman seinerseits feststellte, daß in Haifa 14 000 Juden, 13 000 Moslemiten leben und daß der Rest der Bevölkerung sich aus christlichen Arabern und Europäern zusammensetzt. Die gegen die Juden sich bemerkbar machende Bewegung, sagte McLaren . MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.KostUmstlckareien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 weiter, war nicht spontan. Auf Befragen von Viscount Erleigh sagte McLaren, es sei ihm bekannt gewesen, daß Agitatoren am Werke seien, daß Flugschriften aufreizenden Inhalts unter den Arabern des Samaria-Distriktes verbreitet wurden und daß die in Nablus entstandenen Unruhen durch ein sofortiges Eingreifen der Polizei gänzlich unterdrückt werden konnten. McLaren mußte weiter zugeben, daß er es unterlassen habe, jüdische und arabische Persönlichkeiten zu einer Aussprache zusammenzubringen, obwohl Herr Shabati Levy ihn dahin informiert habe, daß er, Levy, mit dem Moslemiten Ibraham Boy Khahil die Abhaltung einer gemeisamen Versammlung am 24. August, um der Agitation entgegenzuwirken, besprochen und McLaren ersucht habe, bei dieser Beratung den Vorsitz zu führen. McLaren gab zu, daß er auch mit Ibraham Bey Khalil gesprochen habe, antwortete im übrigen ausweichend und sagte, es sei in der Sache nichts mehr geschehen. Herr Crosbie, der Vizekommissar des Süddistrikts, schilderte die Anstrengungen, die gemacht wurden, um eine arabische Demonstration in Jaffa, die sehr gefährliche Formen hätte annehmen können, zu verhindern. Auf Befragen des Anwalts Silley sagte Crosbie, nur eine kleine Minderheit sei für die Unruhen verantwortlich, die ganze arabische Bevölkerung von Jaffa war gegen die Balfour-Deklaration. Silley fragte Crosbie, ob der Scheich Abdul Karer Muzchar aus Jaffa, der hier im Saale neben dem Anwalt der arabischen Exekutive sitzt, in der Versammlung der Vereinigung moslemitischer junger Männer eine Rede gehalten hat. Crosbie erwiderte: Das ist ganz sicher, ich kann mir keine Versammlung vorstellen, in der dieser Scheich nicht redet, er hat eine Leidenschaft fürs Reden. Das liberale Mitglied der «Kommission, Hopkins Morris, erklärte, er erkenne in dem Scheich Muzchar denjenigen Herrn, der die Mitglieder der Untersuchungskommission bei ihrem Besuch in Jaffa angesprochen hatte. (Muzchar figuriert in der von „Dawar“ veröffentlichten „Schwarzen Liste“ der Regierung, die arabische Nationalisten und Kommunisten vereinigt.) Crosbie sagte weiter aus, er sei überzeugt, daß ein Massaker in Tel-Awiw dadurch abgewendet worden sei, daß Polizeioffizier Riggs gegen die auf Tel-Awiw marschierenden Araber das Feuer eröffnete. Es sei nicht wahr, daß die Erregung erst durch das Feuern entstanden sei. Unglaubliche Behauptungen Silleys über die Haganah Der Anwalt Silley brachte wieder die Angelegenheit des jüdischen Selbstschutzes (Haganah) zur Sprache und fragte Crosbie, ob er wisse, was Haganah bedeutet. Crosbie erwiderte, er habe wohl von Haganah gehört, wisse aber nichts Definitives, ob sie tatsächlich besteht. Wenn sie besteht, so könne es sich nur um eine jüdische Selbstschutztruppe gegen arabische Angriffe handeln. Silley: Als ein Resultat der von den Juden verfolgten Politik? Crosbie: Ich möchte das nicht behaupten. Nun brachte Silley das in Tel-Awiw erschienene hebräische Büchlein über den ukrainischen Selbstschutz zur Sprache, wogegen Sir Boyd Merriman Einspruch erhob. Darauf Silley: Wenn ich richtig informiert bin, so befindet sich das Hauptquartier der Haganah in der Ukraine, aber es bestehen zwei Gruppen in der ganzen Welt. Crosbie erklärte auf Befragen von Viscount Erleigh, er könne sich absolut nicht daran erinnern, daß eine Abordnung jüdischer Bauern ihn